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Neuer Stadtteil in Frankfurt: Angst vor neuer "Schlafstadt"

Von Die Kritik am neuen geplanten Stadtteil im Nordwesten zwischen Praunheim, Niederursel und Riedberg sowie den Nachbarstädten Steinbach und Oberursel reißt nicht ab. Naturschutzverbände reagieren unwillig, die Grünen pragmatisch.
Der Weg von Praunheim in Richtung Nordweststadt. Foto: Rainer Rueffer-- FRANKFURT AM MA Der Weg von Praunheim in Richtung Nordweststadt.
Frankfurt. 

Die Grünen im Frankfurter Römer beugen sich offenbar den Realitäten. Angesichts des anhaltenden Bevölkerungswachstums und dem erhitzten Wohnungsmarkt stimmen sie dem neuen Stadtteil zwischen Niederursel, Praunheim und Steinbach im Grundsatz zu. „Wir wollen Frankfurt weiterentwickeln, Lebensqualität und grüne Freiflächen sichern und neuen Wohnraum in einer ausgewogenen sozialen Mischung und von hoher städtebaulicher und ökologischer Qualität schaffen. Das Stadtklima muss der entscheidende Punkt bei der Auswahl von Baugebieten sein, damit Frankfurt sich nicht die Zukunft verbaut. Der Vorschlag für den neuen Stadtteil ist ökologisch zu verantworten und jetzt gilt es, nachhaltig zu planen“, sagt Manuel Stock, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Römer.

Hier könnte irgendwann ein neuer Stadtteil von Frankfurt entstehen: Das Feld zwischen Bad Vilbel und Nieder-Erlenbach mit Blick auf die Kloppenheimer Windräder. Geprüft hat die Stadt das Gelände bereits.
Gegen mögliches Baugebiet Kein Stadtteil auf der grünen Wiese

Neben dem Pfingstberg und dem vor einer Woche vorgestellten neuen Stadtteil bei Praunheim prüfte die Stadt ein drittes Neubaugebiet auf der grünen Wiese: Zwischen Nieder-Erlenbach und Bad Vilbel. Dort schreckt die Nachricht Politiker auf, Frankfurts Planungsdezernat aber winkt ab: Ein Baugebiet entstehe hier „in absehbarer Zeit“ nicht.

clearing

Gegenwind kommt vom eigenen Klientel. „Wir lehnen den geplanten neuen Stadtteil ab“, sagt Friederike Schulze, Sprecherin des BUND Hochtaunuskreises. Die Umweltschützerin spricht sich gegen eine weitere Versiegelung kostbaren Bodens aus. Politiker sollten bedenken, dass bereits 2,5 Millionen Hessen „auswärts“ ernährt werden müssten, da nicht genügend Anbauflächen für Nahrungsmittel in Hessen zur Verfügung stünden.

„Keine Einfamilienhäuser“

Sollte aber ein solcher Stadtteil aus dem Boden gestampft werden, dann sei möglichst viel Fläche zu schonen, so Schulze. Das hieße etwa, dass Reihenhäuser und Doppelhaushälften das Bild prägen sollten. Für großzügige Einfamilienhäuser dürfe es keinen Platz geben. Schulze befürchtet auch, dass im neuen Stadtteil Tristesse Einzug halten könnte. Sie denkt an den neuen Stadtteil Riedberg, der zu einer „Schlafstadt“ mutiert sei.

Auch vom Umweltverband NABU des Hochtaunuskreises kommt Kritik am geplanten neuen Stadtteil. „Leider müssen wir als Naturschützer konstatieren, dass durch den starken und weiter zunehmenden Siedlungsdruck im Rhein-Main-Gebiet immer mehr Flächen verloren gehen und der sparsame Umgang mit Boden, den sich die Bundesregierung in der Nachhaltigkeitsstrategie zum Ziel gesetzt hatte, leider nur unzureichend berücksichtigt wird“, sagt die Kreisvorsitzende Sibylle Winkelhaus. Folglich sehen die Naturschützer die Entwicklung eines neuen Stadtteils im Frankfurter Westen mit Sorge, weil dadurch rund 200 Hektar Ackerböden und Grünland in unmittelbarer Nähe zum Hochtaunuskreis versiegelt würden.

Akzeptanz fällt schwer

Ellen Enslin, Grünen-Kommunalpolitikerin im Hochtaunuskreis, spart ebenfalls nicht mit Kritik an ihren Frankfurter Parteifreunden. Zwar hat sie auf der einen Seite Verständnis für den Siedlungsdruck der Großstadt, auf der anderen Seite hätte sie es begrüßt, wenn die Frankfurter Grünen erst das Gespräch mit den Betroffenen gesucht und dann ihre Entscheidung zum neuen Stadtteil kommuniziert hätten. So sei es jetzt schwer, Akzeptanz für das Projekt zu bekommen.

Enslin, die auch als Direktkandidatin der Grünen bei den Landratswahlen im Hochtaunuskreis antritt, hält es darüber hinaus für erforderlich, dass alle Potenziale, die die Region für Wohnbaumaßnahmen biete, ausgeschöpft werden, bevor das Frankfurter Großprojekt in Angriff genommen werde.

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