E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Frankfurt am Main 26°C

Landgericht: Angeklagter randaliert und pöbelt vor Gericht

Von Ein tätlicher Übergriff auf eine Angestellte der Staatsanwaltschaft steht seit gestern im Mittelpunkt eines Prozesses gegen einen 49 Jahre alten psychisch wahrscheinlich kranken Mann vor dem Landgericht. Der Prozess begann mit viel Gepolter: Der Angeklagte warf einen Tisch um, beleidigte den Richter und wurde schließlich aus dem Gerichtssaal gewiesen.
Foto: imago stock&people (imago stock&people)
Frankfurt. 

Es war offensichtlich keine spontane, impulsive Tat, auch kann man sagen: Der Mann hatte ein Problem mit der Justiz mehrfach durchblicken lassen. Schon früh um halb sieben hatte sich der 49-Jährige am 24. August vergangenen Jahres vor dem Gebäude der Staatsanwaltschaft an der Konrad-Adenauer-Straße auf die Lauer gelegt. Gerade die drei Bediensteten aus den Geschäftsstellen und die Wachtmeister nehmen um diese frühe Uhrzeit bereits ihren Dienst auf.

So auch die Angestellte, die – für den Täter erkennbar – die Eingangstüre des Gebäudes ansteuerte. Plötzlich trat der 49-Jährige auf die völlig ahnungslose Frau zu und hieb mit einem mitgebrachten Schlagstock auf sie ein. Wachtmeister erkannten die Situation schnell und schlugen den Peiniger in die Flucht. Kurze Zeit später konnte er gestellt und überwältigt werden. Er kam vorläufig in die Psychiatrie.

Im Rahmen der Vorbereitung des Strafverfahrens stellte Vorsitzender Richter Jörn Immerschmitt eine umfangreiche Akte über die Vorgeschichte des Angeklagten bei der Justiz zusammen.

Konflikte mit der Obrigkeit

Die „Chronik“ beginnt mit ersten Auffälligkeiten 1991, denen sich zahllose Urteile und Gerichtsbeschlüsse über die neunziger Jahre hinweg bis in unsere Zeit anschlossen. In den letzten Wochen und Monaten vor dem Vorfall kam es dann zu häufigen Briefen des Mannes an das Amtsgericht und weitere Justizstellen – vielleicht ein Hinweis auf konkrete Schwierigkeiten, die der Mann mit der Obrigkeit hatte. Schon früher war er wegen gewalttätiger Übergriffe in den Fokus der Justiz geraten und auch verurteilt und eingewiesen worden. Die Prozessbeteiligten bekamen die Akten als spannende Lektüre im Rahmen des sogenannten Selbstleseverfahrens mit nach Hause.

„Offiziell“ aber gab es gestern am ersten Verhandlungstag vor Gericht keine Aufschlüsse über die tatsächliche Motivation des Angeklagten auf die ihm zuvor offenbar völlig unbekannte Angestellte. Bevor es zu irgendwelchen Erörterungen zur Sache und zur Person kommen konnte, spielte der Angeklagte verrückt.

Er warf plötzlich den vor ihm stehenden Tisch um und beschimpfte den Vorsitzenden Richter, der eilig den besonderen Notfallknopf am Richtertisch drückte: Alarm im Sitzungssaal 8, Gebäude E. Acht gestandene Wachtmeister liefen auf und stellten die Ordnung im Saal wieder her.

Gefährlich oder nicht?

Der Angeklagte aber ließ sich kaum beeindrucken und weigerte sich weiterhin, an der Aufklärung des Vorfalles mitzuarbeiten. Schließlich stellte er selbst den Antrag, ihn aus dem Gerichtssaal zu weisen. Nach der Aktion mit dem Tisch und den Beleidigungen sah das Gericht dafür keine Hindernisse und gab dem Antrag statt.

Im Mittelpunkt des vorerst auf drei Verhandlungstage terminierten Prozesses steht die Frage, ob der Angeklagte denn in die Psychiatrie einzuweisen ist. Bei schweren Straftaten ist dies in der Regel kein Problem, wenn ein Sachverständiger die Allgemeingefährlichkeit des Täters und eine entsprechende Wiederholungsgefahr feststellen kann.

Einfache körperliche Übergriffe – und als solcher ist die Attacke auf die Frau im August vergangenen Jahres zu werten – aber gehören zur mittleren Kriminalität, bei der eine Einweisung in die Psychiatrie und der damit dauerhafte Verlust der Freiheit nach Entscheidungen des Bundesgerichtshofes besonders zu prüfen sind.

Bis zum 21. März hat sich die Strafkammer für die Überlegungen Zeit genommen. An diesem Tag soll dann – voraussichtlich wieder ohne den Täter – ein Urteil verkündet werden.

Zur Startseite Mehr aus Frankfurt

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen