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Alt-Sachsenhausen im Portrait

Von Christine Fiebig, Lucia Makelis und Wite Voltmer-Fiebig haben sich über einen Zeitraum von einem Jahr künstlerisch dem Viertel Alt-Sachsenhausen angenähert. „Porträt Alt-Sachsenhausen“ heißt die Ausstellung, die hieraus entstanden ist und die morgen in der Klosterpresse eröffnet wird.
Lucia Makelis hat ihre Eindrücke von Alt-Sachsenhausen mit Pinsel und Kamera verarbeitet. Bilder > Foto: Michael Faust Lucia Makelis hat ihre Eindrücke von Alt-Sachsenhausen mit Pinsel und Kamera verarbeitet.
Sachsenhausen. 

Schon den Frankfurter Künstler Lino Salini (1899 – 1944) lockte es einst in die Apfelweinlokale in Alt-Sachsenhausen. Mit feiner Beobachtungsgabe skizzierte er dort die Menschen, die gemeinschaftlich den Ebbelwei tranken, Karten spielten oder in Gespräche vertieft waren. Salini hat bis heute seine Spuren im Viertel hinterlassen.

Typische Szenen

Christine Fiebig hat sich ebenfalls der Zeichnung verschrieben und verfügt über eine Beobachtungsfähigkeit, die mit jener von Salini vergleichbar ist. Mit wenigen Strichen fängt sie in ihren Zeichnungen für Alt-Sachsenhausen typische Szenen in den Apfelweinlokalen ein, skizziert markante Architektur und Plätze des Viertels wie den Paradiesplatz oder das Wahrzeichen aus der Klappergasse: die Figur der Frau Rauscher. Entstanden sind die Werke anlässlich eines Gemeinschaftsprojekts, das sie zusammen mit Lucia Makelis und Wite Voltmer-Fiebig realisierte.

Die Künstlerinnen kennen sich bereits seit vielen Jahren. „Portrait Alt-Sachsenhausen“ heißt nun die Ausstellung in der Klosterpresse in der Paradiesgasse 10, die den kreativen Schaffensprozess der drei Frankfurter Künstlerinnen dokumentiert und morgen um 19 Uhr eröffnet wird. Zur Eröffnung spricht der renommierte Stadtführer und Kunsthistoriker Christian Setzepfandt.

Jede der drei Künstlerinnen näherte sich über einen Zeitraum von einem Jahr dem Sachsenhäuser Traditionsviertel mit individueller Betrachtung und unterschiedlichen Techniken an. Wite Voltmer-Fiebig sieht auf Alt-Sachsenhausen mit dem Blick einer Fotografin, sucht vor allem nach den kleinen Details, die im Alltag ansonsten oftmals untergehen, stellt in ihren Bildern aber auch gegensätzliche Motive in einen Dialog, etwa Altes und Neues.

Lucia Makelis greift zum Pinsel und stellt malerisch die architektonischen Besonderheiten dar. Daneben greift auch sie zum Fotoapparat, hält hiermit unter anderem die zahlreichen Graffiti fest, die ebenfalls das Bild des Viertels prägen. Sie kombiniert die Fotos mit Stoff oder Buchrücken alter Bücher aus dem Insel-Verlag– so entstehen ihre Materialbilder, die sie als Serie angelegt hat. „Ich habe mich dem Viertel unter anderem auch durch Gespräche mit den Leuten genähert“, schildert Makelis. Zu Beginn sei sie Alt-Sachsenhausen eher kritisch gegenüber eingestellt gewesen. Durch das Projekt habe sie gemerkt, dass sich im Viertel einiges bewege, das eine positive Wirkung auf Alt-Sachsenhausen habe.

„Die Idee zu dem Projekt ist entstanden, als wir die Ausstellungsmöglichkeit in der Klosterpresse bekamen“, sagt Christine Fiebig. Die gebürtige Düsseldorferin, die seit langer Zeit in Frankfurt lebt, studierte Freie und Angewandte Kunst in Paris, Hannover und Kassel. Es sei den Frauen wichtig gewesen, ortsspezifisch zu arbeiten. „Mit der Ausstellung sollen sowohl Menschen, die hier leben oder arbeiten, als auch diejenigen angesprochen werden, die sich für das Viertel interessieren und es noch besser kennenlernen möchten“, erzählt sie weiter.

Gelegenheit dazu gibt es, denn die Präsentation ist nicht nur begrenzt auf die Räume der Klosterpresse. Auch an weiteren sechs Ausstellungsorten wie der Arthotek in der Klappergasse 12, dem Lorsbacher Thal in der Großen Rittergasse 49 oder dem Jazz Café in der Walter-Kolb-Straße 1 werden Werke der Künstlerinnen gezeigt.

„Wenn man die weiteren Ausstellungsorte besucht, kann man sich das Viertel erschließen“, beschreibt Fiebig die Idee, die dahintersteckt. Zusätzlich sind unter dem Motto „Stadtteilgeschichte trifft auf Kunst & Ebbelwei“ Führungen mit der Agentur Frankfurter Stadtevents geplant, die mit einer Ebbelwei-Verkostung im Apfelweinkontor in der Wallstraße enden werden.

Vielfältig des Viertels

„Alt-Sachsenhausen ist so vielfältig und kontrastreich“, schwärmt Fiebig. Sie räumt ein, dass auch sie das Viertel erst einmal für sich entdecken musste, obwohl sie nur unweit davon wohnt. „Gerade auch, weil wir es zu Dritt erkundet haben, kommt diese Vielfältigkeit und der Kontrastreichtum von Alt-Sachsenhausen in den entstanden Arbeiten zum Ausdruck“, sagt die Künstlerin.

Fiebig hat ihre Zeichnung auf braunes Papier gebracht, um den Charakter der traditionellen Apfelweinlokale noch stärker deutlich werden zu lassen. „Auf meiner Entdeckungstour habe ich das Leben in den Apfelweinkneipen kennengelernt und dabei entdeckt, dass es sehr kommunikativ ist“, sagt die Künstlerin. „Die Leute freuen sich, wollen angesprochen werden und man kommt leicht ins Gespräch.“ Diese Frankfurter Kultur sei etwas ganz Besonderes.

Die Ausstellung, zu der auch ein Katalog erscheint, läuft bis zum 3. Mai in der Klosterpresse und kann samstags und sonntags von 15 bis 18 Uhr sowie nach Vereinbarung besichtigt werden. Infos zu den Führungen unter www.frankfurter-stadtevents.de im Internet.

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