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Hessisch für Anfänger: Rambes

Was Apfelwein-Liebhaber an ihrem Stöffche schätzen, empfinden andere schlichtweg als sauer. Während moderne Kelterverfahren eine einheitliche und gute Qualität garantieren, war es in früheren Zeiten nicht ungewöhnlich, dass Wein aus Trauben und Äpfeln die Note herb verfehlte und bei krachsauer landete.

„Rambes“, „Rambas“ oder „Rambel“ nannte man diesen minderwertigen Tropfen, verwendete den Begriff laut Frankfurter Wörterbuch aber auch für anderes Misslungenes: „Deß seechtmer von Getrenke unn so Sache – von saure Wei awwer (oder) Ebbelwei, von verdorwe Brei unn so.“

Vermutlich steckt in „Rambes“ das Wort „Rappes“, auf Hochdeutsch Rappen, wie die von den Beeren befreiten Traubenstiele heißen. Verständlich, dass daraus kein guter Wein werden kann.

Auch jenseits der Landesgrenze, im Unterfränkischen, kennt man das Wort „Rambes“ oder „Rambas“. In der Kitzinger Gegend wird zwar auch Wein angebaut, doch wird „Rambes“ dort ein grober Mensch oder Raufbold genannt. Ein Blick ins Hessen-Nassauische Wörterbuch verrät uns, dass ebenfalls in hessischen Dialekten „Rambas“ in weiteren Bedeutungen auftaucht: zum einen als „rauher, wilder Mensch“, zum anderen als „großes Stück Brot“.

Die südhessischen Mundarten verwenden „Rambes“, „Rombes“, „Rämbel“ oder „Rambel“ für sauren Wein, einen Erdhaufen, einen klotzartigen Gegenstand und eine wilde, unbändige Person. Mag die Herkunft des Wortes „Rambes“ und seiner Bedeutungsvarianten nicht immer eindeutig sein, das Derbe und Grobe scheint jedenfalls das verbindende Element zu sein. So wenig wie der saure Wein mundet, so „ungenießbar“ ist auch der Grobian.

„Hessisch für Anfänger“

Das Buch von Hans Peter Dieterich, erschienen im Societäts Verlag, 12,80

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