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Kolumne: Hessisch für Anfänger

Zu den kleinen Dingen, die meine Großmutter genoss, gehörte der „Kannelzucker“, den sie zum Süßen verwendete. Der Begriff „Kandis“ stammt vom italienischen Wort für Rohrzucker und wurde in der Mundart zum Kandel- („Kannel“-) Zucker.

„Kandel“ oder „Kannel“ taucht allerdings auch in ganz anderem Zusammenhang auf. In der „Kendel“ oder „Kennel“ konnte früher das Wasser „uff de Gass“ abfließen. Ein heftiger Gewitterregen hinterlässt „Kennel“ im lockeren Erdreich. „Kennele“ gebrauchte man laut Frankfurter Wörterbuch einst für „rinnen“ oder „auslaufen“: „Des Dibbe kennelt ja.“

Nach wie vor in der Mundart lebendig ist „Kennel“ im Zusammenhang mit der Regenrinne. Anspielend auf die Körpergröße heißt es in der Odenwälder Mundart über einen groß gewachsenen Menschen, dass er „aus em Dachkannel saufe kann“. Nicht weniger drastisch wird Dummheit verhöhnt: „Wann de so lang wärschd wie dumm, kennschde aus ’m Kannel Wasser saufe.“

Generell scheint auf und in Dachrinnen viel los zu sein, wobei sicherlich einige Wendungen aus dem Südhessischen Wörterbuch überholt sind. Denkt man bei dem tänzelnden Gehabe einer koketten jungen Dame wirklich noch daran, dass sie sich dreht „wie en Spatz uff dem Kannel“? Ebenso wenig hat es ein Verehrer heute nötig, dass „er die Kannel ruf geklettert kimmt“.

Für den Schlafwandler bleibt aber stets die Gefahr, dass er „de Kannel erunner wewwerd (herabschlittert)“ und „vom Kennel in die Dachtraaf (Dachtraufe)“ kommt. Wahr bleibt auch: „Aa Spatz am Bennel (Bändel) is besser als Zehe (zehn) uffem Kennel.“

Das Buch: Hans Peter Dieterich „Hessisch für Anfänger“, Societäts Verlag, 12,80

(hpdie)
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