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Dauergäste im Hotel Mama

Kennen Sie das „Hotel Mama“? Der Begriff begegnete mir erstmals vor knapp 20 Jahren. Die Bedeutung kapierte ich sogleich, als mein Sohn nach seinem Abitur erklärte, dass er gerne bei uns wohnen bleiben würde. Ich habe Ludwig nicht verstanden. Denn als junge Burschen gab es für mich und meine Freunde nur ein übergeordnetes Ziel: so rasch wie möglich von Zuhause auszuziehen, um unser Leben nach eigener Façon führen zu können.

Ich selber wollte nichts dringender, als am Tag nach Beendigung der Schule mit meiner Freundin Ingrid die Freuden der Liebe ohne elterliche Belehrungen und willkürliche Begrenzungen genießen zu können. Ich hatte genug von Mutters erhobener Stimme samt Zeigefinger und ihrer Mahnung: „Es ist schon bald zehn Uhr nachts, Fräulein Ingrid. Da schickt es sich für eine anständige junge Frau, nach Hause zu gehen!“ und so weiter.

Dumm nur, dass ich meine ganzen Ersparnisse während eines Griechenlandurlaubes verbraten hatte. Und ich wohl ein halbes Jahr auf die erste Rate meines Stipendiums gemäß Bundesausbildungsförderungsgesetz würde warten müssen. Egal! Ich wollte der Bevormundung entfliehen und meine Freiheit auskosten. Also jobbte ich in meiner ehemaligen Lehrlingswerkstatt und verdiente damit gerade genug, um ein Zimmerchen ohne Heizung – Klo und Dusche ein Stock tiefer – in einem abrissbereiten Häuschen mieten zu können. Die Kälte konnte uns nichts anhaben, denn unser Blut war jung und heiß. Das war anno 1971.

Eben jene Ingrid ist heute knapp 70 Jahre alt. Sie ist Mutter dreier erwachsener Kinder. Zumindest gemäß ihres Jahrgangs. Als die zwei jüngeren Geschwister vor einem Jahr ihren 30. Geburtstag im Elternhaus feierten, und nicht daran dachten, sich eine eigene Bleibe zu suchen, wurde es ihrer Mutter zu viel. Sie bestand darauf, dass die „Kleinen“ auszogen. Dazu waren diese jedoch nur bereit, wenn sich die Eltern schriftlich verpflichteten, ihnen eine Wohnung anzumieten und die Unkosten für ein Jahr zu übernehmen.

Damit sich die „Kinder“ in ihrem neuen Zuhause wohl fühlten, möblierten die Eltern das Heim – auf eigene Kosten, versteht sich. Nach einem Jahr stellten die Kinder zum Erstaunen ihrer Eltern keine neuen finanziellen Forderungen. Stattdessen zogen sie ohne Vorankündigung samt Möbel wieder bei den Eltern ein. Wozu die eigene Wohnung instand halten, einkaufen, kochen etc., wenn die Eltern es für sie tun? Im Hotel Mama gibt es, anders als früher, auch keine Pflichten, Einschränkungen schon gar nicht.

Dies ist kein Einzelfall. Gute Freunde von uns sind liebende Eltern von drei bildhübschen Töchtern. Um die Girls lange bei sich zu behalten, erlaubten sie ihnen alles. Ergebnis, die jungen Damen luden ihre Galane ein, bei ihnen zu wohnen. Auf diese Weise gewannen Vater und Mutter eine neue Beschäftigung. Sie durften neben den Töchtern auch deren jeweilige Gefährten bekochen und deren Wäsche pflegen. Das wurde auf Dauer selbst den Silbermanns zu viel.

Es tut gut, wenn man von seinen Kindern geliebt wird und sie uns Alten vertrauen. Es ist schön, wenn einen die Kinder besuchen und gelegentlich einige Tage, Wochen oder Monate bei uns bleiben. Sie sind grenzenlos willkommen. Grenzenlos? Am besten ist es, wenn meine Frau und ich wieder alleine sind.

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