Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Laufsport - Alles rund um den Mainova Frankfurt Marathon ... Frankfurt am Main 17°C

Hunger an Ostern

Heute feiern die Juden das Pessach-Fest. Es erinnert an ihre Befreiung aus der ägyptischen Sklaverei. Knapp eine Woche später begehen die Christen Ostern. Es ist der Feiertag der Auferstehung und Erlösung. Zuvor war der Jude Jesus ans Kreuz geschlagen worden. In Schmerz und Verzweiflung hatte er Gottvater angerufen und verzweifelt geklagt: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Der Herr hatte schließlich ein Einsehen. Das sich auf Jesus berufende Christentum ist heute die mächtigste Religionsgemeinschaft.

Trotz Jesus’ Martyrium ist die Menschheit noch keineswegs erlöst. Daran haben auch wir Schuld. Denn wir beherzigen das Gebot der Gewaltlosigkeit nicht. Ja nicht einmal die Erkenntnis: „Denn wer das Schwert ergreift, der wird durch das Schwert umkommen.“ Es ist nicht nur eine religiöse Regel, sondern auch eine geschichtliche Lehre, die die meisten Historiker bestätigen werden. Dennoch tragen heute weltweit unzählige Männer – und nicht wenige Frauen – voller Stolz ihre Waffen zur Schau. Eine Waffe ist jedoch kein Spielzeug, sie wurde gebaut, um Menschen umzubringen.

Das kann man heute auch in der Weltgegend erleben, in der Jesus einst lebte. In Syrien, keine 50 Kilometer von Nazareth, herrscht Bürgerkrieg. Dabei wurden in den letzten Jahren mehr als fünfhunderttausend Menschen umgebracht. Millionen wurden verwundet oder sind auf der Flucht. Viele suchen in Deutschland Schutz. Doch Syrien ist keineswegs das einzige Land, das vom Krieg heimgesucht wird. Gewalt herrscht in einer Reihe von Staaten in der Region, beispielsweise in Jemen, Irak, der Türkei.

Die Vereinten Nationen wurden nach dem Zweiten Weltkrieg gegründet, um Kriege zu verhindern oder zumindest beizulegen. Sie haben sich als unfähig erwiesen, weil die Völkerfamilie stillschweigend Kriege hinnimmt. Das führt bei vielen jungen Leuten zu einer Politikverachtung, die gefährliche innenpolitische Folgen hat.

Es gibt weitere Geißeln der Menschheit, die noch heute weit mehr Opfer fordern als Kriege. Eine davon ist der Hunger. Er herrscht auch an Ostern. Von den 7,5 Milliarden Menschen auf Erden hungern rund 800 Millionen. Während zwei Milliarden Männer und Frauen mit Übergewicht zu kämpfen haben, weiß jeder neunte Mensch nicht, wie er satt werden soll. Jährlich sterben drei Millionen Kinder an Unterernährung. Das ist eine Schande für die zivilisierte Welt. Die in den Industriestaaten hoch entwickelte Landwirtschaft ist fähig, alle Menschen zu ernähren. Es gibt seit Jahren Technologien, die durch Tröpfchenbewässerung den Wasserverbrauch bis zu 90 Prozent mindern. Die Ersparnis kann helfen, die Anbauflächen und damit die Lebensmittelproduktion so zu erhöhen, dass selbst in den wasserarmen Regionen, besonders in Afrika, niemand hungern müsste. Deutschland und Europa helfen den armen, unterentwickelten Staaten mit Lebensmittellieferungen. Mit Bewässerungsprojekten aber geht man zögerlich um. Doch diese Unterstützung wäre entscheidend. Denn sie ist eine Hilfe zur Selbsthilfe. Sie berührt den Stolz der Menschen auf die eigene Leistung.

Bei oberflächlicher Betrachtung sind das keine österlichen Gedanken. Doch wer die Welt zu einem besseren Ort machen will, an dem weniger gelitten und gehungert wird, der sollte gerade jetzt überlegen, wie wir die Menschen vor Unterernährung und Krieg bewahren können. Es darf allerdings nicht bei feiertäglichen Überlegungen bleiben. Wir sollten nicht nur die Ausgaben für Entwicklungshilfe erhöhen, sondern konkrete Maßnahmen gegen Hunger und Unterernährung in aller Welt einleiten.

(sel)
Zur Startseite Mehr aus Jugendfrei

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse