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Abschied: "Adieu für immer, lieber Ferry"

Von Im Alter von 93 Jahren ist am vorvergangenen Mittwoch der Künstler Ferry Ahrlé verstorben. Am Freitag wurde er auf dem Hauptfriedhof beigesetzt.
Beim letzten Geleit für den Frankfurter Künstler Ferry Ahrlé regnete es gestern in Strömen. Bilder > Foto: Bernd Kammerer (Presse- und Wirtschaftsdienst) Beim letzten Geleit für den Frankfurter Künstler Ferry Ahrlé regnete es gestern in Strömen.
Frankfurt. 

Von draußen prasselt der Regen gegen das Dach der Trauerhalle des Hauptfriedhofs. Im Inneren erheben sich weit mehr als hundert Trauergäste und applaudieren. Stehende Ovationen für einen ganz großen Frankfurter: Der Maler, Schauspieler und Autor Ferry Ahrlé ist am vergangenen Mittwoch im Alter von 93 Jahren gestorben. Gestern wurde er auf dem Hauptfriedhof beigesetzt.

Familie, Freunde und Bekannte begleiteten Ahrlé auf seinem letzten Weg. Unter ihnen der Stadtälteste Ernst Gerhardt, Börsenfachmann Frank Lehmann, Travestie-Künstler Bäppi la Belle. Zuvor sprachen Pfarrer Georg Köhler und Professor Rüdiger von Rosen, der Gründungspräsident des Lions-Clubs am Leonhardsbrunn, dessen Mitglied Ahrlé war, sowie Professor Claus Helmer, Direktor des Rémond-Theaters und der Komödie.

Weil er gesundheitlich angeschlagen war, konnte Frankfurts ehemaliger Kulturdezernent Hilmar Hoffmann nicht selbst sprechen. So ließ er seine Rede von Edda Rössler, Ahrlés langjähriger Agentin und guter Freundin, verlesen. Er sei „zutiefst erschüttert“ gewesen, als er die Nachricht vom Tod dieses „großen Künstlers und herzensguten Menschen“ erhielt, schrieb Hoffmann. Die Stadt habe sich mit ihm geschmückt und ihn geschmückt – unter anderem mit der Ehren- sowie mit der Goethe-Plakette. „Wir haben dich bewundert und geliebt. Besonders dein alter Freund und Kupferstecher Hilmar“, las Rössler.

In seiner Trauerrede erzählte Pfarrer Georg Köhler davon, wie Ahrlé ihn mal gebeten habe, „nicht so eine komische Trauerfeier“ zu machen. „,Das passt nicht zu mir’, sagte er mir damals“, erinnert sich der Pfarrer. So sollte der Abschied von Ahrlé eher eine „Lebensfeier“ sein. Schließlich habe der Künstler gerne gelebt und das Leben gefeiert. „Es brannte in ihm wie ein Feuer. Er brannte, ohne zu verbrennen. Denn zu seinem Schutz hatte er seinen Engel, seine Sigrid zur Seite“, so Pfarrer Georg Köhler, der darauf hinwies, wie wichtig es Ferry Ahrlé gewesen war, „seine Sigrid und viele Freunde um sich zu haben“.

In seiner Ansprache ließ er das Bild eines Mannes entstehen, der in seinem Leben aus dem vollen geschöpft habe. Auch sein Dahinscheiden sei typisch für ihn gewesen. „Er hat getan, was zu ihm passte. Hat den letzten Schritt über die Schwelle ganz schnell hinter sich gebracht“, so der Pfarrer.

„Ohne dich hätte er dieses großartige Leben nicht haben können“, wandte sich Rüdiger Freiherr von Rosen an Ferry Ahrlés Frau Sigrid, mit der er 50 Jahre verheiratet war. „Du hast ihm Leben geschenkt“, sagte von Rosen. „Ferry blieb immer Ferry, auch wenn er die großen dieser Welt zeichnete“, so von Rosen weiter. Er porträtierte Theater-legenden wie Gustaf Gründgens, Paul Wegener oder Klaus Maria Brandauer, er malte die Schell und die Knef, Peter Ustinov, Carl Zuckmayer, den Geigenvirtuosen Yehudi Menuhin, die Dirigenten Georg Solti, Pierre Boulez, Kent Nagano.

So vielseitig wie er selbst, so vielseitig ist sein Œuvre: Etwa 4 000 Porträts malte er. Dazu Ölgemälde, Tusche- oder Rötelzeichnungen und Aquarelle. In den 50er Jahren schuf er Filmplakate zu Fellini, Bergmann, Buñuel, Truffaut und Polanski. Außerdem schuf er Werke wie den Zyklus „Gemalte Musik“.

Auch im Fernsehen hinterließ er Spuren, schrieb für seine Serien wie „Da sind sie wieder“ Drehbücher, trat selbst in diversen Rollen auf. Legendär wurde die TV-Serie „Sehr ähnlich, wer soll’s denn sein?“, in der er sich mit berühmten Menschen unterhielt und sie dabei zeichnete. Dafür erhielt er 1980 den „Golden Award“ in New York. 2014 erschien seine Biografie „Jahre wie Tage“ – mit einem Vorwort Hilmar Hoffmanns. .„Er besaß Bodenhaftung und konnte über sich selbst lachen, das machte ihn aus“, wusste von Rosen zu sagen.

„Wenn es Gott gibt, dann wird er sich um einen solchen Menschen wie dich kümmern. Wie ich dich kenne, hast du ihn sicher schon portraitiert“, sagte Claus Helmer. „Und du hast auch sicher schon einen Stammtisch auf Wolke sieben eingerichtet“, so Helmer weiter. Ahrlés irdischer Stammtisch war übrigens im „Adler“. „Es gibt im Leben nicht wirklich viele Freunde, du warst für mich der beste.“ Der letzte Vorhang habe sich nun über Ferry Ahrlé gesenkt, so Theatermann Helmer, der sich mit den Worten „Adieu für immer, Ferry“ verabschiedete und um stehenden Applaus für seinen Freund bat.

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