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Streit um Sommergarten: Amt will Lokal in der Berger Straße 60 Sitzplätze streichen

Von Die untere Berger Straße ist in Aufruhr. Auslöser ist ein Schreiben des Amtes für Straßenbau und Erschließung. Die Plätze im Sommergarten des „Ginkgo“ sollen rigoros gestrichen werden.
So groß soll der Sommergarten des „Ginkgo“ in der Berger Straße in der nächsten Saison nicht mehr sein. Das ärgert den Gastronomen Klaus Knopp (rechts) natürlich. Wenn nur noch zwölf anstatt 72 Plätze genehmigt werden, brechen die Einnahmen ein. Foto: Rainer Rueffer-- FRANKFURT AM MA So groß soll der Sommergarten des „Ginkgo“ in der Berger Straße in der nächsten Saison nicht mehr sein. Das ärgert den Gastronomen Klaus Knopp (rechts) natürlich. Wenn nur noch zwölf anstatt 72 Plätze genehmigt werden, brechen die Einnahmen ein.
Nordend. 

Alexandra Knopp versteht die Welt nicht mehr. Seit 23 Jahren betreibt sie mit ihrem Mann Klaus das „Ginkgo“ in der Berger Straße. Am 23. März bekamen die beiden Post vom Amt für Straßenbau und Erschließung. Darin heißt es, dass in der kommenden Saison im Sommergarten vor dem Lokal nur noch zwei Bänke stehen dürfen – bislang sind zwölf genehmigt. Statt wie bisher 72 Gäste hätten dann noch zwölf Platz.

„Bei schönem Wetter setzt sich doch keiner freiwillig nach drinnen, sondern geht woanders hin. Kommt das wirklich so, können wir das ,Ginkgo‘ gleich dicht machen“, sagt die Gastronomin. Denn ihr würde ein Großteil der Einnahmen wegbrechen. Allein mit den Einnahmen der 60 Sitzplätze im Lokal sowie den zwölf im Wirtschaftsgarten auf privatem Grund könnten die Miete und die Gehälter für die 13 fest angestellten Mitarbeiter sowie für die sechs Aushilfen nicht bezahlt werden.

Alles auf dem Prüfstand

Laut Alexandra Knopp sind auch andere Kneipen in der Straße betroffen. Bestätigen wollte das aber keiner der Betreiber. Michel van Goethem, Sprecher der Interessengemeinschaft „Gastronomie obere Berger Straße“, erklärte aber, dass auch Lokale im Bornheimer Teil der Berger Post vom Amt bekommen hätten – das „Dick & Doof“ und ein Thai-Restaurant. „Das kam wie aus dem Nichts. Alles wird jetzt erneut auf den Prüfstand gestellt“, bedauert van Goethem.

Er kennt die Situation des „Ginkgo“, weil er Gastroberater ist und die Knopps seine Kunden sind. Den Fall findet er extrem: „Statt 30 Quadratmeter stünden künftig nur noch etwa neun zur Verfügung.“ Die Ankündigung entbehrt seiner Meinung nach jeglicher Grundlage. Grundsätzlich müsse zwischen Hauswand und Sommergarten eine Durchgangsbreite von 1,50 Meter verbleiben. Beim „Gingko“ seien aber sogar 2,20 Meter Platz.

Gefährdung ausschließen

Das allein sei aber nicht Grundlage der Entscheidung gewesen, sagt Michaela Kraft, Leiterin des Amtes für Straßenbau und Erschließung. Dieses entscheidet über die Genehmigungen für den Betrieb von Sommergärten, die jedes Jahr neu beantragt werden muss. „Grundsätzlich sind wir Sommergärten positiv eingestellt“, betont sie. Doch auch die Verkehrssicherheit müsse gewährleistet sein. Die Bänke im „Ginkgo“ stünden jedoch nahe an der Berger Straße, so dass leicht etwas passieren könnte. „Was ist, wenn jemand aufsteht, auf die Straße springt und in ein Auto läuft“, fragt sie und gibt gleich die Antwort: „Dann wird womöglich die Stadt zur Verantwortung gezogen.“

Kein Anspruch auf Nutzung

Ein Sommergarten wird auf öffentlichen Verkehrsflächen wie Gehwegen oder Plätzen betrieben und muss genehmigt werden. So ist es im Leitfaden zur Beantragung und zum Betreiben von Wirtschafts-

clearing

Krafts Angaben zufolge seien ihre Mitarbeiter aktiv geworden, weil es Beschwerden gegeben habe – nicht speziell über die Situation vor dem „Ginkgo“, sondern generell in der unteren Berger Straße. Wie viele Briefe mit Beschränkungen für Gastronomen rausgegangen seien, konnte die Amtsleiterin gestern nicht sagen. Es seien aber einige verschickt worden. Deren Inhalt kennt Kraft nicht, weil sie bis Donnerstag Urlaub hatte.

Was van Goethem und Alexandra Knopp besonders sauer aufstößt, ist der Ton in besagtem Schreiben. Darin werde verkürzt dargestellt, dass man sich mit der vom Amt für 2018 genehmigten Zahl der Plätze zufrieden geben solle, andernfalls würde gar kein Sommergarten genehmigt. „Diese Friss-oder-Stirb-Mentalität geht überhaupt nicht“, sagt van Goethem. Kraft hingegen kennt diese Formulierung nicht. Nach Ansicht des Gastroberaters würden die Folgen der Sommergarten-Verkleinerung ohnehin nicht bedacht. „Die Konsequenz wird sein, dass einige Kneipenbetreiber raus müssen, weil sie die Miete nicht bezahlen können. Es kommt der nächste, dem es nach einem halben Jahr genauso geht. Was folgt, ist ein steter Wechsel. Das tut der Straße nicht gut.“

Treffen am runden Tisch

Der zuständige Ortsbeirat 3 (Nordend) hat in seiner jüngsten Sitzung am Donnerstag angekündigt, dass es am kommenden Dienstag einen runden Tisch mit Vertretern des Ortsbeirates, der Wirte und wohl auch des Straßenbauamtes geben wird. Dabei werde nach einer Einigung gesucht, am besten eine Begehung vereinbart, erklärte Ortsvorsteherin Karin Guder (Grüne). Sie wies aber zugleich darauf hin, dass es einige schwarze Schafe gebe. Im Fall des „Ginkgo“ sehe sie aber kein Problem.

Alexandra Knopp setzt große Hoffnungen auf eine Einigung am runden Tisch. Denn sie habe den Eindruck, man sei momentan auf dem besten Wege, ihr Lebenswerk zu zerstören.

Sollte es tatsächlich soweit kommen, ist der Ortsbeirat nicht ganz unschuldig. Im vergangenen November hatte das Gremium den Magistrat um Auskunft über die ausufernde Gastronomie in der unteren Berger Straße gebeten. „Seit Jahren ist zu beobachten, dass sich, vor allem in der warmen Jahreszeit, die Außengastronomie ausweitet. Nun mehren sich die Stimmen, die diese Entwicklung als störend empfinden. Wie will der Magistrat bestehende Auswüchse in der Außengastronomie auf den Gehwegen der Berger Straße verhindern?“, heißt es in der Vorlage. Beigefügt ist eine Liste mit zwölf gastronomischen Betrieben, die als kritisch beurteilt werden – darunter das „Ginkgo“.

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