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Werzwisch

In den Regionalausgaben dieser Zeitung werden Anfang August vereinzelt Termine angekündigt, die folgendes Thema haben: „Werzwisch wird gesammelt“. Wer sich dann bei guter Witterung und mit festem Schuhwerk auf Wiesen und Feldern auf den Weg macht, sucht nach bestimmten Kräutern.

Der Mundartbegriff „Werzwisch“ setzt sich aus dem Würzkraut („Werzkraut“) und dem „Wisch“ zusammen, dem Wort für ein Bündel (meist Strohbündel) oder Büschel. Zu dieser Jahreszeit haben die meisten Kräuter ihre Blüten und Heilkraft voll entfaltet, aber es gibt einen weiteren Grund für das Pflücken in der ersten Augusthälfte.

Der „Werzwisch“ geht auf heidnisches Brauchtum zurück, als man die magische Kraft des Kräuterbüschels beschwor. In frühchristlicher Zeit zunächst verboten, wurde der Brauch im 9. Jahrhundert jedoch als Kräuterweihe im Zeichen der Marienverehrung wieder eingeführt. In etlichen Gemeinden ist der „Werzwisch“-Brauch noch lebendig, und die gesammelten Kräuter werden an Mariä Himmelfahrt (15. August) in der katholischen Kirche geweiht („Werzwischweih“).

Die Zusammensetzung und die Anzahl der Blumen und Kräuter für den „Werzwisch“ wechseln von Ort zu Ort. Ebenso vielfältig sind die lokalen Pflanzenbezeichnungen. Einige Beispiele: „Blutkneppcher“ oder „Bloutstrobbe“ (Großer Wiesenknopf), „Dunnerdistel“ (Kleine Eberwurz), „Maria Bettstroh“ (Labkraut), „Alder Gaul“ oder „Halwer Gaul“ (Ampfer), „Bachschwänz“ (Blutweiderich), „Maulros“ oder „Halsros“ (Malve), „Aache-Treenecher“ (Augentrost), „Geeleraforb“ (Rainfarn), „Wermetstock“ (Wermut) und „Schofsrippe“ (Schafsgarbe).

„Hessisch für Anfänger“

Das Buch von Hans Peter Dieterich, erschienen im Societäts Verlag, 12,80

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