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Gedenken: 96 neue Stolpersteine wider das Vergessen

Von Über 1000 gibt es schon, jetzt kommen 96 dazu: Stolpersteine. Sie erinnern an die Schicksale von Frankfurter Bürgern, die Opfer des Nationalsozialismus wurden. Eine der Ermordeten war die Jüdin Rosette Goldschmidt aus Eschersheim.
Gunter Demnig ist von heute an drei Tage in Frankfurt und verlegt im Stadtgebiet 96 neue Stolpersteine. Foto: Knapp Gunter Demnig ist von heute an drei Tage in Frankfurt und verlegt im Stadtgebiet 96 neue Stolpersteine.
Frankfurt. 

Es sind kleine, quadratische Steine, die wenige Millimeter aus dem Boden ragen und längst vergessene Schicksale wieder ins Bewusstsein rücken: die Stolpersteine. Seit dem Jahr 2003 verlegt der Künstler Gunter Demnig diese auch in Frankfurt, über 1260 Steine stolpert man mittlerweile auf den Gehwegen, verteilt über die ganze Stadt. Sie erinnern an die Menschen, die Opfer des Nationalsozialismus wurden.

96 neue Steine kommen am heutigen Donnerstag, 17. Mai, Freitag, 18. Mai, und Samstag, 19. Mai, hinzu. Zu den Verlegungen reisen rund 50 Nachkommen und Angehörige der Opfer eigens an den Main. Sie kommen außer aus Deutschland auch aus Australien, England, Kanada, Schweden, Slowakei, Spanien und den USA.

Finanziert werden die Stolpersteine, auf deren Oberseite eine Messingplatte mit den Namen und Daten der Menschen verankert ist, durch Patenschaften. 120 Euro kostet ein Stolperstein. Eine dieser Patenschaften übernimmt die Initiative „L(i)ebenswertes Eschersheim“: Für den Stolperstein für Rosette Goldschmidt vor dem Haus in der Hügelstraße 144.

Dort an der Ecke Hügelstraße/Fontanestraße steht seit 1911 ein Gebäudekomplex mit Ein- und Zwei-Zimmerwohnungen, bewohnt werden sie von bedürftigen Rentnern. Damals wie heute. Gegründet wurde das Damenstift von der „Freiherrlich Wilhelm Carl von Rotschild’schen Stiftung“ mit „preisgünstigen, abgeschlossenen Kleinwohnungen für jüdische wie nichtjüdische minderbegüterte Frauen oder Mädchen des Mittelstandes“.

Eine dieser Bewohnerinnen war die Jüdin Rosette Goldschmidt, ledig und in Frankfurt geboren. Bei Nachforschungen zu dem Gebäude in der Hügelstraße stieß die Eschersheimer Initiative auf ihre Geschichte oder besser gesagt ihr Schicksal.

Denn am 18. August 1942 wurde sie von den Nationalsozialisten erst nach Theresienstadt und am 23. September schließlich in das deutsche Vernichtungslager Treblinka deportiert und starb dort. Wann, das weiß niemand.

Geschichte erforscht

Ohnehin ist die Geschichte der Frankfurterin, auf die die Initiative stieß, als sie Nachforschungen über das Gebäude anstellte, dessen Bibliothek sie regelmäßig für Arbeitstreffen und Veranstaltungen nutzt, nur wenig erforscht. Trotzdem bewegte sie die Mitglieder so sehr, dass sie beschlossen, ihr einen Stolperstein zu stiften.

Am 10. April 1868 wurde Rosette Goldschmidt geboren, irgendwann entschied sie sich in das Damenstift zu ziehen. Dort feierte sie 1938 ihren 70. Geburtstag. Darüber berichtete damals das Jüdische Gemeindeblatt für Frankfurt. Ein Jahr später, am 30. April 1939, wurde das „Gesetz über Mietverhältnisse mit Juden“ erlassen, dass die räumliche Trennung von Juden und Nicht-Juden forcierte.

Davon betroffen war auch das Damenstift in der Hügelstraße, Rosette Goldschmidt und die anderen Juden mussten ausziehen.

Umzug ins Judenhaus

Umziehen musste die Frankfurterin daraufhin in das Jüdische Altersheim in der „Niedenau 25“ – damals bekannt als Judenhaus – im Westend, von wo aus sie vier Monate später deportiert wurde. Zusammen mit anderen Bewohnern, insgesamt wurden 57 Personen, die in diesem Altersheim lebten, Opfer des Holocaust.

Verlegt wird der Stolperstein für Rosette Goldschmidt am Samstag, 19. Mai, um 10 Uhr vor der Hügelstraße 144. Im Anschluss besteht die Möglichkeit, sich über alle in Eschersheim verlegten Stolpersteine und die dahinterstehenden Schicksale zu informieren.

Termine und Informationen

Alle Termine zur Verlegung der Stolpersteine sowie Infos zu den Opfern des Holocausts gibt es auf der Internetseite www.stolpersteine-frankfurt.de.

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