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Errötender Mond

Die Erwartungen an den Mond werden immer höher. Wird er doch nicht nur, wie früher, für Kleinigkeiten wie Ebbe und Flut verantwortlich gemacht. Sondern auch für Pflanzenwachstum, Haarschnitt-Zeitpunkte und Zwischenmenschliches. Und dann soll er im Sommerloch noch Events liefern.

So starrten ihn gestern Abend unzählige Menschen erwartungsvoll an, weil er als „Blutmond“ galt. Das klang schon fast, als hätte sich der Erdtrabant an einem scharfkantigen Kometen verletzt oder würde ein brutales Massaker an Wolken veranstalten – für viele Himmelskörper ein ganz schlechtes Vorbild. Dabei wollte sich der Mond eigentlich nur ein wenig verstecken und erröten. Fragt sich natürlich, warum.

Möglicherweise kommt er ja dort oben tatsächlich auf schmutzige Gedanken, weil er ständig auf so viel Weltraummüll blickt. Oder er hat ein Figurbewusstsein entwickelt und möchte nicht mehr, dass ständig über sein Zu- und Abnehmen gesprochen wird, wenn er nicht gerade voll ist.

Vielleicht schämt er sich aber auch, weil er für Unsitten in Großstädten herhalten muss. Denn obwohl er dort zwischen den Hochhäusern kaum noch zu sehen ist, verlangen Wohnungsvermieter immer öfter Mondpreise.

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