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Alles leer

Wüsste man nicht genau, dass die Welt unter Überbevölkerung leidet, es wäre derzeit nicht zu bemerken. Denn sowohl in Büros als auch in Geschäften oder im Fitness-Studio herrscht gähnende Leere. Sogar der Fahrradfahrer kann ohne Angriffe auf Leib und Leben zur Arbeit gelangen. Was ist da los?

Möglicherweise ist das Sommerloch ja längst keine Zeit der Ereignislosigkeit mehr – die Weltereignisse überschlagen sich ja immer noch mit Purzelbaum-Geschwindigkeit. Sondern es handelt sich vielmehr um eine Art Schwarzes Loch, das Mitmenschen einsaugt und möglicherweise nach dem Sommer nicht mehr herausrückt.

Auch erkenntnistheoretisch stellen sich den Übriggebliebenen, die in den Ferien durcharbeiten, wichtige Fragen: Wenn niemand mehr anwesend ist, um ihre Existenz zu bemerken, sind sie dann wirklich noch da? Und falls nicht, werden ihnen für die Nicht-Existenz im nächsten Leben Urlaubstage abgezogen?

Leider oder glücklicherweise können diese Gedanken jedoch mit niemandem geteilt werden. Deswegen verschwinden sie wohl bald wieder dort, wo sich das Sommerloch vermutlich aufgrund des Klimawandels bereits ganzjährig ausbreitet: im Gedächtnis.

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