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Zweirad für Ausstellung: Abgefahren: Alte Mofas als Kunst

Von Normalerweise arbeitet Felix Titzka mit den Berufschülern, die er ans Handwerk heranführt, in der Lernwerkstatt des Vereins Ursprung in Seckbach. Für zwei Monate zogen sie nun in den Frankfurter Kunstverein um, wo der Künstler Eric van Hove eine „offene Werkstatt einrichtete.
Felix Titzka vom Verein Ursprung (l.) und Abdul legen letzte Hand an das alte Mofa an. Knochen, Leder, Messing und Holz haben sie schon verbaut. Foto: Holger Menzel Felix Titzka vom Verein Ursprung (l.) und Abdul legen letzte Hand an das alte Mofa an. Knochen, Leder, Messing und Holz haben sie schon verbaut.
Seckbach. 

Mit einer Stahlbürste entfernt Batuhan (18) auch die letzten Schmutzreste von einem kleinen Mofa-Vergaser, passt dann anschließend schon einmal den winzigen Motor in den frisch lackierten Rahmen der 20 Jahre alten Peugeot 103 ein. Grasgrün ist das ab Werk einst knallrot gelieferte Gefährt nun. Auch das Vorderrad haben die Schüler der Wilhelm-Merton-Schule schon wieder eingebaut. Abdul-Basit (19) montiert den neuen Gepäckträger, ein echtes Unikat: Er hat ihn aus kleinen Knochenstücken gestaltet, zusammen mit Künstlern aus Marokko.

Am 11. November hat Felix Titzka vom Seckbacher Verein Ursprung mit drei Schülergruppen begonnen, an dem alten Peugeot-Mofa zu arbeiten. Am Donnerstag muss es fertig sein. Dann wird sie für einen Tag Teil der Ausstellung des belgisch-algerischen Konzeptkünstlers Eric von Hove beim Frankfurter Kunstverein sein.

Werkstatt verlegt

Nimmt man es genau, ist schon der Bau des Mofas ein Teil der Schau. Zum einem, weil auch Eric van Hove und seine marokkanischen Handwerker zwei alte Peugeot 103-Mofas zu einzigartigen, glänzenden Kunstwerken umgestalteten. Zum anderen hat Titzka die wöchentliche Arbeit mit den Jugendlichen aus seiner Werkstatt in der Borsigallee in den ersten Stock des Kunstvereins verlegt.

Vom 11. bis 20. November war Eric van Hove mit seinem Atelier aus dem marokkanischen Marrakesch zum Aufbau seiner ersten Ausstellung in Frankfurt in die Räume des Kunstvereins am Römerberg, Markt 44, umgezogen, erklärt Steffi Spiegelhalder vom Kunstverein. Mitgebracht hatte er jene zehn, hochspezialisierten Kunsthandwerker und Mechaniker, die sonst in Marrakesch mit ihm zusammen arbeiten. Auch eine Werkstatt hat van Hove im ersten Stock des Kunstvereins eingerichtet, die neben dem Verein Ursprung drei weitere Gruppen aus Frankfurt und Wiesbaden nutzen.

Dass die Wilhelm-Merton-Schüler dabei eine alte Peugeot 103 nach dem Vorbild Eric van Hoves selbst umgestalten, kommt nicht von ungefähr. Sie besuchen Intea-Klassen, Intensivklassen, in denen sie in zwei Jahren nicht nur Deutsch lernen, sondern eine Berufsvorbereitung für Seiteneinsteiger bekommen. Dazu gehört, dass sie an einem Tag pro Woche beim Verein Ursprung ihre handwerklichen Fähigkeiten erkunden. Dort bearbeiten sie Holz oder schrauben an alten Fahrrädern, Mofas oder Autos herum.

Zur Ausstellung mit Werken Eric van Hoves gehören auch die beiden erwähnten Peugeot 103, aus denen der Künstler und seine Handwerker zwei Prototypen für Elektro-Mofas bauten, Mahjouba I. und II. „Als ich die beiden Kunstwerke sah, musste ich gleich daran denken, dass mein erstes Mofa auch eine Peugeot 103 war. Und schon war die Idee geboren: Wir bauen auch ein solches Mofa um, nach dem Vorbild Van Hoves“, sagt Titzka.

Viele Teile selbst gebaut

Ganz so innovativ wie die Elektro-Fahrzeuge made in Marokko ist das „Ursprung“-Modell der Berufsschüler nicht: Die einfache Technik bleibt – auch dank einer Spende des Peugeot-Konzerns – erhalten. Aber viele Messing- und Weißblech-Teile haben die Schüler selbst neu gestaltet und sie mit marokkanischen Holzhämmern zurechtgedängelt. „Der Gashebel besteht aus Zedernholz und duftet nach Orangen“, erklärt Abdul-Basit.

Und dann fängt Titzka an zu erzählen, er kommt geradezu ins Schwärmen, als er vom Besuch von Eric von Hove und seinem Handwerker-Team in Frankfurt erzählt. „Der Typ ist echt cool, total genial. Und seine Handwerker haben’s echt drauf.“ Maschinenteile, ja sogar einen Caterpilar- und einen Mercedes-Motor haben sie aus Holz, Kuhknochen, Neusilber, Stahl, Gummi, Schrauben und weiteren Materialien nachgebaut. Felix Titzka geht nach oben, zeigt jenen alten Mercedes, mit dem van Hove und sein Team von Marrakesch nach Frankfurt fuhren. „Die Türen sind alle anders, weil sie aus Taxis verschiedener Städte stammen, die alle eine andere Farbe haben.“

Auch dass die Handwerker sich quasi zu Paten der Schüler machten, im Team mit ihnen Holz und Metall bearbeiteten, beeindruckt Titzka. „Das Projekt hier im Kunstverein ist ein schöner Abschluss des Semesters, das in dieser Woche endet. Ein tolles Erlebnis sei es für die Schüler, die im Museum noch einmal konzentrierter an die Arbeit gingen. „Und zum Lohn ist ihre Peugeot auch am Donnerstag von 17 bis 19 Uhr als Teil der van-Hove-Ausstellung zu sehnen.“

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