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Nicht in die Schmollecke verziehen

Deutschland ist gekränkt, denn Donald Trump ist zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt worden. In den USA hat man sich, von einigen notorischen Demonstranten abgesehen, mit dem Ergebnis der Abstimmung abgefunden. Die unterlegene Kandidatin Hillary Clinton hat Trump sowie seiner Partei zu ihrem Erfolg gratuliert. Gleiches tat der amtierende demokratische Präsident Barack Obama. Dieser lud seinen gewählten Nachfolger Trump zu einem Besuch ins Weiße Haus ein, wo sie ein „exzellentes Gespräch“ führten. Selbst der demokratische Sozialist Bernie Sanders bot Donald Trump seine Hilfe an.

Derweil reagieren die meisten Deutschen beleidigt auf das amerikanische Wahlresultat. Nach einer Umfrage lehnten 95 Prozent der hiesigen Bürger Trump ab. Doch wer hat sich hierzulande schon eingehend mit Trump beschäftigt? Donald Trump hat sich während des Wahlkampfs verhalten wie ein Rüpel. Er hat die Moslems unter Generalverdacht gestellt und seine amerikanischen Mitbewerber beleidigt. Auch die deutsche Bundeskanzlerin hat der New Yorker beschimpft und ihre Flüchtlingspolitik als schwachsinnig bezeichnet.

Doch das Leben geht auch nach den US-Wahlen weiter. Reife Persönlichkeiten zeichnen sich dadurch aus, dass sie sich mit dem Unabänderlichen abfinden und versuchen, das Beste daraus zu machen, statt ihren nicht in Erfüllung gegangenen Wünschen nachzutrauern und ihre sinnlose Wut zu pflegen. Was wir im Privatleben erfahren haben, stimmt auch in der großen Politik. Wer sich als unfähig erweist, die Wirklichkeit ungeschminkt zu begreifen, wird immer wieder den Fehler begehen, den Wunsch über die Realität zu stellen – und Schiffbruch erleiden.

Die Menschen lassen sich auf Dauer nicht überlisten! Das haben Clinton und ihr Team nun erfahren. Sie haben ignoriert, dass immer mehr Amerikaner von der Angst getrieben werden, ihre gesellschaftliche Sicherheit zu verlieren. Das heißt die Gewissheit, nicht Opfer eines Verbrechens zu werden, ihren Arbeitsplatz nicht einzubüßen oder nicht mehr in der Lage zu sein, die Studiengebühren ihrer Kinder zahlen zu können. Diese Befürchtungen der gesellschaftlichen Mitte wurden von den Demokraten vielfach übergangen. Stattdessen hat Hillary Clinton erneut versucht, eine Regenbogenkoalition zu etablieren. Sie wollte die Schwarzen, die Lateinamerikaner, die Frauen und die sexuellen Minderheiten zusammenschweißen. Doch das war eine Milchmädchenrechnung. Denn alle Menschen, gleich, ob sie Minderheiten angehören oder nicht, haben die gleichen Grundbedürfnisse und Sorgen. Sie streben bei den Wahlen einen stabilen Konsens an. Wer auf Befürchtungen der breiten Mehrheit nicht eingeht, ist bei aller taktischen Schlauheit nicht in der Lage, tragfähige Mehrheiten zu zimmern.

Diese Erkenntnis gilt allenthalben – in Deutschland wie in den USA. Innen- und außenpolitisch. Der Westen ist nicht am Ende, wie der Publizist Jakob Augstein verkündet. Die Werte der Demokratie und Menschlichkeit werden unter Donald Trump weiterhin Bestand haben. Doch es hat wenig Sinn, wenn Deutschland sich gegenüber dem neu gewählten Präsidenten der Vereinigten Staaten als Gralshüter der humanen Demokratie aufspielt.

Selbstverständlich wird sich Trump an die demokratische Verfassung der USA halten. Er wird allerdings die Interessen Amerikas deutlicher hervorheben als bisher. Washington gibt mehr als doppelt so viel für Verteidigung aus wie die übrigen Nato-Staaten. China investiert weltweit ohne Einschränkung, begrenzt jedoch ausländische Investitionen hart. Das alles wird nun zur Sprache kommen. Und wir tun gut daran, dabei mitzureden, statt uns in der Schmollecke zu verkriechen.

(sel)
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