Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Laufsport - Alles rund um den Mainova Frankfurt Marathon ... Frankfurt am Main 21°C

Wegen Mordversuchs vor Gericht: 62-Jährige drosselt Ehemann mit Schal

Von Unter dem Vorwurf des Mordversuchs hat sich seit gestern zum zweiten Mal eine heute 62 Jahre alte Frau aus Hausen vor dem Landgericht zu verantworten. Mitte 2015 hatte sie schon einmal auf der Anklagebank gesessen.
Foto: dpa
Frankfurt. 

Die Tat in der gemeinsamen Wohnung in Hausen liegt bereits mehr als vier Jahre zurück. Anfang Januar 2013 kam es dort zu einem größeren Tohuwabohu, nachdem der 67 Jahre alte Mann tot im Schlafzimmer aufgefunden worden war und kurze Zeit später etliche Bekannte und Hausbewohner in die Wohnung strömten. Todesursache war ein zuvor erlittener Herzinfarkt des aufgrund einer Beinamputation an den Rollstuhl gefesselten Mannes.

Die nähere Untersuchung der Leiche brachte aber noch ein anderes interessantes Detail ans Tageslicht. Am Hals entdeckten die Mediziner Spuren einer Drosselung mit einem Schal. Mehrere Monate nach der Überführung der Leiche in die Türkei beschäftigte die Sache deshalb noch immer die Polizei, die die bislang völlig unbeteiligte Frau ins Visier nahm. Eine telefonische Überwachung brachte schließlich Hinweise darauf, dass der Mann trotz seiner gesundheitlichen Handicaps ein rechter Tyrann von Frau und Kindern gewesen sein muss. Quasi aus dem Rollstuhl heraus misshandelte er die Frau, beschimpfte und beleidigte sie.

Auch an seinem Todestag gab es in der Wohnung noch reichlich Theater: Der Sohn wurde hinausgeworfen, weil er mit mehreren Freunden feiern wollte. Ein Motiv für eine Tötung hatte die Frau, meinten die Polizeibeamten und später auch die Staatsanwälte, die eine Anklage wegen versuchten Mordes gegen die Frau erstellte.

Der mehrtägige Prozess führte denn auch zur Verurteilung der des Lesens und Schreibens unkundigen Frau – allerdings lediglich wegen Totschlagversuchs. „Arg- und wehrlos“, wie es die Heimtückeregelung im Mordparagraf vorschreibt, könne ein Bewusstloser im rechtlichen Sinne nicht sein, befanden die Richter damals. Strafmildernd kam neben den ungünstigen Lebensumständen innerhalb der von Streit und Gewalt geprägten Beziehung auch die Tablettensucht der Angeklagten in Betracht.

Bei der Durchsuchung der Wohnung stellte sich heraus, dass nicht nur der schwerkranke Ehemann ein ganzes Arsenal unterschiedlichster Medikamente zur Verfügung hatte. Auch die Frau schluckt noch heute täglich 13 verschiedene Mittel, wobei sie die Frage des Richters, ob sie wisse, was denn dies alles so sei, mit einem einfachen „Nein“ beantwortete. Für die Frage der Schuld- und Steuerungsfähigkeit spielt dies jedenfalls eine herausragende Rolle. Ein weiterer Aspekt ist ein möglicher „Rücktritt vom versuchten Totschlag“.

Der Bundesgerichtshof hatte bei der Aufhebung des ersten Urteils vor allem die nicht ausreichende Prüfung dieses Gesichtspunktes kritisiert. Hatte die Frau vielleicht mit der Drosselung begonnen, von sich aus damit aber wieder aufgehört? Sie selbst allerdings will mit der Sache überhaupt nichts zu tun haben. Am späten Vormittag des Tattages sei sie erst in das Zimmer des Ehemannes gekommen, nachdem sie einen Schlag gehört habe. Der Mann habe daraufhin leblos auf dem Boden gelegen.

Für den Prozess hat das Gericht sieben Fortsetzungstermine bestimmt.

Zur Startseite Mehr aus Frankfurt

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse