E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Frankfurt am Main 32°C

Pflanzenschutz: Am Flughafen wird kontrolliert und vieles wandert in den Müll

Sie wollen nach dem Thailand-Urlaub noch mal frische Mango zum Frühstück genießen oder einem Curry mit mitgebrachten Chili die Original-Schärfe verleihen. Doch Obst und Gemüse im Urlaubergepäck ist oft verboten. Dann wartet der Müllsack statt der Wok-Pfanne.
Pflanzenschutz-Inspektorin Daniela Karwani wirft Früchte und Gemüse, die ein Reisender aus Vietnam eingeführt hat, in den Müll. Foto: Frank Rumpenhorst (dpa) Pflanzenschutz-Inspektorin Daniela Karwani wirft Früchte und Gemüse, die ein Reisender aus Vietnam eingeführt hat, in den Müll.
Frankfurt. 

Die Styroporbox, die der vietnamesische Reisende bei der Ankunft in Frankfurt zwischen drei Koffern auf dem Gepäckwagen balanciert, erregt Elena Wiegands Aufmerksamkeit. Sie winkt den Mann, der nach seiner Ankunft aus Hanoi den grünen Zollausgang für freien Durchgang gewählt hat, zur Seite. „Da würde ich gerne mal reinsehen“, sagt die Zollbeamtin am Flughafen. Nachdem die Folie aufgeschnitten und der Deckel abgehoben ist, wird sie unter ein paar obenauf gepackten T-Shirts fündig: Nicht unverzollte Zigarettenstangen oder Alkoholflaschen hat der Mann im Gepäck, sondern mehrere Plastiktüten mit Mangos.

Der Vietnamese lächelt verlegen, als Wiegand die Früchte in einen Müllsack gibt. Genießen darf er die süßen Mitbringsel aus dem Heimatland nach der Rückkehr nach Deutschland nicht, auch wenn die Menge überschaubar und offensichtlich nur zum Eigenverzehr gedacht ist. Doch in diesem Fall geht es den Zollbeamten nicht um die Verhinderung von Schmuggel, sondern darum, die Einschleppung von Krankheitskeimen und Schädlingen wie etwa Fruchtfliegen zu verhindern.

Angst vor Schädlingen

Andreas Scharnhorst vom Pflanzenschutzdienst des Regierungspräsidiums Gießens und seine Kollegen stehen neben den Zöllnern, prüfen das bei Stichproben geöffnete Urlauber- und Reisegepäck. Ein anderer Passagier aus Vietnam hat den roten Zolleingang für Ankommende mit Zollwaren gewählt. „Ja, ich habe Kräuter mit“, sagt er und zeigt bereitwillig dicke Bündel Thaibasilikum und Zitronengras, eingewickelt in Zeitungspapier. Das Zitronengras darf er mitnehmen. „Es gab keine Anzeichen für Schädlingsbefall“, sagt Scharnhorst nach der sogenannten Pflanzenbeschau. Der Basilikum aber und eine große Tüte roter Chilischoten müssen in den Müllsack zu den Mangos des zuvor kontrollierten Mannes. Auch diesmal steht die Enttäuschung dem Mann aus Vietnam ins Gesicht geschrieben. Immerhin: Ein Bußgeld muss er nicht zahlen, denn er hatte sich mit den Pflanzen am Zoll gemeldet.

„Die meisten Funde machen wir bei Flügen aus Asien oder Südamerika“, sagt Scharnhorst. So mancher Urlauber möchte den Geschmack der Tropen noch ein Weile erhalten, wenn er schon die Sonne nicht mitnehmen kann. Oder in Deutschland lebende Vietnamesen oder Thailänder haben von wohlmeinenden Verwandten in der Heimat kulinarische Mitbringsel erhalten.

„Die sagen dann, das schmeckt nach Heimat, oder sind Sorten, die man in Deutschland gar nicht kaufen kann“, sagt Scharnhorst. Menschlich kann er das alles nachvollziehen, als Pflanzenschützer dagegen ist er eisern: „Anders als die Ware, die im Frachtbereich ankommt, stammen diese Früchte nicht aus kontrolliertem Anbau – die wurden auf lokalen Märkten gekauft oder kommen womöglich sogar aus dem Garten.“

Das klingt doch gut. Scharnhorst schüttelt den Kopf. „Die Wahrscheinlichkeit von Schädlingsbefall ist viel größer. Früchte, die für den Export bestimmt sind, werden schon beim Anbau regelmäßig kontrolliert.“ Streng blickt er auf die sichergestellten Tüten. „In so einer Frucht kann ein Dutzend Fruchtfliegen beziehungsweise ihre Larven sitzen!“

Schädlinge, die eingeschleppt werden, sich ohne natürliche Feinde rasend schnell vermehren und auf heimische Obst- oder Gemüsearten stürzen: Das ist das Schreckensszenario, das die Pflanzenschützer verhindern wollen. In Hessen ist das Regierungspräsidium Gießen landesweit für den Pflanzenschutz zuständig und kontrolliert daher nicht nur Gärtnereibetriebe und den Großmarkt, sondern auch am Flughafen.

Kerngeschäft Cargo

„Unser Kerngeschäft ist der Cargo-Bereich“, betont Hans-Jürgen Hess, der Dienststellenleiter für den Pflanzenschutz am Flughafen. Dort kommen die großen Mengen von Obst und Gemüse, aber auch Pflanzen an. Doch der professionelle Import kommt mit Frachtpapieren und dem vorgeschriebenen Pflanzengesundheitszeugnis.

Einen Unbedenklichkeitsnachweis für die Mango im Handgepäck dagegen hat in der Regel kein Reisender. „Wir hatten schon Maschinen, aus denen wir insgesamt 200 Kilogramm mitgebrachtes Obst beschlagnahmt haben.“ Hinzu kommen gerade bei Flügen aus Thailand Orchideen, die mancher Reisende als exotisches Mitbringsel in den Blumenläden am Flughafen kaufte. „Die bezahlen da noch für ein Zertifikat, dass die Pflanzengesundheit bescheinigt – und sind dann völlig überrascht, wenn sie bei der Ankunft erfahren, dass das überhaupt keine offizielle Bescheinigung ist und die Orchidee nicht eingeführt werden darf.“

Orchideen gehören neben Chilis, Mangos und Basilikum zu den häufigsten Pflanzen, die bei der Einreise am Frankfurter Flughafen sichergestellt werden. Das Gefühl, etwas Verbotenes zu tun, hat kaum einer der Reisenden. Viele seien nicht richtig über die Regeln informiert – und bei der Beschlagnahme von Obst oder Blumen dann entsprechend verärgert oder enttäuscht, so die Pflanzenschützer. Hier müsse die EU noch an ihrem Image feilen, sagt Scharnhorst. „So ziemlich jedem Reisenden ist klar, dass die USA, Australien oder Neuseeland strenge Regeln für die Einfuhr von Lebensmitteln haben. Dass es solche Regeln auch in der EU gibt, ist vielen Leuten nicht bewusst.“

Zur Startseite Mehr aus Frankfurt

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen