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Tagung: Aktivisten mobilisieren gegen "Ehe für alle"

Das konservative Aktionsbündnis „Demo für alle“ lädt für den 20. Januar zu einer Frankfurter Tagung gegen die Öffnung der Ehe ein. Gegen die Veranstaltung formiert sich Protest von Gruppen, die für sexuelle Akzeptanz und Vielfalt werben.
Bei einer „Demo für alle“ in Wiesbaden gingen diese Menschen im Oktober 2016 gegen den hessischen „Lehrplan Sexualerziehung“ auf die Straße. Auf  Schildern standen Slogans wie „Indoktrination stoppen!“ Foto: Boris Roessler (dpa) Bei einer „Demo für alle“ in Wiesbaden gingen diese Menschen im Oktober 2016 gegen den hessischen „Lehrplan Sexualerziehung“ auf die Straße. Auf Schildern standen Slogans wie „Indoktrination stoppen!“
Frankfurt. 

Den Ort für sein Symposium in Frankfurt will das konservative Aktionsbündnis „Demo für alle“ erst wenige Tage vor dem 20. Januar mitteilen, allerdings nur angemeldeten und bestätigten Teilnehmern. Der Grund für dieses Vorgehen ist einfach: Die Aktivistin Hedwig von Beverfoerde und ihre Mitstreiter haben schlechte Erfahrungen mit Gegendemonstranten gemacht. Wenn sie in der Vergangenheit eine Kundgebung oder Podiumsveranstaltung machten, um sich für die klassische Ehe und Familie und gegen die „Gender-Ideologie“ und Sexualisierung von Kindern auszusprechen, waren stets Protestierende zur Stelle, die die Veranstaltungen zu verhindern und zu stören versuchten. Die Polizei musste mitunter mit größerem Aufgebot aktiv werden, um für die „Demo“-Aktivisten und -Teilnehmer das Recht auf Versammlungsfreiheit und freie Meinungsäußerung zu gewährleisten.

Das wird wohl auch am 20. Januar so werden. Für diesen Samstag, 11 bis 18 Uhr, kündigt das Bündnis „Demo für alle“ in Frankfurt ein Symposium mit dem Titel „Öffnung der Ehe – Folgen für alle“ an. Das Bündnis schreibt in einer Ankündigung, dass die Öffnung der Ehe am 30. Juni 2017 „verfassungsrechtlich äußerst umstritten“ sei und „fatale Entwicklungen“ nach sich ziehe. „Deshalb setzen wir uns mit aller Kraft für eine Normenkontrollklage gegen das Ehe-Öffnungsgesetz vor dem Bundesverfassungsgericht ein“, schreibt von Beverfoerde. Bei dem „Symposium mit Experten“ würden „die Ehe-Öffnung und deren gravierende Folgen für Kinder, Frauen und Gesellschaft“ beleuchtet.

Das Spektrum der Redner soll vom Rechtswissenschaftler Professor Jörg Benedict von der Universität Rostock bis zur Buchautorin Birgit Kelle („Gender-Gaga“) reichen. Die Vorträge tragen Titel wie „,Ehe für alle‘ – stiller Verfassungswandel oder offener Verfassungsbruch?“ oder „Leihmutterschaft: Wie Menschenhandel wieder salonfähig gemacht wird“.

„Sexistische Einstellung“

Die Mobilisierung für den Protest gegen das Symposium ist bereits angelaufen: Das „Bündnis für Akzeptanz und Vielfalt Frankfurt“ bescheinigt der „Demo für alle“ im Internet eine rechts-konservative, homophobe, transphobe, interphobe und sexistische Einstellung. „So einer Einstellung muss, vor allem in einer so vielfältigen Stadt wie Frankfurt, die Stirn geboten werden“, heißt es in einem Aufruf. Das „Bündnis für Akzeptanz und Vielfalt“ kündigt für den Tag des Symposiums eine „Demo der Vielfalt und Liebe“ an der Hauptwache und außerdem ein Bühnenprogramm und „Aktionen der Solidarität und Liebe“ an. Das Bündnis bedauert, dass die Geheimhaltung des Symposiumsorts die Planungen für eine Gegendemo erschwere. Bei kurzfristigem Bekanntwerden sei aber „ein spontaner Demolauf“ möglich. Die Gegenveranstaltung werde „von einer breiten Gruppe bestehend aus den unterschiedlichsten LGBTIQ*-Organisationen Frankfurts“ getragen. Die Großbuchstaben stehen für ein breites Spektrum möglicher sexueller Orientierungen und Identitäten.

Bislang eine Anmeldung

Bis gestern war beim Frankfurter Ordnungsamt eine Kundgebung der Aids-Hilfe Frankfurt angemeldet worden. Unter dem Motto „Liebe kennt keine Grenzen. Hass sollte sie kennen!“ sei für 11 bis 16 Uhr eine Veranstaltung mit 100 bis 200 Personen an der Hauptwache angekündigt, berichtete Behördensprecher Ralph Rohr auf Nachfrage dieser Zeitung.

Gegner der „Demo für alle“ bezeichnen deren Aktivisten auf Twitter mitunter als „Schwulenhasser“, ein Nutzer des Kurznachrichtendiensts ruft martialisch dazu auf, die Tagung zu einem „zweiten Stalingrad“ zu machen.

Die „Demo für alle“ bezeichnet sich als Aktionsbündnis verschiedener Familienorganisationen, politischer Vereine, engagierter Einzelpersonen und Initiativen aus ganz Deutschland. „Wir treten ein für Ehe und Familie, auf die unsere Gesellschaft seit Jahrtausenden gründet, und wenden uns gegen die alles durchdringenden Umerziehungsversuche gut organisierter Lobbygruppen und Ideologen.“

(chc)

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