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Frankfurt historisch: Als die Frankfurter in Main und Nidda baden gingen

Von Bis in die 1960er Jahre liebten es die Frankfurter an heißen Sommertagen ein Bad im Fluss zu nehmen. Während sich im Main ein Badeschiff an das nächste reihte, wurde in der Nidda im Flussbad geplantscht. Heute erinnert kaum etwas an diese 150-jährige Tradition.
Einst Altarm, dann als Becken gefasst: Das Brentanobad in Rödelheim. Bilder > Einst Altarm, dann als Becken gefasst: Das Brentanobad in Rödelheim.
Frankfurt. 

Dieses Wochenende wird es warm, richtig warm. Bis zu 30 Grad, so die Prognosen des Deutschen Wetterdienstes in Offenbach. Da wird es wohl voll werden in den Frankfurter Freibädern, die heute ihre Tore öffnen. Wer einen guten Platz für sein Handtuch ergattern will, muss da am besten früh aufstehen.

Diese Gedanken mussten sich die Menschen bis vor 50 Jahren nicht machen. Sie kühlten sich mit einem Sprung in Main oder Nidda ab – bis zu 40 Flussbäder und Badeschiffe existierten dort in Spitzenzeiten. 1912 waren es nach Aufzeichnungen 13 solcher Badeanstalten – damit konnte die preußische Provinzstadt Frankfurt durchaus mit den größeren Städten des Reiches wie Berlin (14 Bäder) oder Köln mithalten.

Erfrischende Tradition

Während es am Main Badeschiffe den Sprung ins kühle Flusswasser ermöglichten, wurde sich an der Nidda im Flussbad erfrischt. 1926 wurde an 39 Stellen in Frankfurt offiziell im Fluss gebadet. Eine Tradition, die bis nach dem Zweiten Weltkrieg anhielt, genauer gesagt bis 1971, als das Eschersheimer Bad zum Beckenbad umgebaut wurde.

Bilderstrecke Frankfurt Historisch: So lebte es sich einst in der Mainmetropole
Wie haben die Frankfurter einst in ihrer Stadt gelebt? Viele Orte sind mittlerweile von der Bildfläche verschwunden. Wir haben in unserem Archiv gekramt und einige Erinnerungen zusammengetragen. Den Anfang macht die Badeanstalt Moser im Nizza. Dort konnte man früher im Sommer gut die Seele baumeln lassen.Das Familienbad am Nizza, 1937.Schwimmen im Main war einmal Normalität in Frankfurt. Hier eine Aufnahme von 1962.

„Ich habe in der Nidda schwimmen gelernt, irgendwann zwischen 1940 und 1942“, erinnert sich Dr. Armin Kroneisen, Vorsitzender des Heimat- und Geschichtsvereins Rödelheim, an die damalige Zeit. Gegenüber des „Brenner“, dem Strandbad im Brentanopark und heutigem Brentanobad, sprangen er und seine Freunde in die Nidda. Denn den Eintritt in das Bad von zehn Pfennig, konnten sich die Jungs nicht leisten.

Verbot umschwommen

Also warfen sie sich auf der anderen Seite des Flusses ins Wasser, dorthin gelangten sie „verbotenerweise über die Kuhlmannswiese“. Damit aber nicht genug. Denn die Kinder waren „richtige Lausbuben“, die schließlich doch einen Weg fanden, im Strandbad zu schwimmen.

„Auf der anderen Seite der Nidda saß immer ein Bademeister, der achtgegeben hat, dass keiner rüber schwimmt. Aber wir waren schlau: Einer von uns hat ihn abgelenkt, die anderen haben die Nidda überquert. So hatten wir doch noch kostenlosen Badespaß“, erzählt Kroneisen.

Besonders in Erinnerung geblieben ist ihm die Rutsche ins Kinderbecken – auf einem Brett mit Rollen fuhr man dort ins kühle Nass. „Das ergab eine Mords-Gischt und war ein Riesenspaß“ sagt er.

Sauber und klar sei die Nidda damals gewesen, problemlos habe man auf den Kiesboden schauen und die Fische beobachten können. Bei diesen Erzählungen ist es nicht verwunderlich, dass die Tradition des Flussbadens in Frankfurt bis ins Jahr 1800 zurückgeht. Zumindest im Main. In der Nidda in Heddernheim kühlten sich bereits die Römer ab. Das jahrhundertelange wilde Baden in der Nidda hatte allerdings Anfang des 20. Jahrhunderts ein Ende. Von nun an wurde offiziell im Fluss geplantscht. Auf Anordnung des Bürgermeisters durfte im Hausener Flussbad – einem eingezäunten Areal am Wehr – ab 1895 offiziell Schwimmunterricht erteilt werden, fünf Jahre später wurden Umkleiden gebaut und 1904 eröffnete dort die erste Nidda-Badeanstalt. Geöffnet war von sechs Uhr morgens bis zum Einbruch der Dunkelheit, der Eintritt kostete für Erwachsene 15 Pfennig, Kinder zahlten zehn Pfennig.

Nur mit Hose

Mit der Eingemeindung der nordwestlichen Stadtteile 1910 reglementierte die städtische Bade-Kommission das Baden in der Nidda. Dass ein Bad nicht länger als 45 Minuten dauern sollte und das Baden ohne Badehose unstatthaft sei, wurde in der öffentlichen Badeordnung festgehalten. Ab 1911 wurden auch die letzten, teils wilden Badeplätze an der Nidda zu städtisch subventionierten Freibädern mit kostenlosem Eintritt.

So gab es ein Bad in Praunheim, eines in Bonames oberhalb des Wehres, Rödelheim besaß oberhalb der Eisenbahnbrücke einen öffentlichen Badeplatz mit Sonnenbad.

Pferde am Wehr

Die Freibäder am Bubenloch in Heddernheim, dort wo die Römerbrücke die Nidda quert und das Bad in der Mühlgasse, der heutigen Endbornstraße, in Eschersheim waren Schulkindern vorbehalten. Einen öffentlichen Badeplatz in Eschersheim gab es ab 1920 am Wehr. Allerdings musste man damit rechnen, dass sich abends dort auch die Pferde der Bauern erfrischten.

Mit dem Ende der Badesaison 1927 schlossen die Nidda-Bäder für drei Jahre. So lange dauerte die Regulierung des Flusses, um die Hochwassergefahr zu senken. Bei der Wiedereröffnung der Bäder gab es allerdings technische Probleme. Statt mit Frischwasser füllten sich die Becken mit Schlamm – heute spricht man von der „Schlammschlacht an der Nidda“.

Nach dem Zweiten Weltkrieg sank das Interesse. Die Bevölkerung wünschte sich „Beckenbäder mit Wasseraufbereitung nach neuesten hygienischen Vorschriften“. Während alle anderen Flussbäder geschlossen wurden, wurde das Hausener Bad 1961, das Brentanobad 1966 und das Eschersheimer Bad 1971 zum Beckenbad umgebaut.

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