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Gastro-Kolumne: Ahoi: Restaurantschiff „Backschaft“ gut zu entern

An Bord: Marko Söhnke (li.), Patric Dresbach und Gunnar Ohlenschläger auf ihrem Restaurantschiff „Backschaft“. Foto: Christian Christes An Bord: Marko Söhnke (li.), Patric Dresbach und Gunnar Ohlenschläger auf ihrem Restaurantschiff „Backschaft“.

Landratten mit knurrendem Magen können seit Kurzem die „Backschaft“ entern. Auf diesen Namen hat Gunnar Ohlenschläger sein Restaurantschiff getauft, mit dem er im November am Offenbacher Mainufer vor Anker gegangen ist. Die Neueröffnung liegt wenige 100 Meter von der Carl-Ulrich-Brücke entfernt und grenzt an einen großen Parkplatz. Den fahrbaren Untersatz am besten dort abstellen und dann in Richtung des leuchtenden Schriftzugs laufen. Am Liegeplatz folgt ein kurzer Gang über die Planke, die natürlich nicht ins Wasser, sondern aufs Schiff führt.

Hinter der Schiebetür wartet DJ Marco Sönke: „Er hat die Rolle unseres Hosts übernommen und verteilt die Gäste an die Tische auf oder unter Deck“, so Ohlenschläger. Ein Job, der etwas Geschick erfordere, denn die „Backschaft“ sei in den vergangenen Wochen quasi überrannt worden. War also nichts mit der geplanten Soft-Opening-Phase...

Ein solcher Ansturm ist allerdings kein Wunder, denn das schwimmende Restaurant kann sich wirklich sehen lassen. Bevor es sich in die „Backschaft“ verwandelte, fungierte das Fahrgastschiff als Partydampfer in Gelsenkirchen. Um es wieder flott zu machen, brachte Ohlenschläger seinen Neuerwerb auf eine Duisburger Werft. „Das Schiff stammt zwar von 1904, war aber in gutem Zustand. Zu Kaisers Zeiten hat man eben noch ordentlich gebaut.“ In Offenbach angekommen, waren weitere Reparaturen, etwa an den Schiebefenstern aus alten Eisenbahnwaggons, und die Inneneinrichtung an der Reihe. Das gestalterische Konzept stammt von Sönke und Ohlenschläger. Sie holten sich jedoch professionelle Hilfe, und zwar von „Arthur Z“ – bekannten Innenausbauern, die Gastro-Projekte wie das „Vai Vai“ in Frankfurt und das „Morleos“ in Offenbach mit umgesetzt haben.

Für die „Backschaft“ fertigten sie etwa die Holztische an. „Wir wollten viel Holz und auch Messing“, erzählt Ohlenschläger. „Es sollte kein modernes Designerschiff werden, sondern so viel wie möglich von seinem einstigen Charme zurückerhalten.“ Im Restaurant ist ihm das mit Parkettboden, Holzmöbeln und Edison-Lampen gelungen. In der Bar eine Etage tiefer bildet die auf Hochglanz polierte Messingtheke das Herzstück. Dahinter mixt Patrick Schneider einen fruchtig schmeckenden „Mainkai-Punch“ (9,50 Euro), der frisch eingetroffene Gäste schnell auf Raumtemperatur bringt, bevor sie es sich ein Stockwerk höher gemütlich machen.

In der Obhut von Restaurantleiter Patrick Scheib können sie entweder die Aussicht auf das Wasser genießen – oder auf die offene Kombüse. Hier gibt Patric Dresbach das Kommando an. Seine Ausbildung hat er im Vorstandskasino von Degussa absolviert, danach wechselte er ins Sterne-Restaurant „Français“ im Frankfurter Hof. Während der vergangenen sieben Jahre leitete er das Küchenteam von FPS Catering. „In dieser Zeit war ich für 1000 Essen am Tag verantwortlich. Ich habe 25 Mitarbeiter geführt und kaum noch gekocht. Doch das ist meine Leidenschaft.“ Weshalb er als Smutje auf der „Backschaft“ angeheuert hat, die übrigens kein Gourmetdampfer sein soll. Dresbach steht für eine gehobene, aber nicht abgehobene Küche, wenn möglich aus regionalen Produkten, etwa von „Kräuter Huber“ aus Frankfurt-Oberrad.

Die zweimal im Monat überarbeitete Speisekarte bietet ein Drei- und ein Vier-Gänge-Menü für 46 und 51 Euro. Die Gäste können aber auch à la Carte bestellen, etwa eine sehr aromatische und leicht süßliche Maronensuppe mit Waldpilzen und Crostini (8 Euro). Oder eine fein gewürzte Royal, respektive Tarte mit Blattspinat, Kartoffeln, Eiern und Höhlenkäse sowie Pastinakenpüree, -chips und -sprossen (13 Euro). Einwandfrei ist auch das cremig gerührte Graupen-Risotto, serviert mit gebratenem Rosenkohl, aromatischem Bronzefenchel und confierter Birne (13 Euro). Hinter dem Backfisch (20 Euro) verbirgt sich saftiger Kabeljau, von Rieslingteig umhüllt und auf Bamberger Hörnchen thronend. Durch Wildkräuter erhält das Gericht die noch fehlende frische Note. So ein leckerer Backfisch passt wunderbar zur ambitionierten Küche der „Backschaft“.

Bleibt nur noch die Frage, was es mit dem Namen des Schiffes auf sich hat. „Er kommt aus der Seemannssprache“, so Ohlenschläger, „und bezeichnet ursprünglich den an einem Tisch sitzenden Mannschaftsteil auf Handels- oder Marineschiffen.“

 

Backschaft

Offenbach, Mainstraße/Parkplatz Messe/Mainufer, www.backschaft-offenbach.de, Öffnungszeiten: Di–Sa 17.30–24 Uhr Restaurant, Di–Do 19–1, Fr/Sa 19–2 Uhr Bar, Sitzplätze: 40 Restaurant/30 Bar/Terrasse folgt im Sommer, Küche: international.

 

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