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Abschlussklasse des neuen Ausbildungsjahrganges: 17 glückliche neue Notfallsanitäter

Seit Januar 2014 gibt es mit der Ausbildung zum Notfallsanitäter den ersten voll anerkannten Gesundheitsfachberuf im Rettungswesen. Jetzt hat der erste Frankfurter Jahrgang seinen Abschluss gemacht.
Alle 22 Azubis ließen sich feiern. Die fünf, die die Prüfungen nicht bestanden haben, bekommen in den nächsten Wochen eine zweite Chance. Foto: Holger Menzel Alle 22 Azubis ließen sich feiern. Die fünf, die die Prüfungen nicht bestanden haben, bekommen in den nächsten Wochen eine zweite Chance.
Innenstadt. 

Kai Gessner steht im italienischen Lokal in der Innenstadt vor seinen (nun ehemaligen) Mit-Azubis und hält die Abschlussrede. Er tut sich schwer damit, die vergangenen drei Jahre zusammenzufassen. „Wir haben so viel erlebt!“, sagt er. Gessner ist einer der Glücklichen, die eine Urkunde erhalten und damit ausgewiesene Notfallsanitäter sind. Fünf Auszubildende haben die Prüfungen nicht auf den ersten Versuch bestanden. „Das kann ich gut verstehen“, verrät Gessner, die Prüfungen hätten es in sich gehabt. Besonders vor der mündlichen Abfrage habe er schlecht geschlafen, denn die Bandbreite an Themen, die geprüft werden kann, erstreckt sich vom menschlichen Gehirn bis zum Aufbau der Haut.

Mangel an Fachkräften

Die, die es trotzdem geschafft haben, erwartet ein leichter Einstieg in ihr Berufsleben. „Mit dem ersten Abschlussjahrgang wird dem Fachkräftemangel im Rettungsdienst entgegengewirkt“, sagt Achim Vandreike, der Vorsitzende des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) Frankfurt. Aufgrund der Umstellung von Rettungsassistenten zu Notfallsanitätern seien in den letzten drei Jahren keine Berufseinsteiger mehr ausgebildet worden; dieses Defizit werde jetzt der erste Abschlussjahrgang verbessern. Kai Gessner hat schon eine Anstellung in Aussicht: Er wird in Hanau als Verantwortlicher im Rettungswagen mitfahren. In seiner Heimatstadt hat er schon seine Praxismodule absolviert. „Meistens folgte auf vier bis sechs Wochen Theorie ein zweiwöchiger Krankenhausbesuch und dann ein sechswöchiger Praxis-Block im Rettungsdienst“, erklärt er.

DRK-Chef Achim Vandreike (links), Schulleiterin Thea Penndorf und Absolvent Kai Gessner waren die Redner des Abends. Und zu erzählen gab es viel. Bild-Zoom Foto: Holger Menzel
DRK-Chef Achim Vandreike (links), Schulleiterin Thea Penndorf und Absolvent Kai Gessner waren die Redner des Abends. Und zu erzählen gab es viel.

Den theoretischen Unterricht haben die Azubis in der Zentralen Ausbildungsstätte in Frankfurt vermittelt bekommen. Sie ist die älteste staatlich anerkannte Rettungsdienstschule in Hessen. Schulleiterin Thea Penndorf ist stolz auf den ersten Jahrgang an Notfallsanitätern. Auch wenn es mit den „Versuchskaninchen“ nicht immer ganz einfach war, wie sie verriet.

„Auch wenn der Anfang etwas holprig war, haben alle zusammen daran gearbeitet, dass die Ausbildung fundiert ausgebaut werden konnte“, erklärte auch Vandreike. Zudem sei es normal, dass bei einem neuen Ausbildungsjahrgang nicht immer alles rund laufe. Das größte Problem war anfangs der Mangel an Dozenten. Daraufhin wurden die Zugangsvoraussetzungen für die Lehrenden verschärft, so dass die Schüler größere Lücken in ihren Stundenplänen hatten. „Das haben wir durch selbstbestimmtes Arbeiten wieder wettgemacht“, sagt Gessner.

Zwischen Theorie- und Praxis-Modulen haben die Absolventen noch vieles mehr erlebt. Besonders lebhaft ist Gessner der Sportunterricht in Erinnerung: Im ersten Jahr wurde die Fitness der Azubis verbessert – und dies laut Gessner „nicht mit Federball und Yoga“. Stattdessen standen Ausdauerläufe und Zirkeltraining auf dem Stundenplan. Von allen Exkursionen, etwa zur Bergrettung, ist ihm jener zur Feuerwehr noch am lebhaftesten in Erinnerung. Dort trotzte er seiner Höhenangst und konnte in 35 Metern Höhe das Retten mit Hilfe einer Drehleiter kennenlernen.

Manchmal gezweifelt

Natürlich gab es in der dreijährigen Ausbildung auch Momente, in denen die Teilnehmer zweifelten, ob sie den richtigen Weg eingeschlagen haben. So brachen einige Azubis die Ausbildung ab. „Manche haben gemerkt, dass es nicht das ist, was sie glücklich macht“, erklärt Gessner. Von ursprünglich 30 Teilnehmern blieben 22 übrig, die an den Abschlussprüfungen teilgenommen haben. Auch Gessner erlebte Momente, in denen er sich nicht sicher war, das Richtige zu tun. „Bei einem Einsatz war ein Mann mit seinem Arm in eine Druckerpresse gekommen“, berichtet er. Da sich die Walzen zuerst nicht auseinanderpressen ließen, dauerte die Rettung sehr lange. „In solchen Augenblicken fragt man sich, ob man wirklich der Richtige dafür ist, Menschen in solchen Extremsituationen zu begleiten.“ Die nötige Motivation, den Beruf doch zu lernen, lieferte ihm dafür ein ganz anderer Umstand: „Es gibt kaum Berufe, in denen man ein so großes, ehrliches ,Dankeschön’ bekommt“.

Mit der abgeschlossenen Ausbildung und dem Start ins Berufsleben kommt viel Verantwortung auf die frischgebackenen Notfallsanitäter zu. Was DRK-Chef Vandreike ihnen noch mit auf den Weg geben will ist, dass Algorithmen und Theorie nicht immer alles sind: „Manchmal hilft auch der gesunde Menschenverstand.“

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