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Jugendfrei: Entlarvende Selbstgerechtigkeit

Wenn so gut wie alle einer Meinung sind und diese gemeinschaftliche Ansicht lauthals verkünden, werde ich hellhörig. Das Aufgehen in einer Aussage missfällt mir. Ich möchte so frei bleiben, mir selbst meine Meinung zu bilden. Diese soll nicht stromlinienförmig sein, denn das Leben ist zumeist recht vielfältig. Dabei habe ich die Haltung der Deutschen und der sich intellektuell gebenden Westeuropäer gegenüber Donald Trump im Sinn.

Der New Yorker Immobilienkaufmann war nicht mein Favorit für die US-Präsidentschaft. Viele seiner Aussagen waren mir zu populistisch. Eine Grenzmauer zeugt von Angst, nicht von Stärke. Sie hatte auf Dauer nirgends Bestand, weder in China noch in Berlin. Pauschale Urteile über Staaten und Religionen gefallen mir nicht. Und, ein Mehr an internationaler Zusammenarbeit kann der Weg zu mehr Frieden und Wohlstand sein. Doch die US-Wähler haben sich anders entschieden. Sie bestimmten gemäß dem amerikanischen Mehrheitswahlrecht nach Bundesstaaten Trump zu ihrem Präsidenten. Damit sollten wir uns abfinden. Doch nach Umfragen lehnen mehr als 90 Prozent der Deutschen Präsident Trump ab.

Dieser Tage sagte mir eine Bekannte, die sich ihr gesamtes Berufsleben mit Politik beschäftigt hatte: „Meine Eltern haben Hitler gewählt und sich damit schuldig gemacht. Das will ich mir nicht nachsagen lassen, indem ich Trumps Wahl gutheiße!“ Diese Aussage hörte ich sinngemäß wiederholt. Das empört mich. Denn die Gleichsetzung von Trump mit Hitler oder dessen Beschimpfung als Faschist ist falsch und droht zu einem politischen Konfliktpotenzial zu geraten. Donald Trump ist demokratisch zum Präsidenten gewählt worden. Das war bei den Diktatoren Hitler, Mussolini, Franco nie der Fall. Trump droht nicht mit Krieg und will keine Menschen vernichten. Die demokratischen Institutionen der USA werden von keinem Ernst zu nehmenden Politiker bedroht – auch nicht von Präsident Trump.

Der Vergleich Trumps mit Hitler ist entlarvend. Diejenigen, die so denken und reden, wähnen sich als moralisch und geistig nicht nur den eigenen Eltern, sondern den Trump-Wählern überlegen. Doch sie sind lediglich anmaßend.

Wichtiger ist mir die Frage, warum Millionen US-Bürger, die in der Regel unterdurchschnittlich verdienen und nicht sehr gebildet sind, einem Milliardär eher zutrauen, ihre Lage zu verbessern, als einer Frau, die ständig davon sprach, sie wolle für die Ärmeren eintreten. Die Wähler wussten, dass Hillary Clinton Teil des politischen Systems unter ihrem Mann Bill und von Präsident Obama war. In den 16 Jahren ihrer Regierung hat sich das Los der ärmeren Amerikaner kaum verbessert – sieht man von der Einführung der allgemeinen Krankenversicherung ab, die jedoch bei der Mehrheit überaus unpopulär war, weil sie für deren Kosten aufkommen müssen.

Das liberale amerikanische Establishment hat versagt. Es hat die schlecht Verdienenden in größere Armut gestürzt. Daher suchten diese ihr Heil beim populistischen Sprücheklopfer aus New York. Doch das ist keineswegs lediglich ein amerikanisches Phänomen. Auch in Europa sind viele Menschen unzufrieden. Die Engländer haben sich für den Austritt aus unserer Europäischen Union entschieden. Und in Frankreich, Holland, Italien unterstützen Millionen die Rechtspopulisten. Dagegen helfen keine Beschimpfungen der Bürger und keine Selbstgerechtigkeit. Die politische Klasse muss sich wieder stärker an den Bedürfnissen der breiten Bevölkerung orientieren. Ansonsten werden auch in Europa die Volksversprecher immer mehr Zuspruch erfahren.

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