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Trabantenstadt: 50 Jahre zwischen Wunsch und Wirklichkeit

Sechs Jahre lang, von 1962 bis 1968, dauerte der Bau der Nordweststadt. In einem 90-minütigen Beitrag wagen die Filmemacher Enno Echt und Hagen Gottschalck eine Expedition durch die einzig realisierte Raumstadt weltweit.
Zartes Grün, kaum Autos. So fing alles an. Die Nordweststadt in ihren Kindertagen. Aufgenommen wurde das Bild 1965. Foto: Hartig (Institut fuer Stadtgeschichte Fr) Zartes Grün, kaum Autos. So fing alles an. Die Nordweststadt in ihren Kindertagen. Aufgenommen wurde das Bild 1965.
Nordweststadt. 

Eine Fläche von 170 Hektar mit Äcker zwischen den bereits bestehenden Stadtteilen Heddernheim, Niederursel und Praunheim sollten einmal Platz für 25 000 Menschen bieten. Das war zumindest der Plan der beiden Architekten Walter Schwagenscheidt und Tassilo Sittmann. Sie hatten beim von der Stadt ausgeschriebenen Wettbewerb zwar nur den dritten Platz belegt, wurden aber nach Überarbeitung ihres Entwurfs vom Planungsdezernenten Hans Kampffmeyer schließlich beauftragt.

Heute Premiere

Doch was ist aus diesen Plänen geworden? Wie hat sich die Nordweststadt mir dem Nordwestzentrum als Mittelpunkt bis heute entwickelt? Genau diesen Fragen widmet sich der Film „Raumstadt Nordweststadt – Von der Vision zur Wirklichkeit“, der heute Abend, 20.30 Uhr, im Nordwestzentrum erstmalig der Öffentlichkeit präsentiert wird. Auf der großen Showbühne. Der Eintritt ist frei.

Der anderthalbstündige Streifen ist eine Expedition durch die einzige realisierte Raumstadt weltweit. So beschreiben die Filmemacher Enno Echt und Hagen Gottschalck ihr Werk.

Grundidee des Films ist es, die Ideen und Visionen ihrer Planer der gelebten Wirklichkeit der Bewohner gegenüberzustellen und diese in Gesprächen mit den Menschen, die in der Nordweststadt groß geworden sind und heute noch dort leben, erfahrbar zu machen. Daraus sowie aus Archivmaterial des Hessischen Rundfunks formten die Filmemacher ein facettenreiches Porträt dieses Stadtteils, angefangen von der Idee und der Planung über den Bau bis hin zum Leben in dieser faszinierenden Großsiedlung.

Im Fokus des Films steht die Beantwortung der Frage, was es für die Menschen im Alltag bedeutet, in dieser Gestalt gewordenen Idee einer idealen Stadt zu leben. In den 1960er und 1970er Jahren entstanden in ganz Deutschland Neubaugebiete am Rande der Städte. Wohnsiedlungen mit damals modernen Wohnungen, um den Bedarf für die Kernstadt decken zu können – die sogenannten Trabantenstädte.

Visionen und Ideen

Im Nordwesten von Frankfurt wurde Anfang der 1960er Jahre mit dem Bau des neuen Stadtteils begonnen – der Nordweststadt. Die damaligen Stadtplaner haben sich mit großartigen Visionen und viel Idealismus an die Verwirklichung ihrer Idee einer idealen Stadt gemacht.

Dazu gehörte zum Beispiel die Entknüpfung der Verkehrswege. Wer will, kann noch heute den ganzen Stadtteil zu Fuß durchmessen, ohne eine Straße queren zu müssen – wenn auch mit Umwegen. Möglich machen es die vielen Brücken. Dagegen scheint das Prinzip der Nahversorgung gescheitert. Das kleine Einkaufszentrum am Hammarskjöldring gibt es nicht mehr, das an der Thomas-Mann-Straße kämpft seit Jahren um ein Konzept. Und das System der Hausnummern bleibt Nicht-Nordweststädtern wohl für immer ein Rätsel. Spannend ist auch ein Blick auf die Sozialstruktur. Einst ein Quartier mit Menschen, die aus ganz Frankfurt und Umgebung hierher zogen und plötzlich Nachbarn wurden, leben inzwischen auch Familien in dritter Generation in der Nordweststadt. Heimat mit inzwischen viel Grün in der einst als Wild-West-Stadt geschmähten Großsiedlung.

Die Premiere des Films über die Nordweststadt ist Teil der seit Ende September angelaufenen neuen Reihe des Filmkollektivs Frankfurt. Diese widmet sich der Architektur und Stadtentwicklung in Frankfurt und zeigt bis zum 30. Oktober dokumentarische und experimentelle Filme von 1896 bis heute.

Insgesamt gibt es 15 Vorstellungen mit über 70 kurzen bis mittellangen und langen Filmen. Veranstaltungsorte sind das Kino des Deutschen Filmmuseums, die Evangelische Akademie Frankfurt, das Filmforum Höchst, das Nordwestzentrum und das Studierendenhaus auf dem Campus Bockenheim.

 

(red)

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