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Kolumne "jugendfrei": Auch Ältere brauche Hilfe

Von In der Weihnachtszeit werden wir tagtäglich aufgerufen, für kranke und arme Kinder Geld zu schenken. Entsprechende Spendengalas und Sammelaktionen werden zuhauf abgehalten. Doch dabei dürfen wir es nicht bewenden lassen!

In der Weihnachtszeit werden wir tagtäglich aufgerufen, für kranke und arme Kinder Geld zu schenken. Entsprechende Spendengalas und Sammelaktionen werden zuhauf abgehalten. Wir sollten diese Aktionen großzügig unterstützen. Nächstenliebe und tatkräftige Hilfe sind eine unverzichtbare Voraussetzung des eigenen Selbstwertgefühls und einer solidarischen Gesellschaft. Doch dabei dürfen wir es nicht bewenden lassen!

Denn nicht nur Kinder sind in aller Welt auf Unterstützung angewiesen. Werden im Fernsehen oder in Hochglanzmagazinen Bilder von Krieg und Gebrechen gezeigt, rückt man Kinder erneut in den Mittelpunkt oder beschränkt sich bei der Berichterstattung vielfach auf deren Not. Die Kleinen haben Furchtbares zu ertragen – doch sie stehen damit keineswegs allein. Die Proportionen werden jedoch bei den meisten Spendenaktionen vollständig verdreht. Wer Krankenstatistiken kennt, weiß dass die meisten Patienten ältere Menschen sind. Der überwiegende Anteil der chronisch Kranken ist betagt. Diese Frauen und Männer sind oft einsam. Sie sind dringend auf Zuwendung und Ermutigung angewiesen.

Selbst bei Gebrechen, die mit natürlichen Alterserscheinungen einhergehen, werden die Senioren an den Rand gedrängt. Ein „EinDollar-Brille“-Verein wirbt um Gelder für Sehhilfen. Denn weltweit brauchen mehr als 150 Millionen Menschen Augengläser, können sich diese aber nicht leisten. Der Werbeprospekt zeigt fünf Kinder mit der preiswerten Brille, aber nur einen älteren Herren aus einem Entwicklungsland. Die Spendeninitiative für die Sehhilfen ist notwendig. Doch das Phänomen der „Alterssichtigkeit“ betrifft nun mal keine Kinder.

Die Aufmerksamkeit und die Hilfsbereitschaft müssen sich auf alle erstrecken – also auch auf die Senioren. Dabei sollte nicht vergessen werden, dass wir Älteren die meisten Gelder für Hilfsprojekte aufwenden. Es ist richtig, dass ein Kind – mein mittlerweile sechs Jahre alter Hund Schomer verzeihe mir den Vergleich – ein Welpe oder ein Kätzchen niedlich anzuschauen sind. Doch auch betagte Menschen und Tiere brauchen Unterstützung und Aufmerksamkeit.

Ich will nicht mit der „alten“ Litanei anheben, dass wir Senioren Steuern gezahlt und unsere Kinder groß gezogen haben – das war unsere Pflicht, und unsere Nachkommen machen es nicht anders. Aber gerade die Notwendigkeit des Schenkens und die Befriedigung darüber dürfen auf keine Gruppe beschränkt bleiben. Auch nicht während des Festes der Liebe.

Mir ist das Vorgehen der Spendensammler unverständlich. Die Mehrheit der Zeitungsleser und Fernsehzuschauer ist über 60 Jahre alt. Wir sind die Gruppe, die das meiste Geld angespart hat – da wäre es allein unter Marketinggesichtspunkten angebracht, auf unsere Gefühle und Bedürfnisse einzugehen. Warum geschieht dies nicht? Weil die Werbung höchst undemokratisch agiert. Ihr geht’s zumeist um Ästhetik. Die Macher kaprizieren sich auf ein Schönheits- und Jugendideal, denen nur wenige Junge gerecht werden.

Nicht nur wir Älteren sind betroffen. Während man sich richtigerweise intensiv um Aids-Kranke kümmert, werden die an Malaria Leidenden zumeist ignoriert. Aber Malaria fordert weltweit zehn Mal so viele Opfer wie Aids. Auch sie sollten wir gerade jetzt nicht vergessen.

Die Weihnachtsgeschichte beginnt mit der Geburt des Kindes im Stall von Bethlehem. Als erwachsener Mann wandte sich Jesus mit seiner Liebesbotschaft ausdrücklich an alle Menschen – vor allem jene in Krankheit und Not. Einerlei wie alt sie waren oder worunter sie litten. Daran sollten wir jetzt denken.

Alle brauchen tatkräftige Liebe – eine Altersgrenze sehen weder der Glaube noch das Grundgesetz vor.

 

Der Journalist und Historiker Rafael Seligmann veröffentlicht jeden Montag seine Kolumne, in der er über seine Erfahrungen im Alter schreibt.
Frühere Kolumnen sind als Buch erschienen:
„Jugendfrei. Aus Erfahrung klug“,
Societäts-Verlag, 144 Seiten, 12,80 Euro.

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