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Kolumne: Wussten Sie schon?

Von … dass sich in Friedberg im Innenhof des Hauses Judengasse 20 ein ganz besonderes Bau- und Kulturdenkmal verbirgt?

Als das neugotische Gebäude 1903 errichtet wurde, befand sich dort bereits seit fast 650 Jahren eine Mikwe, die die Einheimischen Judenbad nennen.

In Frankfurt lernte man 1987, was eine Mikwe ist; damals stießen Bauarbeiter am Börneplatz auf Reste eines jüdischen Ritualbads, um dessen Erhalt ein heftiger Streit entbrannte. Das Tauchbad dient nicht der Hygiene – man betritt es vielmehr körperlich gereinigt –, sondern der rituellen Reinigung: für Männer vor dem Sabbat oder Feiertagen, für Frauen vor der Hochzeit, nach der Geburt oder der Menstruation.

Die Friedberger Mikwe wurde um 1260 angelegt, was aus der in einer Nische entdeckten Jahreszahl hervorgeht. Beeindruckender als das Alter sind jedoch ihre Größe und Ausgestaltung. 25 Meter musste das Basaltgestein mühevoll ausgeschachtet werden, um auf das für das Tauchbad erforderliche fließende Wasser zu stoßen. In die Tiefe führen 72 Stufen der auf Halbbögen ruhenden Treppenanlage, die mit Säulen und Kapitellen mit Blumenornamenten aufwendig ausgeschmückt ist.

Das Friedberger Ritualbad ist Deutschlands größte mittelalterliche Monumentalmikwe, wie solche Bäder wegen ihrer imposanten Ausmaße genannt werden. Es wurde bis Anfang des 19. Jahrhunderts für rituelle Zwecke genutzt, später als Kühlraum zweckentfremdet, bis man sich um 1875 der bau- und kulturgeschichtlichen Einmaligkeit des Judenbades wieder bewusst wurde und sie umfassend renovierte.

1939 musste die Jüdische Gemeinde zwar das Bad an die Stadt „abgeben“, aber die Mikwe überstand die NS-Zeit unbeschadet.

(hpdie)
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