E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Frankfurt am Main 30°C

Bunte Party und nachdenkliche Töne: Aktionstag in der Innenstadt gegen sexuelle Ausgrenzung

Das Bündnis Akzeptanz und Vielfalt organisierte gestern zum zweiten Mal einen Aktionstag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transphobie an der Hauptwache. Bei einer Kranzniederlegung am „Frankfurter Engel“ wurde den Opfern der Verfolgung Homosexueller gedacht.
René (links) und Daniel gestern am Frankfurter Engel, dem Mahnmal für die Verfolgung von Homosexuellen Foto: RR René (links) und Daniel gestern am Frankfurter Engel, dem Mahnmal für die Verfolgung von Homosexuellen
Frankfurt. 

Danielle Lichére bezeichnet sich selbst als „Queer“. Der englische Begriff bezeichnet alles, was von der Norm abweicht. „Ich möchte mich nicht in eine binäre Geschlechterrolle von weiblich und männlich einordnen“, sagt Lichére, die im Standesamt noch als Frau eingetragen ist. Genau das wolle sie aber ändern lassen: Die „dritte Option“ (neben weiblich und männlich) war eines der vielen Themen beim gestrigen Aktionstag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transphobie (IDAHOBIT) an der Hauptwache.

„Dieser Tag schafft Aufmerksamkeit für eine Problemlage, die in der Gesellschaft viel zu oft nicht gesehen wird“, meint Lichére. „Schwul“ gelte auf Schulhöfen immer noch als Schimpfwort. Deshalb ist die Queer auch so froh, dass sich insgesamt 80 Organisationen am Internationalen Aktionstag IDAHOBIT in Frankfurt beteiligen.

Bei der bunten Party sind auch Rene und Daniel von der Rainbow-Crew der Frankfurter Aids-Hilfe dabei. Sie haben sich knallbunt geschminkt, um für Vielfalt zu werben. „Beim ersten Aktionstag im vergangenen Jahr war es nur ein Stand, jetzt ist die Hauptwache gut gefüllt“, freut sich Daniel. Oliver Henrich von der Aids-Hilfe ging von mehr als 700 Besuchern aus. „Aber das ist schlecht zu sagen, weil es ja eine Info-Veranstaltung mit ständigem Durchlauf ist.“

Keine Wiedergutmachung

Neben der bunten Party gab es auch eine Kranzniederlegung mit nachdenklichen Tönen am „Frankfurter Engel“, dem 1994 errichteten Mahnmal für die Verfolgung Homosexueller. Staatssekretär Kai Klose, Bevollmächtigter für Integration und Antidiskriminierung der hessischen Landesregierung, erinnerte daran, dass das Nazi-Unrecht gegen Schwule auch nicht durch die Alliierten und die junge Bundesregierung aufgehoben wurde. „Die meisten Opfer haben Zeit ihres Lebens keine Wiedergutmachung erhalten“, bedauerte Klose. Der 17. Mai sei vor allem ein Tag der Solidarität und des Respekts für Lesben, Schwule, bi- und transsexuelle Menschen. „Hessen ist vielfältig“, betonte Klose und rief zum Eintreten für gleiche Rechte auf, auch wenn Europa nach rechts rücke: „Wir sind stärker, aber wir müssen wieder lauter werden als alle, die Hass schüren.“

Sylvia Weber, Dezernentin für Integration und Bildung der Stadt, freute sich, dass aktuell eine Woche lang die Regenbogen-Fahne auf dem Römerberg hängt: „Das ist ein Zeichen der Stadt.“ Die Ehe für alle im vergangenen Jahr sei ein großer Erfolg, aber es gebe noch weitere Ziele, wie den dritten Status für Trans-Personen. Die Identität des Menschen sei nicht verhandelbar. Behörden sollten deshalb auch keine Gesundheitsgutachten fordern dürfen, wenn Menschen sich weder als Mann, noch als Frau sehen.

Gegen Hass vorgehen

Beatrix Baumann von den Grünen stellte sich selbst als lesbische Feministin vor, denn: „Es ist wieder wichtig, als Einzelperson seine sexuelle Orientierung sichtbar zu machen.“ Auch Matthias Block-Löwer, hessischer Landesvorsitzender der Lesben und Schwulen in der Union (LSU), rief dazu auf, konsequent gegen alle Formen von Hass und Gewalt gegen Minderheiten vorzugehen.

In einer Podiumsdiskussion ging es unter anderem um die Frage, wie in die Geschlechtlichkeit von jungen Menschen eingegriffen werden darf. „Es gibt das Verbot, dass Eltern ihre Kinder sterilisieren lassen, genauso sollte es verboten sein, kleine Kinder schon früh eindeutig weiblich oder männlich umoperieren zu lassen“, verwies die Juristin Friederike Boll auf einen Aspekt der politischen Diskussion.

Zur Startseite Mehr aus Frankfurt

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen