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Jugendfrei

Was haben Albrecht Einstein und Mesut Özil gemein? Auf den ersten Blick: nichts. Der in Ulm geborene Physiker Einstein starb 1955, der Profi-Fußballer Özil wurde erst 1988 in Gelsenkirchen geboren. Doch Einsteins Weisheit gilt noch heute: „Es gibt zwei Dinge, die unendlich sind: das Weltall und die menschliche Dummheit. Beim All bin ich nicht sicher.“

Mesut Özil hat sich gemeinsam mit seinem Fußballgefährten Ilkay Gündogan im Vorfeld der Fußball-Weltmeisterschaft mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan in London getroffen und sich dabei ablichten lassen. Das war nicht klug. Denn Erdogan ist kein gewöhnlicher Staatsmann, sondern ein autoritärer Herrscher. Nach dem Putschversuch im Jahre 2016 ließ er ohne Gerichtsbeschluss zehntausende Bürger, Beamte, Offiziere, Journalisten festsetzen und teils Jahre ohne Urteil in Gefängnissen halten.

Als die Bilder der Kicker mit Erdogan bekannt wurden, gab es massive Kritik an beiden Spielern. Selbst Bundespräsident Steinmeier empfing die Spieler und hörte sich deren Standpunkte an. Danach entschuldigte sich Ilkay Gündogan und die Angelegenheit war erledigt.

Mesut Özil dagegen dachte nicht daran, sich zu äußern. Doch als Nationalspieler ist Özil keine Privatperson, schon gar nicht, wenn er sich inmitten des türkischen Wahlkampfs öffentlich mit einem umstrittenen Politiker zeigt. Die Mannschaftskameraden des deutschen Auswahlteams äußern ihre Meinung ebenso wie Millionen Fußballfans, darunter auch fordernde Menschen. Dadurch entsteht unnötiger Druck. Özil wäre klug beraten gewesen, sich durch ein Wort des Bedauerns aus diesem Konflikt zu befreien. Er tat es nicht. Das war nicht nur dumm, sondern rücksichtslos gegenüber seinen Mitspielern.

Dumm haben auch Bundestrainer Löw, Manager Bierhoff und DFB-Präsident Reinhard Grindel gehandelt. Denn die Herren wussten allesamt, dass Özil durch sein Verhalten Unruhe in die Mannschaft bringen und damit deren Festigkeit reduzieren würde. Aus Feigheit und Überheblichkeit aber taten die Verantwortlichen nichts. Sie wollten nirgends anecken, schon gar nicht bei Özil, dessen Beitrag man zum Sieg gebraucht hätte. So stolperte man mit beschränkter Kraft in die Vorrunde – und scheiterte prompt.

Dummheit hatte dazu beigetragen, dass alle verloren. Doch statt endlich Klartext zu reden, druckste man immer noch herum. Bierhoff gab Özil indirekt Mitschuld an der Niederlage, zog später aber seine Kritik zurück. Grindel äußerte verschwurbelt ebenfalls seine Unzufriedenheit mit Özil. Eindeutige Worte fehlten.

Die lieferte schließlich Mesut Özil – mit zweimonatiger Verspätung. Er beklagte sich über mangelnde Solidarität, beschuldigte den Sponsor, empörte sich über Rassismus und erklärte in Englisch seinen Rücktritt von der Nationalmannschaft – ohne zuvor Trainer Löw, der stets zu ihm gestanden hatte, zu informieren. Das war dummdreist.

Ja, Özil war übel beschimpft worden. Aber mit Rassismus hatte das wenig zu tun. Rassismus, das waren die Nazis. Seither sollte man den Begriff auf Hunde- und Pferderassen beschränken. Das sollte selbst ein Profikicker begreifen. – Stattdessen klagte Özil, wenn er für Deutschland gewonnen habe, sei er als Deutscher gepriesen worden, in der Niederlage aber werde er als Türke diffamiert. Das ist von Einstein abgekupfert. „Sollte meine Theorie Erfolg haben, werden mich die Deutschen als Deutschen feiern und die Franzosen als Europäer. Beim Misslingen werden mich
die Franzosen als Deutschen beschimpfen und die Deutschen mich als Juden schelten“, ahnte er, ehe er seine bahnbrechenden Gedanken veröffentlichte. Einsteins Relativitätstheorie hat bleibenden Erfolg. Mesut Özil dagegen hat allenthalben verloren.

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