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Pianissimo: Fotogen

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Früher war es Frauen wichtig, gut auszusehen. Heute reicht es ihnen meistens, auf Fotos gut auszusehen. Schließlich können sie sich selbst nicht per Whatsapp verschicken. Noch nicht.

Allerdings klammern sich Ältere oft noch an die seltsame Vorstellung, dass sie auch in der Realität gut ankommen möchten. Und reagieren daher sensibel auf die Formulierung: „Du bist ja fotogen.“ Weil sie darin die versteckte Bedeutung vermuten: „In Wirklichkeit siehst du längst nicht so gut aus wie auf den Fotos.“ Und sie sind noch nicht modern genug, um sich darüber zu freuen.

Irgendwann aber lernen sie dann, das als natürlichen Zustand zu akzeptieren. Schließlich lassen sich Fotos leichter bearbeiten oder mit einem Filter versehen als das reale Gesicht. Und diese Filter eignen sich auch für die Sprache. Denn dann bedeutet der Satz „Du bist ja fotogen“ nur noch „Du bist eine Meisterin der Täuschung“. Und die Frau, die das nicht sein will, wurde noch nicht fotografiert.

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