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Kolumne "jugendfrei": Menschenwürde und Medizin

Von Inwieweit wird die Menschenwürde im Alltag respektiert? Ein Prüfstein für die Beachtung der Menschenwürde ist der Umgang mit Kranken und jenen, die ärztliche Hilfe benötigen.
Was ist die Würde eines Menschen wert? Im Grundgesetz nimmt die Menschenwürde einen herausragenden Platz ein. Artikel 1 bestimmt: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Dies ist die Richtlinie für unsere Gesetzgebung und das zwischenmenschliche Zusammenleben. Menschenwürde und Gesundheit – und damit auch die Medizin stehen in einem engen Zusammenhang.

Inwieweit wird die Menschenwürde im Alltag respektiert? Ein Prüfstein für die Beachtung der Menschenwürde ist der Umgang mit Kranken und jenen, die ärztliche Hilfe benötigen. Seit zwanzig Jahren leide ich an einer Herzkrankheit. Dank ärztlicher Kunst und wirksamer Arzneien kann ich ein normales Dasein führen. Meine Arbeit bereitet mir mit knapp 70 Jahren mehr Spaß als jemals. Doch vor einem Monat geriet mein Herz aus dem gewohnten Rhythmus. Es schlug zu langsam. Mein Hausarzt empfahl mir einen Eingriff, sein Kollege riet dringend davon ab. Was tut man als unbedarfter Patient und bekennender Hypochonder, der von Ängsten geplagt wird? Auf Rat eines Freundes entschied ich mich, das Urteil eines anerkannten Herzmediziners einzuholen.

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Ich rief in der kardiologischen Abteilung des Krankenhauses an, in dem er heilt. Dort teilte man mir mit, der Professor würde nur Privatpatienten behandeln. Das gefiel mir nicht. Denn Krankenhäuser sind keine Flugzeuge, bei denen man je nach Brieftasche einen billigen oder teuren Platz erwirbt.

Die meisten städtischen Kliniken sind von unseren Steuermitteln und Krankenkassenbeiträgen erbaut worden und wir bezahlen auch den Löwenanteil der Gehälter vom Professor bis zum Pförtner. Die Privatpatienten tragen lediglich ein Zubrot bei. Doch ich schluckte meine Bedenken und erklärte mich bereit, die Behandlung aus meiner Tasche zu zahlen. Daraufhin wurde mir ein Termin gewährt.

Am vereinbarten Tag erschien ich zur verabredeten Stunde im Empfangszimmer der Krankenhaus-Abteilung. Ich hatte eine EC-Karte dabei sowie einen größeren Geldbetrag. Die Bürokraft wies mich an, erst einmal 500 Euro in der Hauptkasse einzuzahlen. Ich erwiderte, das würde ich gerne tun, doch mein Arzttermin sei bereits in zwei Minuten. Daher könnte ich das Geld oder die Scheckkarte hinterlegen, um rechtzeitig zur Behandlung zu kommen. Die Dame ging jedoch nicht darauf ein. „Zur Hauptkasse!“, herrschte sie mich an. „Bitte nicht in diesem Ton“, antwortete ich im bemüht ruhigen Ton und bekannte, ich wüsste nicht einmal, wo sich die „Hauptkasse“ befände. Die Empfangsdame kümmerte sich nicht um meinen Einwand. Doch eine Krankenschwester bot sich spontan an, mich über weite Gänge zur Hauptkasse zu führen. Dort wurde alles höflich erledigt. Ich zahlte 200 Euro ein, bekam eine Bescheinigung. Erst dann nach deren Vorlage durfte ich die Untersuchung antreten.

Die EKG- und Ultraschall-Tests wurden professionell und freundlich vorgenommen. Die Schwester erklärte, ich hätte momentan einen zu hohen Blutdruck. Das war womöglich meinem Ärger beim Empfang geschuldet. Nach den Untersuchungen wurde ich zur Oberärztin vorgelassen. Die Doktorin war kompetent und menschlich. Ich hätte eben ein höheres Alter, erklärte sie mir. Doch ein Eingriff sei unnötig. Sie erörterte die Dosis meines Medikaments. Ich dankte ihr und fuhr erleichtert nach Hause.

Ich bin überzeugt, dass die Gleichbehandlung kranker Menschen ein Gebot der Menschenwürde ist. Wenn ein Arzt eine Privatpraxis betreibt, respektiere ich das. Doch in öffentlichen Kliniken sollte jeder Patient würdevoll behandelt werden. Von jedem Arzt und jeder Bürokraft – denn wir alle zahlen ihr Gehalt.

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