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25 Euro Belohnung für Kirchenaustritt

Eine umstrittene Protestaktion gegen das gesetzliche Tanzverbot am Karfreitag steigt am Gründonnerstag an der Konstablerwache: ein „Hasenfest“ unter dem Motto „Ich lass Dich beten - lass Du mich tanzen!“ Außerdem wird es wieder eine Tanz-Demo geben, diesmal aber erst am Ostersonntag.
Zur Musik aus mitgebrachten MP3-Playern tanzen junge Leute am Karfreitag 2011 auf dem Römerberg. Die ungewöhnliche Demonstration, an der sich nach Schätzungen mehr als 1500 Menschen beteiligten, richtete sich gegen das zu Ostern geltende Tanzverbot. Foto: Kammerer Zur Musik aus mitgebrachten MP3-Playern tanzen junge Leute am Karfreitag 2011 auf dem Römerberg. Die ungewöhnliche Demonstration, an der sich nach Schätzungen mehr als 1500 Menschen beteiligten, richtete sich gegen das zu Ostern geltende Tanzverbot.
Frankfurt. 

Ein großer rosa Hase wird am Gründonnerstag auf der Konstablerwache die Symbolfigur fürs "Hasenfest 2013" sein, das von 10 bis 12 Uhr vom "Frankfurter Hasenfest-Bündnis" veranstaltet wird und in dessen Mittelpunkt eine Kirchenaustritts-Aktion steht. "Wir feiern unsere Freiheit von jeder Konfession, den beginnenden Frühling und natürlich das Hasenfest", sagte gestern Bündnis-Sprecherin Gabriele Förster (51). Wer aus der Kirche austreten wolle, aber nie die Gelegenheit dazu gefunden habe, könne dies im Rahmen der Aktion tun und zwar gleich um die Ecke im Frankfurter Amtsgericht. Den ersten zehn Austrittswilligen spendiert das Bündnis Gutscheine im Wert von jeweils 25Euro zum Bezahlen der Austrittsgebühr.

Gabriele Scherle, Pröpstin der Evangelischen Kirche für Rhein-Main, kommentiert die Aktion so: "Ich verstehe nicht, warum die Anhänger der Hasenreligion nicht ganz entspannt in den Urlaub fahren oder an den Feiertagen arbeiten gehen. Ich jedenfalls würde ihnen beides gönnen! Die anderen, die gerne Karfreitag und Ostern feiern möchten, lade ich sehr herzlich in unsere Gottesdienste ein."

Stadtdekan: "Erbärmlich"

"Was soll ich dazu sagen?", suchte der katholische Stadtdekan Johannes zu Eltz zunächst nach Worten und kommentierte die Aktion dann "mit Gelassenheit und Kopfschütteln". Er bezeichnete es als "ziemlich erbärmlich", wenn diejenigen, die nach einer Alternative zum christlichen Glauben suchen, "mit Hasen abgespeist" würden. Wenn mit materiellen Vorteilen für Kirchenaustritte geworben werde, dann passe das nicht in unsere Gesellschaft. Der Stadtdekan betonte, dass er im Übrigen auch an Feiertagen nichts gegen das Tanzen habe, wo der öffentliche Frieden dadurch nicht gestört werde.

Das "Frankfurter Hasenfest-Bündnis" besteht aus: Internationaler Bund der Konfessionslosen und Atheisten (IBKA), Giordano-Bruno-Stiftung - Säkulare Humanisten (GBS), "Die Partei", Laizistische Sozis - Humanisten und Atheisten in der SPD und "Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters Deutschland". Gabriele Förster vom IBKA hält Gesetze wie das Tanzverbot an Karfreitag für antiquiert. Die Hamburgerin trat als Jugendliche auf Wunsch ihrer Oma in die Evangelische Kirche ein, nach wenigen Jahren aber wieder aus, "weil mir der Glaube nichts brachte".

In 13 Städten

Am Gründonnerstag veranstaltet das Bündnis in 13 deutschen Städten ganz unterschiedliche Aktionen. Im erzkatholischen Köln ist zum Beispiel eine "religionfreie Zone" mit Infos über Kirchenaustritte geplant. Die erste gemeinsame Aktion des Bündnisses fand vor zwei Jahren in Mainz statt.

INFO

Die juristischen Vorgaben für das Verhalten an Feiertagen regelt das Hessische Feiertagsgesetz. Generell gilt demnach: "Die gesetzlichen Feiertage werden als Tage der Arbeitsruhe und seelischen Erhebung nach Maßgabe dieses Gesetzes geschützt."

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Die Frankfurter Aktion des "Hasenfest-Bündnisses" wurde vor einigen Tagen beim Ordnungsamt angemeldet. Im Gegensatz zu 2011 führte die Behörde im vergangenen Jahr zu Karfreitag keine gezielten Kontrollen in Clubs durch. Auch in diesem Jahr werde das wieder so gehandhabt, sagte Ordnungsamts-Sprecher Michael Jenisch auf Anfrage. Es sei nicht geplant, gezielt zu überprüfen, ob das Tanzverbot eingehalten werde. Es könne aber durchaus sein, dass nicht nur Beschwerden nachgegangen werde, sondern von Streifen mitunter auch mal in Clubs nachgeschaut werde.

Der Karfreitag ist ein stiller Feiertag. Ein Landesgesetz regelt, was an diesem Tag tabu ist. "Tanz-Demos" hatten in den vergangenen Jahren für Aufsehen gesorgt. Der Streit landete schließlich sogar beim Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe (siehe Info).

Die Grüne Jugend Hessen plant für Ostersonntag auf dem Römerberg Tanzeinlagen gegen das Gesetz. Der Karfreitag sei diesmal nicht gewählt worden, um die Spannungen in der Diskussion um das Feiertagsgesetz herauszunehmen, sagte Landesvorsitzender Benjamin Weiß. Auch Vertreter der evangelischen Kirche wollen mitmachen. Das sei aber nicht als Protest gegen das Tanzverbot gemeint, betont Pröpstin Scherle. Ihr sei die Einhaltung der Regelungen am Karfreitag sehr wichtig. "Es ist ein Zeichen der Dialogbereitschaft", sagt sie.

(Jürgen Walburg)
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