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Eine runde Sache für Bedürftige: 300 Gäste kamen zur Winterspeisung

Von Unter dem Motto „Essen und Kultur für Menschen mit wenig Geld“ begrüßten der Schlagersänger Bata Illic und die Pfarrerin der Hoffnungsgemeinde Jutta Jekel gestern 300 Gäste – zum zweiten Teil der Winterspeisung in der Hoffnungsgemeinde.
In der geheizten Weißfrauenkirche sitzen, essen und Musik hören – das tun Wohnsitzlose in Frankfurt bei der Winterspeisung gern. Bilder > Foto: Rainer Rueffer-- FRANKFURT AM MA In der geheizten Weißfrauenkirche sitzen, essen und Musik hören – das tun Wohnsitzlose in Frankfurt bei der Winterspeisung gern.
Bahnhofsviertel. 

Trotz großen Andrangs und Hungers ist genug Essen für alle da. „Wer kann, zahlt hier 50 Cent. Das finde ich angemessen, dafür lernen die Leute auch, sich etwas zu disziplinieren und mit ihrem Geld hauszuhalten“, sagt Volker (57), der früher mal Berufssoldat werden wollte. Doch ein schwerer Unfall veränderte das Leben des ungelernten Arbeiters, der inzwischen wohnungslos ist und sich auf wohltuende Musik in der geheizten Weißfrauenkirche freut.

Gerade verteilen die Helfer der Hoffnungsgemeinde, der Kaffeestube Gutleut und der Deutschen Bank die letzten Schnitzel mit Spätzle, als sich Schlagersänger Bata Illic seinen Weg durch die Kirche bahnt. „Bata und mein Papa sind alte Freunde, sie waren schon vor 17 Jahren dabei und unterstützten die Winterspeisung“, erzählt Helferin Anna-Katharina Friedrich, Tochter des früheren Juweliers in der Goethestraße. „Damals habe ich sogar noch Plätzchen gebacken.“ Diese Zeiten sind aber vorbei, denn schon seit Jahren übernimmt die Hoffnungsgemeinde im Februar die Suppenkelle von der Katharinengemeinde und lädt täglich von 10.30 bis 17 Uhr zur Winterspeisung in der Diakoniekirche Weißfrauen in der Gutleutstraße, dieses Jahr bis 28. Februar.

„Inzwischen laden andere Kirchengemeinden und auch die Stadt die Bedürftigen zu Weihnachtsfeiern ein, so dass wir dafür lieber den Februar abdecken und unseren Gästen mit fröhlicher Schlagermusik eine Freude machen“, sagt Pfarrerin Jutta Jekel. Doch noch bevor der Barde aus Belgrad das Mikrofon ergreifen kann, läuft ihm eine Dame mit wedelnden Zeitungsseiten entgegen: „Illic“ ist dort in kyrillischen Buchstaben bei einem Foto mit Bus zu lesen. „Ich habe einem Dorf in Serbien Geld gespendet, damit sie sich den anschaffen können“, erklärt der Sänger.

„Schwarze Madonna“

Auch mit 77 Jahren nimmt Bata Illic noch die Autofahrt von München auf sich, um den bedürftigen Menschen in Frankfurt etwas zurückzugeben – schließlich hat er selbst 15 Jahre lang hier gelebt. Er bleibt sich treu und singt nicht nur alleine, sondern holt auch mutige Sänger aus dem Publikum nach vorne, die mit ihm beliebte Hits wie „Schwarze Madonna“ oder „Ich hab noch Sand in den Schuhen von Hawaii“ anstimmen.

Es sind fröhliche Momente, die von Paradiesen erzählen, von denen viele der täglich rund 300 Gäste nur träumen können: „Weg von zu Hause, wohnungslos, in der Kälte auf der Straße, wenn es gut geht in der B-Ebene oder in einer Flüchtlingsunterkunft“, beschreibt Jekel die trostlose Situation in der Predigt zum Eröffnungsgottesdienst. Auch davon kann Wolfgang ein Lied singen: „Du willst dich tagsüber mal wo reinsetzen, aber das geht oft gar nicht, weil du gleich wieder Geld brauchst, um dir was zu bestellen“, schildert er seine Lage und hofft, doch bald wieder ein Dach über dem Kopf und Arbeit zu finden.

80 Prozent Männer

Viele Gäste seien seit Jahren bekannt, doch inzwischen seien auch Rumänen hinzugekommen, die wohl aus dem Elendsquartier in der Gutleutbrache stammen, meint Georgia von Holtzapfel, die die Winterspeisung in der Katharinenkirche organisiert: „Rund 80 Prozent sind Männer. Frauen haben oft mehr Scham, aber auch andere Möglichkeiten der Versorgung, da sie besser vernetzt sind.“ Bis zu 350 Helfer engagierten sich in der Katharinenkirche, auch in der Weißfrauenkirche werden täglich fünf bis sechs Helfer gebraucht. Einige von ihnen kommen aus der Deutschen Bank und engagieren sich an einem „Social Day“.

Zu den Geflüchteten aus dem Iran, die sich inzwischen in den Dienst der guten Sache stellen, gehört Aylin Khoshro Sahneh mit ihrer Famillie: „Wir haben eine Wohnung und eine Aufenthaltsgenehmigung, dafür helfen wir gerne anderen bedürftigen Menschen“, sagt sie. Die Hoffnungsgemeinde kalkuliert ihre eigenen Kosten gerade mit 35 000 Euro und benötigt derzeit noch 5000 Euro – sie hofft auf viele spontane Spender, die wie in der Katharinenkirche nach einem spontanen Besuch eine größere Summe geben.

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