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Mainbogen: Altarmbau: Refugium an der Wasserstraße

Von Einen 700 Meter langen Altarm legt die Stadt im Süden des Fechenheimer Mainbogens an. Erste Vorarbeiten laufen bereits, der eigentliche Bau beginnt 2019. Das etwa vier Millionen Euro teure Projekt ist die Vorstufe für ein noch größeres: Die Reaktivierung eines Altarms, der einst quer durch den Mainbogen verlief.
Fechenheim. 

Die Wasserqualität des Mains habe sich zwar in den vergangenen Jahren deutlich verbessert, sagt Rainer Zimmermann vom Planungsteam des Umweltamts, aber „der ökologische Zustand könnte jedoch besser sein.“ Der Fluss ist offiziell eine Wasserstraße – und entsprechend wurde er einst auch ausgebaut, um ihm möglichst gut mit großen Schiffen befahren zu können: mit befestigten Ufern aus schweren Steinen. Kein guter Lebensraum für Tiere also, etwa für Fische zum Laichen – auch nicht im Fechenheimer Mainbogen.

An einigen Stellen aber, sagt Zimmermann, hat sich dort die Natur das Ufer bereits zurück erobert. Einige Steine der Befestigung haben sich gelöst, andere haben Pflanzen überwuchert. Und an fünf Stellen im Mainbogen hat die Stadt bereits Uferstreifen renaturiert, nahe der Carl-Ulrich-Brücke entstand im Auwald ein Teich.

700 Meter langer Altarm

Doch das Umweltamt will in Fechenheim mehr erreichen: Weil nur hier auf Stadtgebiet genug Platz dafür ist, soll ein großer, früherer Altarm, der quer durch den Mainbogen floss, für 15 Millionen Euro wieder hergestellt werden. Ein Großprojekt, das noch ganz am Anfang steht. Zur Zeit läuft ein Flurbereinigungsverfahren (wir berichteten), in dem die Grundstücke neu aufgeteilt werden.

Altwasser und Altarm entstehen 2019, der Leinpfad wird vom Ufer weg verlegt. Er dient als Baustraße, der Aushub wird per Schiff abtransportiert. Wie es aussehen soll, zeigt der bereits bestehende Teich an der Mainbrücke(Foto oben). Grafik/ Bild-Zoom
Altwasser und Altarm entstehen 2019, der Leinpfad wird vom Ufer weg verlegt. Er dient als Baustraße, der Aushub wird per Schiff abtransportiert. Wie es aussehen soll, zeigt der bereits bestehende Teich an der Mainbrücke(Foto oben). Grafik/

Das wird einige Jahre dauern. Deshalb startet die Stadt zunächst ein kleineres Projekt: Den Bau eines kleinen, 700 Meter langen, bis zu fünf Meter tiefen und 22 000 Quadratmeter großen Altarms tief im Süden des Mainbogens.

Erste Vorarbeiten wie Bodenuntersuchungen, Rodungen oder Kampfmittelsuche fanden bereits statt. Wann der eigentliche, rund vier Millionen Euro teure Bau von Altarm und Altwasser beginnt, steht noch nicht fest, sagt Zimmermann. Zur Zeit werde die Bau- und Finanzierungsvorlage mit anderen beteiligten Ämtern abgestimmt, dann das Bauprojekt ausgeschrieben und an ein Unternehmen vergeben. „Dazu müssen Mindestfristen eingehalten werden.“ Im späten Frühjahr 2019, so hofft Zimmermann, könne es dann losgehen.

Dann wird auch der Leinpfad – der Mainuferweg – zwischen dem Friedhof Fechenheim und der Starkenburger Straße gesperrt. Für Fußgänger wird eine Umleitung quer durch die Felder zur Starkenburger Straße und weiter zum Flussufer eingerichtet. Radfahrer werden durch die Schießhüttenstraße zur Starkenburger Straße und diese entlang zum Mainufer geführt.

Statt den gesamten Erdaushub – 100 000 Kubikmeter, rund 7500 Lastwagen voll – über Straßen abzutransportieren, entsteht an der Altarm-Baustelle ein provisorischer Schiffsanleger. Bevor die Schiffe beladen werden, müsse der Aushub aber trocknen, sagt Zimmermann. Dazu wird westlich der Baustelle ein Erdlager eingerichtet.

Auwald doppelt so groß

Nicht nur wird der Uferweg als Baustraße benötigt, er wird auf 1,2 Kilometer Länge auch landeinwärts verlegt (siehe Foto). So soll ein großes, von Spaziergängern und Anglern ungestörtes Biotop am Ufer entstehen: Mit einem Auwald, der doppelt so groß wird wie heute, besagten kleinem Altarm und einem Altwasser, einen 3600 Quadratmeter großen flussnahen Teich nördlich des Altarms. „Schon jetzt ist das Ufer eigentlich ein Landschaftsschutzgebiet. Trotzdem gehen viele Menschen durch die Büsche und hinterlassen ihren Müll. Das wollen wir unterbinden“, sagt Zimmermann.

Daher werden weder ein Pfad noch eine Brücke auf die schmale Maininsel führen, die zwischen dem Zu- und Abfluss des Altarms neu entsteht. Weil der Leinpfad vom Ufer weg gelegt wird, entfalle im Auwald außerdem die Verkehrssicherungspflicht entlang des Wegs: Alte Bäume können stehen bleiben, umfallen und so als Nahrung und Behausung für allerlei Tierarten dienen.

Die naturnahen, flachen Ufer aus Kies und Sand des Altarms seien wertvolle Laichgebiete und Lebensgebiet für Fische, Amphibien und andere Tiere, erklärt Zimmermann weiter. Hier fließe das Wasser langsam, in den beiden großen Buchten am Ende des Altarms steht es fast. Und trotzdem finde ein regelmäßiger Wasseraustausch mit dem Main statt.

Neuer Leinpfad

Weil der Main aufgestaut ist, bleibe der Wasserstand im Altarm ziemlich konstant, trocken fallen werde er ergo nicht. „Bei Hochwasser allerdings wird er überflutet“, sagt Zimmermann – ganz im Gegensatz zum neuen Leinpfad (siehe Grafik). Dieser liegt erhöht auf einem Damm und steht nur bei sehr hohem Mainpegel unter Wasser.

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