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Bildungsstätte Anne Frank: Angebot für die Opfer rassistischer Gewalt

Die Bildungsstätte Anne Frank eröffnet mit „Response“ die erste hessenweite Beratungsstelle für Opfer von rechter und rassistischer Gewalt. Die Projektleiter hoffen, dass sich nun viele Betroffene melden, die bislang über ihre Erfahrungen schweigen.
Erläuterten das neue Angebot (von links): Olivia Sarma, Eva Berendsen und Reiner Becker, Leiter des Demokratiezentrums in Marburg. Foto: Rainer Rueffer-- FRANKFURT AM MA Erläuterten das neue Angebot (von links): Olivia Sarma, Eva Berendsen und Reiner Becker, Leiter des Demokratiezentrums in Marburg.

Frankfurt. Gegen den Flüchtlingsansturm werden Zäune gefordert, rigorose Abschiebungen, die AfD will sogar einen Schießbefehl an der Grenze. Rechte Parteien gehen mit der Behauptung hausieren, Flüchtlinge ließen die Kriminalitätsrate in Deutschland ansteigen. Auf die andere Seite der Medaille wird weniger geschaut. Im letzten Jahr beispielsweise hatten sich gerade rassistische Angriffe verfünffacht, auch in Hessen war ein massiver Anstieg zu verzeichnen, zum Beispiel bei den Attacken auf Flüchtlingsunterkünfte. Die Bildungsstätte Anne Frank hat daher nun mit „Response“ das erste hessenweit agierende Beratungsangebot für Opfer rassistischer und rechter Gewalt geschaffen. Unter Gewalt verstehen die Initiatoren Beleidigung und Beschimpfung, Stigmatisierung, Bedrohungen, Körperverletzung und Sachbeschädigungen.

Mitarbeiter von „Response“ oder des sogenannten Beratungsnetzwerks Hessen suchen dabei Betroffene auf und sprechen mit ihnen über ihre Erfahrungen mit Rassismus. Bei Bedarf wird auch eine psychosoziale Beratung vermittelt. „Es geht darum, dass die oft sehr stark verunsicherten Opfer möglichst schnell wieder in ihren Alltag zurückkehren können“, sagt Olivia Sarma, Leiterin von Response.

Juristische Hilfe

Über das Beratungsangebot wird den Opfern aber auch dabei geholfen, juristische Hilfe zu finden. Ihnen wird erklärt, wie sie Anzeigen gegen die Täter stellen, Anwälte finden, welche strafrechtlichen Möglichkeiten sie haben und wie sie finanzielle Hilfe für den Gang vor Gericht in Anspruch nehmen können. „Response“ kümmert sich in der Bildungsstätte Anne Frank an der Hansaallee 150 bereits um erste Fälle von rassistisch motivierter Körperverletzung und rassistischem Mobbing an Schulen. Sarma und ihre Kollegen stellen dabei immer wieder fest, dass die Bagatellisierung rechter Gewalt es Opfern erschwert, ihre Erfahrungen zu verarbeiten.

Um den Betroffenen zu helfen, stehen „Response“ derzeit immerhin anderthalb Stellen zur Verfügung. Als Teil des sogenannten Beratungsnetzwerks Hessen steht „Response“ darüber hinaus mit 28 Beratern in Kontakt. Seit dem Jahr 2007 widmen sich diese der Beratung von Opfern rassistischer Gewalt. 400 Beratungen wurden seitdem gezählt. Nicht jeder sucht eine Beratung auf. „Wir gehen davon aus, dass die Dunkelziffer der Opfer weitaus höher ist“, sagt Olivia Sarma. Diese erstatteten keine Anzeige oder wendeten sich aus Unkenntnis nicht an Hilfsangebote wie „Response“,

Viel Aufklärungsarbeit

Die Bildungsstätte Anne Frank kümmert sich aber nicht nur um Opfer, sondern versucht auch zu vermeiden, dass es weitere gibt. So bietet „Response“ seit letztem Jahr auch Schulen, Vereinen oder Kommunen Hilfe an, um Aufklärungsarbeit zu leisten. Olivia Sarma hofft, dass die nun hessenweite Vernetzung dazu führt, dass sich künftig mehr Opfer melden und sich trauen, über ihre Erfahrungen zu sprechen. Auf Bundesebene hat bereits ein Gesinnungswandel eingesetzt, der zeigt, dass die Politik auf den Anstieg rechter Gewalt reagiert. So förderten Bund und Land „Response“ im Jahr 2015 mit 100 000 Euro. Im laufenden Jahr soll jene Summe noch einmal verdoppelt werden. „Wir verstehen dies als Signal, dass der Problematik rechter und rassistischer Gewalt die dringend benötigte Aufmerksamkeit geschenkt wird“, sagt Olivia Sarma.

In Frankfurt halten sich rassistisch motivierte Übergriffe bislang in Grenzen. „In einem Fall wurde eine Schülerin wegen ihrer Hautfarbe gemobbt. In einem anderen Fall gab es einen Angriff auf eine Frau, die ein Kopftuch trug“, berichtet Sarma, die aber schätzt, dass es auch in Frankfurt viel mehr solcher Vorkommnisse gibt, die nicht gemeldet werden. Mit Hilfe von „Response“ soll sich dies nun ändern.

Informationen über das Beratungsangebot der Bildungsstätte Anne Frank sowie über das Beratungsnetzwerk Hessen erhalten Interessierte über die Internetseiten www.response-hessen.de und www.beratungsnetzwerk-hessen.de.

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