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Richtig geht vor höflich

Über Tote soll man nur Gutes sagen“, meinten die Römer. Doch für Personen der Zeitgeschichte mit Einfluss auf das Leben von Millionen Menschen gilt in meinen Augen die Regel: Richtig geht vor höflich. Politiker wie Stalin, Hitler, Franco und Fidel Castro waren Massenmörder. Es gilt, ihr Wirken möglichst objektiv zu bewerten und dabei auch ihre Verbrechen nicht unter dem Teppich des gnädigen Vergessens zu kehren.

Wenn ich in Nachrufen lese, Fidel Castro habe Kuba ein hervorragendes Gesundheitssystem und exzellente Bildungseinrichtungen beschert, muss ich unwillkürlich an die deutsche Nachkriegszeit denken. Damals erklärten unbelehrbare Nazis: Unter Hitler sei „mancher Fehler“ begangen worden, doch der „Führer hat Deutschland die Autobahnen geschenkt“. Ich habe dieses Rechtfertigungsgewäsch gehasst und tue es bis heute. In der Schweiz und Schweden gibt es ebenfalls Autobahnen, ohne dass Millionen ermordet wurden. In Island und Dänemark werden die Menschen medizinisch hervorragend betreut ohne eine verkommene Staatsführung.

Ich will Fidel Castro nicht mit Adolf Hitler gleichsetzen – dazu ist Kuba zu klein und Hitler war Nichtraucher! Spaß beiseite! Während der Kuba-Krise von 1962 trieb Fidel Castro die Welt an den Rand eines atomaren Krieges. Ich erinnere mich noch gut an die Angst der Menschen, die ich im Herbst dieses Jahres teilte, nachdem US-Präsident John F. Kennedy der Sowjetunion ein Ultimatum gestellt hatte, ihre Atomraketen von der Insel zu entfernen. Erst später wurde bekannt, dass Castro den sowjetischen Parteichef Nikita Chruschtschow massiv drängte, die USA mit einem atomaren Erstschlag zu lähmen.

Dieser Angriff hätte unzählige Opfer gefordert. Die Vereinigten Staaten hätten zurückgeschlagen, was zu einem Nuklearkrieg mit unvorstellbaren Verwüstungen führen musste. Deutschland, als Grenze zwischen Nato und Warschauer Pakt mit Nuklearwaffen gespickt, wäre besonders hart betroffen gewesen.

Glücklicherweise ließ sich die sowjetische Führung nicht von dem verrückten kubanischen Diktator in den globalen Selbstmord treiben. Man einigte sich friedlich mit den USA. Castros Kriegstreiberei war gescheitert. Zumindest im globalen Maßstab.

Castro versuchte es fortan im regionalen Bereich. Dank seines Genossen und Rivalen Che Guevara zettelte er in Bolivien einen Guerillakrieg gegen die politische Führung an. Ja, es stimmt, in Bolivien und in manchen Ländern Lateinamerikas herrschte soziale Ungerechtigkeit. Die Regierungen waren korrupt und die Bevölkerung wurde ausgebeutet. Doch die von Castro und seiner Führungsclique entfachten Kriege entfesselten nur neues Leid. Viele Menschen wurden Opfer der Auseinandersetzungen. Niemandem ging es danach besser. Ähnliches gilt für Afrika. In Angola und Mozambique starben Tausende „Freiwillige“, kubanische Soldaten, die dem Ruf Castros gefolgt waren, für die Befreiung Afrikas vom Kolonialismus zu kämpfen. Zehntausende Afrikaner ließen dabei ihr Leben.

Castros Untaten beschränkten sich keineswegs auf das Ausland. Gleich nach der „Revolution“, das heißt der Machtübernahme Anfang 1959, räumte der „Máximo Líder“, der Große Führer, mit den echten oder vermeintlichen Gegnern seines Regimes auf.

Tausende wurden verhaftet, Hunderte ohne Gerichtsurteil hingerichtet. Die sozialen Experimente von Fidel und Che führten zu einem Zusammenbruch der Volkswirtschaft. Nur Spenden der Sowjetunion verhinderten eine Hungersnot.

Hunderttausende Kubaner flohen von der Insel. Derweil vergnügten sich Castro und seine Kamerilla in den Villen der einstigen Ausbeuter. Fidel Castro verstand sich als Idealist. Er wird aller Romantik zum Trotz als Verbrecher in die Geschichte eingehen.

(sel)
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