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Entführer stehen vor Gericht: 28-Jähriger sollte um 600.000 Euro gebracht werden

Von Erpresserischer Menschenraub, gefährliche Körperverletzung und Raub werden seit gestern vier Männern vor dem Landgericht zur Last gelegt. Ursprünglich sollte es sogar um acht Täter gehen.
Symbolbild Symbolbild
Frankfurt. 

Nach einer spektakulären Entführung in einer Tiefgarage unter den Hochhäusern an der Mailänder Straße (Sachsenhausen) müssen sich seit gestern vier Männer vor dem Landgericht Frankfurt verantworten. Sie sollen im April 2016 einem 28 Jahre alten Iraner übel mitgespielt haben, den sie über eine Verwandte eines der Täter flüchtig kannten.

Der an jenem 19. April arglos zu seinem in der Garage geparkten Wagen gehende Mann wurde von den Tätern überwältigt und zunächst im Auto festgehalten. Dort eröffneten sie ihm, dass sie Beamte von Interpol seien und auf ihn in seiner Heimat ein Kopfgeld von 1,2 Millionen Euro ausgesetzt sei. Dabei ging es offenbar hauptsächlich um Betrügereien.

Opfer willigt ein

Er könne aber mit einer Zahlung von 600 000 Euro die vorgesehene Auslieferung in den persischen Staat verhindern. Laut Anklage willigte der Mann – ob zum Schein oder wirklich – in das Geschäft ein. Dies bewahrte ihn freilich nicht davor, kurze Zeit später in seiner eigenen Wohnung in dem Hochhaus von den Tätern geschlagen und beraubt zu werden. Einer der Angeklagte riss ihm die teure Rolex-Armbanduhr vom Handgelenk.

Danach machten sich die Täter zunächst einmal aus dem Staub. Der Iraner erstattete Strafanzeige und brachte damit umfangreiche Ermittlungen in Gang. Diverse Namen wurden genannt, telefonische Überwachung geschaltet. Im September wurden dann gleich mehrere Tatverdächtige festgenommen und auch im November klickten noch einmal die Handschellen: Zum Schluss saßen acht mutmaßliche Tatbeteiligte im Alter von 33 bis 51 Jahren in Untersuchungshaft.

Zwei von ihnen wurden gestern in Handschellen in den Gerichtssaal geführt. Im Unterschied zu ihren mutmaßlichen Komplizen äußerte sich der eine bislang überhaupt nicht zur Tat. Der andere sagte, es sei alles ganz anders gewesen und er sei unschuldig.

Holpriger Auftakt

Der Prozess nahm einen recht holprigen Auftakt. Statt der erwarteten acht Angeklagten erschienen nur vier mit ihren Verteidigern. Das Verfahren gegen die vier weiteren Beschuldigten sei abgetrennt worden, hieß es. Gegen vier Angeklagte lässt es sich nun einmal leichter verhandeln als gegen die doppelte Anzahl mit insgesamt 16 Verteidigern. Und genau dies war der Grund für die Verteidiger, die Mitglieder der Großen Strafkammer wegen „Besorgnis der Befangenheit“ abzulehnen. Die Auswahl der nunmehr auf der Anklagebank sitzenden Täter sei willkürlich erfolgt – es könne seinem Mandanten nicht zugemutet werden, zusammen mit den derzeit noch inhaftierten und nicht geständigen Komplizen auf der Anklagebank sitzen zu müssen, argumentierte einer der Anwälte.

Der Vorsitzenden Richterin blieb nichts anderes übrig, als die Anträge entgegenzunehmen und die Akten zu schließen – zumindest bis zum nächsten Verhandlungstag. Bis dahin soll die für Befangenheitsanträge zuständige „Vertreterkammer“ auch über den aktuellen Antrag entscheiden. Wann gegen die anderen vier Mittäter verhandelt wird, ist derzeit noch unklar.

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