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Jugendliche Dynamik und Erfahrung

Mich faszinieren Persönlichkeiten, die in frühen Jahren ihre Energie und ihren Wagemut nutzen, um bleibende Leistungen zustande zu bringen. Wolfgang Amadeus Mozart komponierte als Jugendlicher Musikwerke, die für immer die Seelen der Menschen erfreuen werden. Albert Einstein ersann im Alter von 26 Jahren die Relativitätstheorie, eine Revolution der gesamten Physik.

Kreativität, verbunden mit jugendlichem Elan, ist auch zur Erneuerung der Politik unabkömmlich. Wir sind Zeuge, was Einsicht in die Notwendigkeit von Reformen gepaart mit unverbrauchter Energie zu bewirken vermögen. Emmanuel Macron musste als Wirtschaftsminister erleben, dass Frankreich unfähig zu vitalen Reformen war. Daher trat der Politiker zurück.

Mit nur 39 Jahren gründete er die Bewegung „En Marche!“ und schaffte es in kurzer Zeit, die Franzosen zu überzeugen, ihn zum Präsidenten zu wählen, damit er endlich ihr Land modernisiert. Das wird lange dauern und schmerzhaft sein, doch es gibt keine Alternative. Der unumgängliche Reformprozess ist in Saudi-Arabien bereits im Gange. Von den europäischen Medien wenig beachtet, vollzieht sich in dem reichsten und mächtigsten arabischen Land die Erneuerung in einer Kombination von orientalischem Epos und hypermoderner Technologie. Der Motor der Modernisierung ist Vizekronprinz Mohammed ibn Salman al Saud. Er ist erst 32 Jahre alt. Früh begriff Mohammed den Wert der Lebenszeit. Zügig absolvierte er ein Rechtsstudium. Parallel engagierte er sich in gemeinnützigen Einrichtungen. Sein Vater Salman erkannte bald das Bedürfnis seines Lieblingssohnes, Verantwortung zu übernehmen sowie dessen Ehrgeiz und Durchsetzungsvermögen.

Als Salman 2015 König wurde, übertrug er seinem damals gerade 30jährigen Sohn die Schlüsselpositionen im Königreich.

Denn Saudi-Arabien drohte durch seine einseitige Abhängigkeit vom Erdöl zunehmend an Einfluss in der Krisenregion Nahost zu verlieren. Drei Viertel der Staatseinnahmen entspringen nach wie vor dem Verkauf des Energieträgers. Doch der Preis des Öls verfällt, gleichzeitig vermehrt sich die Bevölkerung rasant. 1970 lebten im Königreich fünf Millionen Menschen, heute sind es mehr als 30. Zwei Drittel von ihnen sind jünger als 25 Jahre. Die große Mehrheit der Beschäftigten findet ihr Auskommen beim Staat. Viele junge Menschen haben keinen Job. Da hilft, ähnlich wie in Frankreich, kein weiter so!

Mohammed ibn Salman hat klare Vorstellungen, wie Saudi-Arabien wieder auf die Überholspur kommt. Er hat sie in seiner „Vision 2030“ formuliert. Das Ziel, die Abhängigkeit vom Erdöl muss schnell reduziert werden. Neue Industrien und Dienstleistungen sind aufzubauen. Das notwendige Geld hierfür, die gewaltige Summe von 2000 Milliarden Euro, soll durch einen teilweisen Verkauf der staatlichen Ölgesellschaft beschafft werden.

Gleichzeitig muss sich Saudi-Arabien der Herausforderung durch den Iran erwehren. Die schiitische Mullah-Republik unterstützt die Huthi-Rebellen, die einen Bürgerkrieg im Jemen, im Süden Saudi-Arabiens anzetteln. Das ist eine existentielle Gefahr für das Königreich. Als Verteidigungsminister organisiert Mohammed ibn Salman den Abwehrkampf. Er begrenzt den Krieg, doch zivile Opfer sind, wie in jedem Waffengang, leider an der Tagesordnung.

Saudi-Arabien steht vor vielen Herausforderungen: die Gleichberechtigung der Frauen, die Verbesserung der Menschenrechte, eine Bildungsoffensive und nicht zuletzt die Beilegung des israelisch-arabischen Konflikts. Das kann nur ein Politiker mit der Dynamik der Jugend und dem Rat des erfahrenen Vaters durchsetzen.

Dass diese Vision in Erfüllung geht, ist auch im Interesse Europas und Amerikas, wie der jetzige Besuch des amerikanischen Präsidenten in Saudi-Arabien demonstriert.

(sel)
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