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Sommerliche Unbeschwertheit

Gegenwärtige erleben wir die herrlichste Zeit des Jahres. Das Sonnenlicht währt von Tag zu Tag länger. Die Helligkeit lässt meine Seele leuchten und meine Stimmung aufscheinen. Zu wissen, dass ich morgen einen noch längeren Tag erleben darf als heute, euphorisiert mich.

Am besten geht es mir in der freien Natur. Während meine im Winter stubenhockerische Frau nunmehr im Garten herumwerkelt, Unkraut ausreißt und Blumen hegt, versuchen unsere Schildkröten vergeblich aus ihren Gefäßen in die Freiheit zu entfliehen. Ich selbst ziehe mit unserem Hund Schomer über Wege und Felder durchs Land. Am Wegesrand sind der Laubwald und das Gebüsch nach langem winterlichen Scheintod derartig saftig grün, dass ich am liebsten hineinbeißen würde. Die üppige Natur berauscht meine Sinne. Doch zugleich fühle ich mich frei – was mir in unserer Wohnung oder gar im Büro nie vollständig gelingen will.

Noch drei Wochen wird die Verzauberung der sich stetig ausdehnenden Lichtzeit weitergehen. Erst am 21. Juni, dem längsten Tag, wird die Sonnenwende einsetzen. Danach nehmen die Sonnenstunden ab. Um uns von der dadurch unweigerlich einsetzenden Traurigkeit abzulenken, überschüttet uns die Natur im folgenden drei Monaten mit Wärme, das ist der Sommer.

Herrlich, in lichten Kleidern herumzustreifen und die hohen Temperaturen zu genießen. Die Wärme lässt unsere Haut und die Muskeln darunter entspannen. Die winterliche Verkrampfung ist vergessen. Schomer aber wird von der Hitze gepeinigt. Sein Fell verdünnt sich zwar im Sommer, doch abstreifen lässt es sich nicht. Und die in der Hitze ansteigende Körpertemperatur lässt sich nur ungenügend durch Hecheln kühlen.

Schomer hatte dieser Tage ohnehin zu leiden. Ein Schäferhund hatte den neugierigen, doch friedlichen Schomer seine Reißzähne ins Gesicht gebohrt. Als die Wunde zu heilen begann, riss Schomer den frischen Schorf wieder auf. Schließlich entzündete sich die Wunde.

Daher mussten wir mit Schomer zum Tierarzt. Der verschreib unserem Hund Antibiotika und legte ihm eine Platsiktröte ums Gesicht, die das Tier am weiteren Kratzen hinderte. Schomer wollte den ungeliebten Fremdkörper mit aller Kraft loszuwerden. Er wälzte sich auf dem Boden und versuchte ständig in den Schutzmantel beißen. Doch schließlich fand er sich mit dem Zustand ab. Da er jedoch nicht begriff, dass die Tröte vorne recht breit war, blieb der Hund andauernd damit hängen oder er stieß uns willkürlich in die Kniekehlen, wenn er sich uns von Hinten zu nähern ersuchte. Um dem Hund und uns das Dasein zu erleichtern, schnitt ich das Plastikteil zurecht. Es half – ein wenig.

Als die Wunde nach zehn Tagen endlich vollständig vernarbt war, nahm ich ohne den Tierarzt gefragt zu haben, den Schutzverband ab. Sobald Schomer merkte, dass er nunmehr ungehindert war, begann er wieder herumtoben. Ohne Gedanken und Ängste wie wir. Kein Tier zerbricht sich den Kopf, dass er erneut gebissen werden könnte und er Schaden nehmen könnte. Die fehlend Überlegung über das zukünftige Geschehen wird ersetzt durch Traumata. Schomer meidet seither die Nähe von Schäferhunden. Doch ansonsten sind seine Gedanken nicht unfrei – er hat keine. Und das verleiht den Tieren eine Unbeschwertheit, die uns gefällt, weil wir sie nie erlangen werden. Daran hindert uns der Verstand.

(sel)
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