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Alter Schwede, da ist Musik drin

Seit fast 30 Jahren behauptet sich der deutsch-schwedische Chor "Swensk Ton" als einziger seiner Art im Rhein-Main-Gebiet. Auch, wenn kaum noch einer der Sänger aus Skandinavien kommt.
Nils Kjellströms (li.) benötigt Fingerspitzengefühl, denn auf sein Kommando hören 45 Sänger. So viele Musikfreunde kommen regelmäßig zu den Proben von "Swensk Ton". Der gebürtige Schwede hat den Chor gegründet und leitet ihn noch 30 Jahre später..	Foto: Martin Weis Nils Kjellströms (li.) benötigt Fingerspitzengefühl, denn auf sein Kommando hören 45 Sänger. So viele Musikfreunde kommen regelmäßig zu den Proben von "Swensk Ton". Der gebürtige Schwede hat den Chor gegründet und leitet ihn noch 30 Jahre später.. Foto: Martin Weis
Nordweststadt. 

Die kleine Stimmgabel steckt in Nils Kjellströms linker Hosentasche. Er holt sie hervor und bringt sie zum Klingen. Dann hält er sie sich an den Kopf. Das Prinzip des Knochenschalls: So hört der Chorleiter den Ton intensiver. Er hebt die Hand und der schmucklose Saal wird zur Kathedrale. "Herbei, o ihr Gläubigen" dringt aus 45 Kehlen; ein Weihnachtslied. Die Frauen und Männer des deutsch-schwedischen Chors "Swensk Ton" singen deutlich und kraftvoll. "Der Gesang", sagt Kjellström, "hat etwas Helles, etwas Leichtes. Das zeichnet schwedische Chormusik aus." Auch wenn es kaum noch Mitglieder gibt, die aus Skandinavien kommen.

Nils Kjellström stört das nicht. Er ist 68 Jahre alt, hat weiße Haare, einen hellblonden Bart und ein Lächeln, das beruhigend wirkt. Vor fast 30 Jahren hat der gebürtige Schwede "Swensk Ton" ins Leben gerufen. Aus Zufall: "Damals wollte unsere schwedische Gemeinde am Dornbusch eine kleine Gesangsvorführung für ein Jubiläum einstudieren", erzählt er. "Da ich ausgebildeter Kirchenmusiker bin, fragte man mich, ob ich dieses Unternehmen leiten möchte."

Mit acht Sängern gestartet

Er sagte zu. Der Chor startete mit acht Sängern, allesamt Schweden. Sie studierten Lieder ihrer Heimat ein und bekamen beim Jubiläumsauftritt viel Applaus. Als sie größere Probenräume in der Cantate-Domino-Gemeinde fanden, wurde "Swensk Ton" zum Selbstläufer. Kjellström bekam Verstärkung von Albrecht Bill und Andrea Ludewig, die mit ihm über den Arrangements brüten. Mittlerweile hat sich ein fester Kern gebildet, aber noch immer hat der Chor so viel Zulauf, dass der Vorstand einen Aufnahmestopp beschließen musste. "Nur Tenöre suchen wir noch. Die braucht man immer." Kjellström schmunzelt, seine hellen Augen werden noch schmaler.

"Swensk Ton" hat sich verändert. Kaum noch ein Mitglied hat seine Wurzeln im hohen Norden. "Hier sind eher Leute mit einer Schwäche für Skandinavien", erzählt die zweite Vorsitzende Carola Will. "Und Sänger, die die Herausforderung suchen. Wir proben drei Stunden pro Woche. Ohne Vorkenntnisse kommt man bei uns nur schwer mit."

Der Chor singt a cappella, ohne Instrumentalbegleitung. "Das ist eine gnadenlose Variante", sagt Kjellström. "Es gibt nichts, was falsche Töne überdeckt. Man hört jede Kleinigkeit." Ein Detail in der Organisation des Chors, das ambitionierte Hobbysänger anzieht. Genauso wie das Repertoire, das seinen Schwerpunkt in der Musik des 20. und 21 Jahrhunderts hat: Tango, Gospel, Kichenlieder. Auch Kompositionen von Nils Kjellström sind dabei.

Die schwedischen Waisen haben abgenommen. Aber geht so nicht die Grundidee von "Swensk Ton" verloren? Kjellström schüttelt den Kopf. "Ich achte auf einen bestimmten Klang: hell, transparent, wie er auch in meiner Heimat zu hören ist. Aber man muss auch mit der Zeit gehen, um einen Chor erfolgreich zu machen."

Durch die Republik touren

Und das ist "Swensk Ton". Jedes Jahr studieren die Sänger zwei Programme für ihre Sommer- und Winterkonzerte ein. Ihre Touren führen sie durch ganz Deutschland und sogar ins benachbarte Ausland. "Diese Erlebnisse sind immer etwas Besonderes für unseren Chor", erzählt Kjellström und strahlt in die Chorrunde. "Wir treffen uns ja meist nur montagabends, wenn alle abgekämpft von der Arbeit kommen. Auf den Touren rücken wir zusammen und erfreuen uns an unserer gemeinsamen Leidenschaft – der Musik."

Der Chor probt immer montags ab 19 Uhr in der Cantate-Domino-Gemeinde in der Ernst-Kahn-Straße 20. Das erste von drei Weihnachtskonzerten geben die Sänger am Samstag, 3. Dezember, um 20 Uhr in der Heiliggeistkirche des Dominikanerklosters in der Kurt-Schumacher-Straße. Weitere Termine stehen unter www.swenskton.de im Internet; dort kann man auch Karten reservieren.jro

(jro)
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