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Jugendtheater: Angespannte Haushaltslage: Kosten gefährden neues Theater

Von Ein eigenes Kinder- und Jugendtheater ist einer der großen Pläne der schwarz-rot-grünen Koalition im Römer. Doch angesichts der angespannten Haushaltslage steht hinter dem Projekt ein großes Fragezeichen. Die FDP warnt vor hohen Kosten, die CDU hofft auf Hilfe aus dem Umland.
Das Zoogesellschaftshaus könnte ein neues Kinder- und Jugendtheater beherbergen. Allerdings steht erst noch eine Sanierung an. Das Zoogesellschaftshaus könnte ein neues Kinder- und Jugendtheater beherbergen. Allerdings steht erst noch eine Sanierung an.
Frankfurt. 

Den Wunsch gibt es seit Jahrzehnten, nach etlichen fehlgeschlagenen Anläufen scheint die Erfüllung nun nah: Die Stadtverordneten gaben vor einigen Wochen einstimmig den Auftrag an die Stadtregierung, die Gründung eines neuen Theaters für Kinder und Jugendliche vorzubereiten. Dieses sollte, so der Beschluss, im besten Falle seinen Platz im Zoo-Gesellschaftshaus finden.

Auch Stefan von Wangenheim, kulturpolitischer Sprecher der FDP, hat das mitgetragen, trotzdem hat er Zweifel, ob sich die Stadt diese Investition leisten sollte. Schließlich hat der Kämmerer einen Sparkurs ausgerufen und es steht die Summe von 800 bis 900 Millionen Euro im Raum, die eine Sanierung oder ein Neubau der Städtischen Bühnen kosten könnten. Selbst wenn die aktuell laufende Überarbeitung der Pläne diese Summe senkt – einige hundert Millionen Euro werden sicher nötig sein.

Und nun soll die Neugründung eines Theaters kommen, die vor allem bei einem Einzug ins Zoo-Gesellschaftshaus auch nicht mit einem kleinen Millionenbetrag abzuhandeln ist. 28 Millionen Euro hatte das Hochbauamt vor Jahren mal für die dringend anstehende Sanierung des Hauses angesetzt, der tatsächliche Bedarf durch die neue Nutzung dürfte deutlich höher liegen. „Das ist politisch schwer zu vertreten“, sagt von Wangenheim und hat sich nach Alternativen umgesehen: So könnte man das Kinder- und Jugendtheater in die Pläne für die Bühnen einbeziehen oder „wir unterstützen erstmal die bestehenden Kinder- und Jugendtheater so, dass sie arbeiten können, ohne an der Existenzgrenze zu kratzen“.

Blick in andere Städte

Für diesen Kurswechsel findet von Wangenheim aktuell in der Koalition aus CDU, SPD und Grünen keine Anhänger. Deren kulturpolitische Sprecher waren in dieser Woche in Berlin und haben sich dort zwei Jugendtheater angesehen. Auch in Dresden, Leipzig und Stuttgart waren die Politiker bereits in dieser Angelegenheit. Bis zum Ende des Jahres, so hofft der Grüne Sebastian Popp, könnte ein Konzept vorliegen. „Wir brauchen ein professionelles Kinder- und Jugendtheater, im digitalen Zeitalter dringender denn je.“ Das Zoo-Gesellschaftshaus, dessen Eignung ja noch zu prüfen ist, hält Popp für einen perfekten Ort. Ebenso Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD). Das Zoo-Gesellschaftshaus bringe als Standort „ausgezeichnete Synergien mit sich. Wir stärken damit nicht nur eine generationsübergreifende Familienkultur an der Nahtstelle von Kunst und Natur, sondern beleben darüber hinaus das Stadtzentrum kulturell in Richtung Osten.“ Thomas Dürbeck, kulturpolitischer Sprecher der CDU, nimmt es ein bisschen fatalistisch: „Die Kosten für die Sanierung des Hauses haben wir doch so oder so. Und wir haben keine bessere Idee, wie wir es nutzen sollten.“

Aber Dürbeck sieht, dass es nicht einfach sein wird, die Theatergründung finanziell zu stemmen. Sein Vorschlag: „Eventuell funktioniert es besser, wenn wir das Umland mit einbeziehen.“ Von einer Anbindung an die großen städtischen Bühnen halten er und Popp nichts, die Erfahrung aus anderen Städten zeige, dass die Jugendsparte dann immer nur Anhängsel sei.

Die Kleinen hoffen

Das glaubt auch Gordon Vajen, Leiter des Theaterhauses in der Schützenstraße. Er wirbt seit Jahrzehnten für die Gründung einer solchen Einrichtung: „Unser Theaterhaus ist wunderbar, aber zu klein. Das engt unsere Möglichkeiten ein“, erklärt der Theatermann.

Ihm wie auch den Politikern schwebt eine größere Spielstätte vor, die eigene Produktionen inszeniert, mit freien Ensembles und internationalen Gastspielen arbeitet.

Zudem bräuchte es ein starkes pädagogisches Angebot. Vajen ist einer der engen Berater des Kulturdezernats und geht davon aus, dass sein Ensemble an der neuen Bühne in irgendeiner Form beteiligt wäre.

Ähnlich sieht man es beim Theater Grüne Soße, das in seiner Spielstätte in Bornheim auch nur Platz für 80 Zuschauer hat (das Theaterhaus fasst 120). Das bisherige Angebot könne die Grundversorgung nicht abdecken, sagt Detlef Köhler vom Grüne-Soße-Theater. „Bislang geht’s in Frankfurt nach dem Motto: Für die Kleinen genügt’s klein.“

Klein findet Ulrike Backhaus die Summen, mit denen die Stadt den schon bestehenden Kindertheatern unter die Arme greift. „Das ist zum Sterben zu viel und zum Leben zu wenig“, klagt Backhaus, die mit ihrem Mann das Kinder- und Jugendtheater in der Nordweststadt führt.

Genau wie der Papageno-Gründer Hans-Dieter Maienschein warnt sie davor, dass die Stadt den bestehenden Häusern Konkurrenz macht.

In den nächsten Jahren wird das keinesfalls eintreten. „Wir bauen ja nicht morgen“, sagt Popp und räumt ebenso wie Dürbeck ein, dass bis zur ersten Vorstellung im stadteigenen Kinder- und Jugendtheater noch einige Jahre vergehen werden.

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