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Jugendfrei: Kein Alibi für Hetzer

Ich mache mir zunehmend Sorgen um unser Land. Ehe meine Eltern 1957 in ihre deutsche Heimat zurückkehrten, wollte mein Vater Ludwig mir als Zehnjährigem Mut machen. „Deutschland wird Dir gefallen“, versprach er. Damals steckte die Hetze der Nazizeit den Menschen noch in den Gemütern. Antijüdische und homophobe Vorurteile waren verbreitet.

Doch das freiheitliche Bewusstsein setzte sich durch. Die Gesellschaft wurde menschlicher. Deutschland gefiel seinen Bürgern immer besser. Es wurde freiheitlicher.

Seit einigen Jahren beobachte ich jedoch entsetzt, dass Vorurteile, Hass und Gewalt verstärkt um sich greifen. Denn manche Untaten werden nicht ernst genug genommen und allzu Viele besitzen ein selektives Weltbild. Wenn wir und Politiker, Behörden und Justiz nicht schleunigst und drastisch gegensteuern, geraten wir in eine Katastrophe.

Vor knapp vier Jahren, im Sommer 2014, wurden wir Zeuge, welcher Hass sich in Teilen der Gesellschaft entwickelt hat und wie dieser sich in aller Öffentlichkeit austobte. Damals herrschte im Gazastreifen ein Krieg zwischen Israelis und Palästinensern.

Das war für zehntausende Araber, Moslems, hiesige Sympathisanten Anlass, durch Deutschlands Städte zu ziehen und ihre Hass-Parolen zu verbreiten. Etwa: „Jude, Jude, feiges Schwein, komm’ heraus und kämpf’ allein!“ oder „Juden ins Gas!“

Das Verkünden dieser antisemitischen Sprüche bedeutet Volksverhetzung, Aufruf zur Gewalt etc. Tausende waren Zeuge, darunter Polizisten, Journalisten. Die Täter wurden vielfach gefilmt. Doch ihre Untaten blieben ungesühnt. Es erfolgte von Seiten der Polizei oder den Behörden keine Anzeige. Ich fragte Polizisten, weshalb sie die Hass-Demos nicht aufgelöst hätten. Ihre Antwort: „Es waren zu viele.“

Das bedeutet, die Staatsgewalt hatte kapituliert. Das gleiche demonstrierte die Justiz. In Wuppertal hatten arabische Jugendliche Brandsätze gegen eine Synagoge geschleudert. Das Gericht sprach sie vom Vorwurf des Antisemitismus frei. Denn die jungen Männer gaben vor, das kriegerische Handeln Israels im Gaza-Streifen habe sie empört. Das war für sie der Grund, in Deutschland eine Synagoge anzünden – und den Tod von Menschen in Kauf nehmen zu wollen.

Stellen wir uns vor, Neonazis würden „Juden ins Gas!“ brüllen. Man würde die Gesellen verhaften, anzeigen, aburteilen und festsetzen. Doch warum tut man dies nicht bei Tätern aus islamischen Ländern und ihren Unterstützern?

Nicht, weil ihrer zu viele sind, es gibt noch mehr Verkehrssünder, sie werden dennoch bestraft. Der wahre Grund der Untätigkeit bei antisemitischen Angriffen ist eine Ungeisteshaltung, die meint, wenn man Zuwanderer verurteile, mache man sich des Rassismus schuldig.

Diese Toleranz des Wegschauens gegenüber Straftätern ermutigt andere zum Misshandeln von Menschen, zum Beschimpfen und Beleidigen. In Schulen mit einem hohen Anteil an Kindern von Ausländern werden Juden verunglimpft und bedroht. Die Konsequenzen gehen weit über Juden hinaus. Beim G20-Gipfel in Hamburg sahen wir die Folgen des staatlichen Wegschauens.

In Frankreich werden unterdessen Juden umgebracht. Die Politiker bedauern. In Deutschland ebenfalls. Unter anderem, dass Hetzer wie Kollegah und Farid Bang mit antisemitischen Songs Kasse machen. Dafür werden sie mit dem Echo ausgezeichnet. Undenkbar, dass Fascho-Bands prämiert würden.

Wir brauchen keine schärferen Gesetze. Unsere Justiz muss lediglich die bestehenden Regeln anwenden, Politik und Gesellschaft sollen dies gutheißen. Ohne Ansehen der Person. Denn wenn wir weiterhin wegsehen, übernehmen die Hetzer und Täter die Herrschaft.

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