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Ausstellung: Als Frauen gegen Nazis aufstanden

Von Dass nicht nur Männer, sondern zahlreiche Frauen in der Zeit des Nationalsozialismus Widerstand gegen das menschenverachtende Regime leisteten, zeigt eine Ausstellung in der Zentralbibliothek der Stadtbücherei. Vorgestellt werden 18 Biografien und ihre vielfältigen Formen des Widerstands – vom nächtlichen Stempeln der Parole „Nieder mit Hitler“ bis zur Fluchthilfe ins rettende Exil.
Dieses Foto zeigt Gretel Maraldo (hinten, Mitte), damals 18-jährig, im Kreise ihrer Familie. Bilder > Foto: Holger Menzel Dieses Foto zeigt Gretel Maraldo (hinten, Mitte), damals 18-jährig, im Kreise ihrer Familie.
Frankfurt. 

Selbstbewusst blickt die junge Frau in die Kamera. Ihr Mund lächelt, ihr in Locken gelegtes, blondes Haar umrahmt das jugendliche Gesicht. Es ist das Porträt von Gretel Maraldo, einer jungen Frau, die in der Zeit des Nationalsozialismus Widerstand leistete gegen das menschenverachtende NS-Regime – und dies mit ihrem Leben bezahlte. Die Offenbacherin wurde am 24. März 1945 durch die Nazis ermordet. Zusammen mit 17 weiteren Insassen des Bensheimer Gestapogefängnisses sollte sie auf dem Kirchberg der Stadt hingerichtet werden. Bei dem Versuch zu fliehen wurde sie erschossen. Zu diesem Zeitpunkt stand ihr 22. Geburtstag kurz bevor.

Am 27. März 1945, nur drei Tage später, wurde Bensheim durch den Einmarsch der US-amerikanischen Soldaten von dem NS-Terror befreit. Ganze drei Tage fehlten Gretel Maraldo zur Freiheit. „Nichts war vergeblich – Frauen im Widerstand gegen den Nationalsozialismus“ heißt die Ausstellung in der Zentralbibliothek der Stadtbücherei, in der 18 Frauen vorgestellt werden, die im Nationalsozialismus nicht einfach mit der Masse mitgingen und nicht ihre Augen vor den schrecklichen Dingen, die passierten, verschlossen. Zu den bekannteren Biografien der Ausstellung zählen die von Erika Mann, der Tochter von Thomas Mann, die von Fotografin Gerda Taro oder der Künstlerin Lotte Laserstein.

Erinnerung bewahren

Die Präsentation erinnert an alle Frauen, die wie Gretel Maraldo in der Zeit zwischen 1933 und 1945 Widerstand leisteten – und zwar auf ganz unterschiedliche Art. Konzipiert und erarbeitet wurde die Ausstellung vom Studienkreis Deutscher Widerstand 1933 – 1945, der sich seit seiner Gründung im Jahr 1967 in Frankfurt mit der Aufarbeitung des Themas beschäftigt und über ein großes Dokumentationsarchiv verfügt. Nicht nur die Aufarbeitung und Bewahrung von Dokumenten des Widerstandes gegen den Nationalsozialismus sind ein großer und wichtiger Teil seiner Arbeit. Er widmet sich auch dem Erforschen sowie der Wahrnehmung des Themas in der Öffentlichkeit.

Gut zwei Jahre haben die Vorbereitungen für die Ausstellung gedauert. „Wir möchten aufzeigen, dass nicht nur Männer Widerstand leisteten“, sagt Cora Mohr vom Vorstand des Studienkreises Deutscher Widerstand. Widerstand habe es auch nicht nur auf politischer Ebene gegeben. „Unter Widerstand ist jede Aktivität zu verstehen, die sich gegen das Nazi-Regime richtete“, betont sie weiter. Es habe viele Bereiche gegeben, in denen Frauen aktiv Widerstand geleistet haben. „Sie setzten sich für Menschen ein, leisteten beispielsweise Fluchthilfe, boten verfolgten Menschen Unterschlupf oder verteilten Flugblätter“, so Mohr weiter. „Uns hat vor allem auch interessiert, warum die Frauen Widerstand leisteten? Aber auch die Frage, wie wird Widerstand definiert und wo fängt er an?“

Frauen-Zuchthäuser, Gestapogefängnis, Konzentrationslager – für ihren Widerstand wurden die Frauen hart bestraft, viele überlebten dies nicht. In der Ausstellung werden in einer Vitrine auch Handarbeiten, Zeichnungen und kleine Spielzeuge ausgestellt. Sie wurden von den Frauen während ihrer Inhaftierungen angefertigt. Handarbeiten als Überlebensstrategie. Besonders beeindruckend sind ein Rosenkranz aus Brotkrumen und ein farbenfroher Schmetterling aus Stoff, der in einer Zeit voller Dunkelheit die Hoffnung auf eine bessere Welt zum Ausdruck bringt.

Wie sah Gretel Maraldos Widerstand aus? Im Alter von 21 Jahren, als sie bereits mit dem italienischen Fliesenleger Romano Maraldo verheiratet ist und einen Sohn hat, schließt sie sich in Offenbach der „Schlangenbande“ an – einer Gruppe junger Leute, die sich nicht dem NS-Drill unterordnen, sondern ihr Leben selbstbestimmt und frei gestalten wollten.

Verhört und misshandelt

Am 19. Januar 1944 wird Gretel Maraldo als „Mitglied einer Jugendbande“ festgenommen und kommt für sechs Monate in Untersuchungshaft ins Darmstädter Gefängnis. Nach ihrer Entlassung überlegt sie mit weiteren Mitgliedern der Gruppe, in die Schweiz in die Freiheit zu fliehen. Ein gefährliches Unterfangen, das schief geht. Anfang Januar 1945 geraten sie in die Kontrolle einer Wehrmachtsstreife, werden verhaftet und der Gestapo übergeben, wo sie verhört und misshandelt werden.

Gretel Maraldos Sohn Tito hat kaum oder nur ganz vage Erinnerungen an seine Mutter. Als sie ermordet wurde, war er gerade drei Jahre alt. Er steht in der Ausstellung vor der Tafel ihrer Biografie. Zusammen mit Cora Mohr und Gabriele Prein, ebenfalls vom Vorstand des Studienkreises, blickt der im Jahr 1942 geborene Sohn Gretels auf ein kleines Familienbild, das hierauf abgebildet ist. „Meine Mutter ist da noch 18 Jahre alt, und ich war noch nicht auf der Welt“, sagt er. „Bis zu meinem 20. Lebensjahr habe ich so gut wie nichts über meine Mutter gewusst“, erzählt Maraldo weiter. Zu sehen, dass in der Ausstellung an sie erinnert wird, erfülle ihn „mit Freude und Genugtuung“. In Bensheim ist seit 2010 ein selbstverwaltetes Jugendzentrum nach ihr benannt.

 

Die Ausstellung in der Zentralbibliothek, Hasengasse 4, läuft bis zum 13. Februar. Sie kann montags bis freitags von 11 bis 19 Uhr sowie samstags von 11 bis 16 Uhr besichtigt werden.

 

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