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Alles bleibt in Familienhand

Von Die Preungesheimer Metzgerei Martus ist noch eine echter Familienbetrieb. Und wird es auch bleiben, denn Sohn Patrick hat jetzt das Sagen.
Vater Peter Martus will seinem Sohn Patrick auch künftig in der Familien-Metzgerei mit Rat und Tat zur Seite stehen.	Foto: Christes Vater Peter Martus will seinem Sohn Patrick auch künftig in der Familien-Metzgerei mit Rat und Tat zur Seite stehen. Foto: Christes
Preungesheim. 

Es ist schon etwas anderes, jetzt, da Patrick Martus (26) selbst die Zügel in der Hand hält. „Bislang konnte ich immer sagen, der Vater unterschreibt, der ist der Chef. Aber jetzt setzte ich meine Unterschrift selbst unter jeden Vertrag, wenn ich etwas für den Betrieb einkaufe.“ Lieferanten wollen bezahlt werden, Mitarbeiter ihre Löhne haben, die Qualität in der Produktion muss stimmen. Eineinhalb Jahre ist es her, dass Patrick Martus seine Meisterprüfung als Metzger bestand, am 1. August übernahm er nun in dritter Generation die Metzgerei seiner Eltern in der Homburger Landstraße 114.

Auch seine ersten schlaflosen Nächte habe er schon gehabt, sagt Patrick Martus. „Die hatte bislang nur meine Frau Emmi, die im Geschäft und der Produktion verantwortlich war“, ergänzt Vater Peter Martus. Auch wenn der Sohn das elterliche Geschäft gut kennt, der Übergang fließend war: „Mich überrascht die Fülle an Aufgaben, die man als Selbständiger hat, immer wieder.“ Alleine die Unterlagen für die Übertragung des Betriebs von den Eltern auf den Sohn zusammen zu bekommen, sei mit viel Aufwand verbunden.

Mit dem neuen Chef ändert sich einiges in der Preungesheimer Metzgerei. „Als Patrick nach der Meisterprüfung hier einstieg, hat er erst einmal die Theke umgeräumt“, erinnert sich Peter Martus. Er habe auch das ein oder andere neue Produkt eingeführt. „Leider habe ich dafür inzwischen immer weniger Zeit“, bedauert Patrick Martus. Aber der Großteil des Sortiments sei gleich geblieben. „Ich bin froh, dass ich auf die Erfahrung unserer beiden Gesellen zurückgreifen kann, was Qualität und Geschmack angeht.“

Wie empfindlich die Kundschaft auf geschmackliche Veränderungen reagiere, habe er gemerkt, als die Köchin in Rente ging. „Beim Mittagsmenü mussten wir ihrem jungen Nachfolger – der ein guter Koch ist – erst beibringen, wie er so kocht, dass unsere Stammkunden es mögen.“ Eine Verjüngung gab es auch im Verkaufsteam, das nun zwischen 23 und 27 Jahre alt ist.

Partyservice

Die größte Veränderung ist, dass Patrick Martus vor einem Jahr einen Partyservice aufbaute. „Wir machen Buffets mit warmen Speisen und Fingerfood.“ Neben klassischen Platten gibt es auch raffinierte, edel dekorierte Kleinigkeiten. Dabei wird alles selbst frisch produziert. 20 bis 200 Personen können so verköstigt werden.

Für ihn sei schon lange klar gewesen, dass er den elterlichen Betrieb irgendwann übernehme, sagt Patrick Martus. „Auch wenn mein Vater immer skeptisch war. Als ich zur Kochausbildung in Österreich war, hat er wohl gedacht, ich finde dort etwas, was mich mehr interessiert.“ Nach dem Abitur, einem Jahr in Australien, der Metzgerausbildung in Fulda und der Kochausbildung in Tirol zog es ihn wieder nach Frankfurt. „Spätestens als ich den Meisterlehrgang begann, war endgültig klar, dass ich den Betrieb übernehme.“ Inzwischen sitzt er sogar selbst in der Meisterprüfungskommission der Innung.

Mit der Übergabe des Betriebs an ihren Sohn ist für Emmi (57) und Peter Martus (56) das Berufsleben noch nicht abgeschlossen. „Ich muss noch acht Jahre arbeiten bis zur Rente“, sagt Peter Martus. Er und seine Frau sind also auch weiterhin in der Metzgerei anzutreffen – wenn auch etwas seltener. „Bislang haben wir sechs Tage pro Woche gearbeitet. Künftig wollen wir einen zusätzlichen Tag freinehmen. Um spazieren zu gehen, uns um den Garten zu kümmern, einfach mal die Seele baumeln zu lassen.“

Die Arbeitstage von Sohn Patrick sind dafür länger geworden, meist arbeitet er elf Stunden am Tag und mehr. „Schon die Angebote für den Partyservice zu berechnen und zu schreiben, ist aufwendig. Wir haben ja noch wenig Erfahrung, etwa in der Preiskalkulation“, sagt Patrick Martus. Zurzeit beliefert die Metzgerei übergangsweise auch die Ferienbetreuung der Liesel-Oestreicher-Schule und die benachbarte Kita mit Essen, bis dort ein neuer Caterer gefunden wurde.

Umbau

Auch hinter den Kulissen tut sich viel. „Seit Februar haben wir die kompletten Kühlhäuser erneuert und eine neue Heizung mit Wärmerückgewinnung aus der Kühltechnik eingebaut, auch das Abwassersystem ist neu“, so der neue Chef. Auf dem Nachbarhaus steht nun außerdem eine Solaranlage. „Wir bereiten uns so auf die Zukunft vor, das spart Energie und Geld.“ Doch zunächst einmal kosten die Umbauten – im Sommer 2015 wird auch das Ladengeschäft umgebaut – viel Geld. „Mein Vater muss mich da manchmal etwas ausbremsen.“ Peter Martus nickt. „Patrick wollte sich gerne einen tollen Druckkochtopf für 20 000 Euro kaufen. Mit dem habe ich früher schon geliebäugelt. Aber wir haben ausgerechnet, wie viele Gläser Wurst wir produzieren müssten, um den zu finanzieren – und haben uns dagegen entschieden.“

Trotz der vielen zusätzlichen Arbeit – die neue Aufgabe macht ihm Spaß, sagt Patrick Martus. „Das liegt auch daran, dass Patrick von uns nichts anderes kennt als selbständig zu sein“, vermutet sein Vater. Statt Angst vor der Verantwortung zu haben, packt er einfach an. Und die Eltern stehen ihm immer noch mit Rat und Tat zur Seite.

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