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Ärger ums Sossenheimer Unterfeld

Von Die strengen Bestimmung des Landschaftsschutzes sorgen am Sossenheimer Unterfeld für Zoff. Die Stadt macht nun Ernst: 60 Gärtner und auch der Hundesportverein müssen ihre Grundstücke aufgeben. Ein Obstbauer zieht jetzt vor den Europäischen Gerichtshof.
Will sein Gelände mit Obstbäumen am Sossenheimer Unterfeld weiterhin einzäunen dürfen: Jürgen Kremser.	Foto: Maik Reuß Will sein Gelände mit Obstbäumen am Sossenheimer Unterfeld weiterhin einzäunen dürfen: Jürgen Kremser. Foto: Maik Reuß
Sossenheim. 

Er wolle nur sein Eigentum schützen, mit einem Zaun das Obst seiner Bäume vor Langfingern bewahren. Doch das darf Jürgen Kremser nicht. Die Bestimmungen des Landschaftsschutzes verbieten, dass er seine Grundstücke im Sossenheimer Unterfeld einzäunt. Kremsers Obstwiesen liegen im Frankfurter Grüngürtel – mitten in der sogenannten Schutzzone II. Willkürlich sei die Zoneneinteilung, meint Kremser, der Landschaftsplan Sossenheim-Nied zudem ohne Zustimmung des Ortsbeirates auf den Weg gebracht. Seit 1993 kämpft Kremser nun mit allen Mitteln gegen die Einteilung der Schutzzonen. Bis vor den Europäischen Gerichtshof (EuGH) war er gezogen – vergeblich. Doch noch hat er nicht aufgegeben: Kremser strebt eine erneute Klage am EuGH an – eine Grundrechtsklage.

Mit anwaltlicher Hilfe hat der 65-jährige Sossenheimer bislang vergeblich versucht, die Auswirkungen des Landschaftsplanes abzuwenden. Der liegt in seiner ursprünglichen Fassung seit 1993 vor und hatte auch im Ortsbeirat 6 für Zündstoff gesorgt. "Es gab viele Beschwerden aus der Ortspolitik.", bestätigt Klaus Hoppe, stellvertretender Leiter des Umweltamtes. Tatsächlich hatte der Ortsbeirat schon vor Jahren auf die willkürliche Einteilung und die negativen Folgen für die Grundstücksbesitzer oder auch Nutzer hingewiesen.

Übungsplatz seit 1964

Doch die Stadt macht nun Ernst. Betroffen davon ist auch der Hundesportverein HHH (Hovaward Hundesportverein-Hessen) mit seinem Übungsplatz. Seit 1964 wird die Fläche am Niddawehr für den Hundesport genutzt, zunächst vom Vorgängerverein RZV, seit 1976 vom HHH – verpachtet von der Stadt Frankfurt und mit ausdrücklicher Genehmigung, die Grundstücke als "Hundedressurplatz zu benutzen", heißt es im Gestattungsvertrag. Doch nun muss der Verein umziehen.

Das Umweltamt begründet den Schritt mit den strengen Bestimmungen für die Schutzzonen, mit illegaler Nutzung, verbotenen Aufbauten, aber auch mit den Hundesportlern, die in Scharen mit ihren Autos durchs Unterfeld zum Hundeplatz fahren. Das sieht der Stadtverordnete Uwe Serke (CDU) aus Sossenheim anders. Er kenne das Gebiet, fahre die Strecke oft mit dem Fahrrad. "Von zahlreichen störenden Autos kann keine Rede sein", betont Uwe Serke und spricht von einem "Alibi-Argument" der Stadt.

Verein vor Auflösung

Dennoch soll der Hundesportverein nun bis zum 30. April das Gelände endgültig und vollständig geräumt haben. Wie es mit dem Verein weitergehen soll, weiß die Vereinsvorsitzende Rita Dernbecher nicht. "So wie es aussieht, wird sich der Verein wohl auflösen müssen", befürchtet sie. Zwar hatte die Stadt dem Verein Ersatzflächen angeboten, doch die beschreiben sowohl Dernbecher als auch Serke als "ungeeignet". Notwendige und aufwendige Vorarbeiten am Gelände, zu hohe Pachtzinsen und die hohen Kosten für den Umzug würden den Verein finanziell ruinieren.

"Aus meiner Sicht müsste sich die Stadt an den Kosten beteiligen und den Verein solange im Unterfeld dulden, bis eine tragbare Lösung gefunden ist", meint Serke. Das Umweltamt dagegen sieht sich bereits am Ende der Geduld angelangt. Mit Nachdruck und "systematisch", wie Hoppe erklärt, werden derzeit in Sossenheim und in Schwanheim die Schutzzonen II angegangen. Betroffen sind 88 Gärten in Schwanheim und 60 in Sossenheim.

Für die Mitarbeiter des Umweltamtes sei es ein "undankbares Geschäft", sagt Hoppe. Mit zeitlich befristeten Abräumverträgen versucht das Amt, die Pächter von der Aufgabe der Gärten zu überzeugen. Zudem werden Ersatzflächen, oder aber zumindest die Aufnahme in eine Warteliste bis Ersatz bereit steht, angeboten.

Nicht betroffen sind dagegen die Flächen der Kleingartenvereine. Ihre Existenz wurde durch den entsprechenden Eintrag im Bebauungsplan gesichert. Wieder andere Nutzer können sich auf ehemals erteilte Genehmigungen und damit auf den Bestandsschutz berufen. "Es gilt eben, jeden Fall einzeln zu prüfen.", erklärt Hoppe. Doch diese Einzelfallbetrachtung will Hobbyobstbauer Kremser ebenfalls auf den Prüfstand bringen. "Wieso wurden einzelne Grundstücke aus der Schutzzone herausgenommen? Wieso haben manche Pächter oder Eigentümer eine Sondergenehmigung erhalten, andere wiederum nicht?", fragt sich Kremser. "Die Zuordnung zur Schutzzone I bedeutet für mich einen massiven Wertverlust meiner Flächen." Er fordert die komplette Ausweisung des Unterfelds in die Schutzzone I. Als letzte Hoffnung bleibe ihm nun eine Grundrechtsklage vor dem EuGH. "Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich", heißt es in Artikel drei. Das will Kremser nun klären lassen.

Thema im Ortsbeirat

Eine mögliche letzte Chance erhoffen sich auch die Hundesportler durch eine Fusion mit dem Hundesportverein VPS Schwanheim. Doch noch ist nicht klar, was die Schwanheimer Mitglieder dazu sagen werden. Auch die Stadtteilpolitiker wollen sich nicht auf die unsichere Fusion verlassen. So steht während der nächsten Sitzung des Ortsbeirats 6 ein Antrag von Susanne Ronneburg (CDU) zur Abstimmung, in dem sich die Christdemokratin für den Verein starkmacht. Sie fordert, dass die Stadt bei der weiteren Suche nach Ersatzflächen hilft, oder dem Verein mehr Zeit gibt, eine Lösung zu finden.

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