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Wussten Sie schon?

… welche hessische Großstadt nur das zarte Alter von 31 Monaten erreichte? Ein im Juli 1979 erlassenes Gesetz „zur Neugliederung des Lahn-Dill-Gebiets“ setzte einen Schlussstrich unter das Projekt der Landesregierung, die ein neues Stadtgebilde mit dem Kunst-Namen „Stadt Lahn“ geschaffen hatte.

Bereits 1970 hatte sich die sozialliberale Koalition in Wiesbaden im Zuge der Gebietsreform zu dieser ungewöhnlichen landesplanerischen Maßnahme entschlossen. Um den mittelhessischen Wirtschaftsraum zu stärken sowie um ein Gegengewicht zum Rhein-Main-Gebiet und dem nordhessischen Kassel zu schaffen, verschmolz man Gießen, Wetzlar und die 14 Umlandgemeinden auf dem Reißbrett zur flächenmäßig zweitgrößten hessischen Stadt mit rund 156 000 Einwohnern.

Während die Planer und Politiker mit ihrer Doppelstadt aus der Retorte zufrieden waren und per Gesetz die Fusion von Gießen und Wetzlar 1977 zum Abschluss brachten, reagierten die Bürger skeptisch bis ablehnend. Schon den Namen empfanden viele als farb- und geschichtslos. Sprüche wie „Wenn ich Lahn seh, krieg ich Zahnweh“ drückten den Unmut aus. Selbst Helmut Schmidt murrte, unter einer „Lotte in Lahn“ könne er sich nichts vorstellen, anspielend auf Charlotte Buff aus Wetzlar, Goethes Vorbild für die Lotte in „Die Leiden des jungen Werthers“.

Der Protest gegen das „sechzehnarmige Stadtmonster“ hielt auch an, nachdem das das Bundesverfassungsgericht die Klagen einiger Gemeinden auf Selbstbestimmung abgelehnt hatte. Das Totenglöcklein für die Fusion begann jedoch mit der Kommunalwahl im März 1977 zu läuten, als die SPD massiv Stimmen verlor und in der Stadt Lahn von 50,9 auf 35,5 Prozent abrutschte. Die Landesregierung lenkte ein und löste die ungeliebte Konstruktion auf. Am 1. August 1979 wurde aus Lahn wieder Gießen und Wetzlar.

(hpdie)
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