Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Laufsport - Alles rund um den Mainova Frankfurt Marathon ... Frankfurt am Main 21°C
3 Kommentare

Landgericht kann Schuld von Frau nicht beweisen: 29-Jährige freigesprochen: Bombenschmuggel bleibt ungeahndet

Eine vollverschleierte Frau hatte im Februar 2014 eine Rohrbombe im Gepäck. Da es aber sein kann, dass ihr diese untergeschoben wurde, kam die 29-Jährige vor Gericht um eine Strafe herum.
Symbolbild Symbolbild
Frankfurt. 

Freispruch im Prozess um den Schmuggel einer gefährlichen Rohrbombe, die vom türkischen Sicherheitspersonal im Februar 2014 auf dem Flughafen in Ankara im Gepäck einer 29 Jahre alten Frau sichergestellt worden war: Nach den Erkenntnissen des Landgerichts gibt es nach zwei Verhandlungstagen einfach zu viele Zweifel daran, ob die mit einem zwischenzeitlich zu langjähriger Haft verurteilten „IS“-Sympathisanten und Aktivisten verheiratete deutsche Staatsbürgerin tatsächlich gewusst hatte, was sie in ihrem Gepäck mit sich herumtrug.

Es könne auch sein, so Vorsitzender Richter Klaus Eckhardt in der Urteilsbegründung, dass ihr die Bombe – ein recht unscheinbares, acht Zentimeter langes rostiges Rohrstück von drei Zentimetern Durchmesser – vom Ehemann, dessen Bruder oder einem anderen Gesinnungsgenossen untergeschoben wurde. So sei das Gepäck nicht etwa von der vollverschleierten Angeklagten, sondern dem westliche Sportkleidung und Baseballkappe tragenden Bruder eingecheckt worden. Wegen ihrer „Naivität“ sowie des „hörigkeitsähnlichen Verhältnisses zum Angeklagten“ habe die Frau wohl nicht weiter nachgefragt.

Ihre Persönlichkeitsstrukturen seien „auffällig“ und von zahlreichen Vorstrafen geprägt – Körperverletzungen unter Alkoholeinfluss, Misshandlung der eigenen Mutter, allerdings keine islamistisch eingefärbten Taten. Die Frau ist deutschstämmig und trat wohl erst für ihre Ehe mit Abdelkarim E. zum Islam über. Für den zu achteinhalb Jahren verurteilten E. war gestern noch einmal ein Haftausflug angesagt. Als Zeuge wollte er die Frau entlasten und schwor ihr die große Liebe – obwohl er sie in den gemeinsamen Monaten im syrischen Bürgerkrieg immer wieder nach allen Regeln der Kunst belogen hatte.

Die beiden Vertreter der Staatsanwaltschaft schauten skeptisch bei der Urteilsverkündung – sie hatten auf zwei Jahre und zehn Monate Haft plädiert, wobei mögliche islamistische Zusammenhänge von Anfang an fallen gelassen worden waren und die Anklage ausschließlich auf einen Verstoß gegen das Waffengesetz gestützt wurde. Man wird sich nun über eine mögliche Revision beim Bundesgerichtshof unterhalten.

(ge)
Zur Startseite Mehr aus Frankfurt

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse