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Frankfurter Landgericht: 60-Jähriger soll Freundin fast getötet haben

Von Wegen versuchten Totschlags wird einem 60 Jahre alten Mann seit gestern vor dem Landgericht der Prozess gemacht. Eine Gefängniszelle wird er aber wohl nicht von innen sehen.
Ein Verhandlungssaal im Landgericht in Frankfurt am Main. Foto: Fredrik von Erichsen/Archiv Ein Verhandlungssaal im Landgericht in Frankfurt am Main. Foto: Fredrik von Erichsen/Archiv
Frankfurt. 

Brutale Schläge und Tritte gegen eine 67 Jahre alte Hausbesitzerin am Parlamentsplatz, dazu noch ein Stich in ihre Lunge – „offiziell“ wegen versuchten Totschlags hat sich deshalb seit gestern ein 60-Jähriger vor dem Landgericht zu verantworten. Doch seine Schuldunfähigkeit steht bereits nach einem Verhandlungstag der Schwurgerichtskammer so gut wie fest. Seit gut 25 Jahren ist der Mann aus Eritrea in Behandlung – seine psychische Krankheit, erheblicher Verfolgungswahn, rührt offenbar auch aus dem Bürgerkrieg in seinem ostafrikanischen Heimatland.

Aber auch die Hauseigentümerin am Parlamentsplatz im Ostend hatte wohl psychische Probleme, die Anfang vergangenen Jahres einen Klinikaufenthalt erforderlich machten. Im Krankenhaus lernte sie den 60-Jährigen kennen, eine Beziehung entstand. Wie es dann aber zu dem Desaster in der Wohnung der Frau kam, blieb am ersten Verhandlungstag noch im Dunkeln. Die Geschädigte – zwei Armbrüche, ein Beinbruch, Lungendurchstich und erhebliche Kopfverletzungen – soll erst am kommenden Dienstag angehört werden.

Stattdessen ging es zunächst um zahlreiche Hausbewohner, die das lautstarke und zuweilen recht bedrohlich klingende Tohuwabohu auf dem Balkon des Opfers mitbekommen hatten. Der Mann war offenbar bereits in der Wohnung zudringlich geworden und hatte die Frau ins Freie gedrängt. Dort schlug und trat er sie unter anderem mit einem schweren Massagegerät und einem Blumenkübel aus Ton. Schließlich kam auch noch ein Messer zum Einsatz, das zu der Lungenverletzung führte. „Der bringt mich um“, hallte es in den Innenhof, und zahlreiche Nachbarn wählten besorgt die Notrufnummern. Die Frau kam ins Krankenhaus und der Täter in die Psychiatrie.

Von dort erhielt das Gericht gestern zunächst die Botschaft: Der Beschuldigte sei in hohem Maße „fremdgefährlich“ und müsse auch während der Verhandlung gefesselt bleiben. Zum Anklagevorwurf machte der Mann nur verworrene Angaben. Mal behauptete er, die Frau überhaupt nicht zu kennen, dann bestritt er die Tat. Schließlich machte er überhaupt keine Angaben mehr.

Erkenntnisse über seinen psychischen Zustand brachte die Verlesung ärztlicher Berichte. Bereits 1991 schlug er einen behandelnden Nervenarzt mit einem Stuhlbein nieder und zertrümmerte dessen Nasenbein. Mehrere Wohnungseinrichtungen gingen zu Bruch. Seine Ehefrau sowie Familienangehörige wurden misshandelt. Auch diesmal hat die Staatsanwaltschaft einen Antrag auf einen Verbleib in der Psychiatrie gestellt. Das entsprechende Gutachten soll während der fünf geplanten Prozesstage in das Verfahren eingeführt werden. (ge)

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