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Neue Vorwürfe: Anonymer Brief bremst Prozess aus

Von Im Korruptionsprozess um die Cargo City Süd am Flughafen hat ein anonymer Brief für Wirbel gesorgt. Der Verfasser erhebt neue Vorwürfe gegen den angeklagten Makler Uwe S. Ein Zeuge, der wegen des Schreibens kurzfristig geladen wurde, bestätigte die aufgestellten Behauptungen allerdings nicht.
Uwe S. gehört zu den Angeklagten im Prozess um Schmiergeldabsprachen in Millionenhöhe. Außer dem Makler müssen sich auch die prominenten Investoren Ardi Goldman und Jürgen Harder verantworten. Foto: Bernd Kammerer (Presse- und Wirtschaftsdienst) Uwe S. gehört zu den Angeklagten im Prozess um Schmiergeldabsprachen in Millionenhöhe. Außer dem Makler müssen sich auch die prominenten Investoren Ardi Goldman und Jürgen Harder verantworten.
Frankfurt. 

Überraschung im Korruptionsprozess um die Vergabe von Grundstücken auf dem Gelände der Cargo City Süd: Anders als ursprünglich geplant, wurde die Hauptverhandlung vor dem Frankfurter Landgericht gestern Morgen nicht mit dem Plädoyer der Staatsanwaltschaft fortgesetzt. Stattdessen sah sich der Vorsitzende Richter Christopher Erhard gezwungen, noch einmal in die Beweisaufnahme einzutreten, die er in der vorangegangenen Sitzung nach gut acht Monaten geschlossen hatte.

Grund war ein anonymer Brief, der per Post an die 12. Strafkammer des Landgerichts geschickt wurde und den Vorsitzenden Richter nach eigenen Angaben am frühen Montagabend erreichte. Der Verfasser des Schreibens erhebt neue Vorwürfe gegen den angeklagten Makler Uwe S. Konkret behauptet er, der Immobilieninvestor Christian S. habe dem Makler Geld angeboten, um an ein Grundstück auf dem Gelände der Cargo City Süd zu kommen. Jetzt zahle Christian S. dem Makler „Schweigegeld“, damit dieser den Vorgang im laufenden Prozess nicht zur Sprache bringe.

Kurzfristige Ladung

Der Verfasser des anonymen Briefes behauptet, ein langjähriger Bekannter des Maklers Uwe S. zu sein und auch die ebenfalls angeklagten Projektentwickler Ardi Goldman und Kai B. zu kennen. Er sei zwar auch „kein großer Fan“ Goldmans, störe sich aber vor allem an Uwe S.’ „Auftritt“ vor dem Landgericht, weil der Makler die Wahrheit verdrehe. Richter Erhard brachte seine allgemeine Abneigung gegen anonyme Briefe zum Ausdruck, er hatte das Schreiben aber trotzdem zum Anlass genommen, den Investor Christian S. am Montagabend kurzfristig als Zeuge laden zu lassen.

Die Sitzung wurde für eine halbe Stunde unterbrochen, damit die Prozessbeteiligten den anonymen Brief lesen konnten. Anschließend bekundete die Verteidigung des Maklers Uwe S. auf Nachfrage des Richters, dass man gegenwärtig „keine Veranlassung“ sehe, sich zu dem Schreiben zu äußern. Richter Erhard ging deshalb unmittelbar zur Befragung des Zeugen Christian S. über, der mit einem Rechtsbeistand erschienen war.

Der 44 Jahre alte Immobilieninvestor berichtete, dass der Makler Uwe S., mit dem er sehr gut befreundet sei, vor knapp zehn Jahren ein mögliches Geschäft im Zusammenhang mit der Cargo City Süd an ihn herangetragen habe. Die Fraport Cargo Services, eine Tochter des Flughafenbetreibers Fraport, habe damals einen langfristigen Investor für ein Grundstück gesucht. Das Geschäft sei aber wegen der aus seiner Sicht schlechten Konditionen nicht zustande gekommen, führte der Investor aus. Er betonte, dass es keine Besonderheiten im Sinne von Schmiergeldabsprachen oder gar -zahlungen gegeben habe.

Drei Zahlungen

Auch die Behauptung, er zahle Uwe S. ein „Schweigegeld“, wies der Investor zurück. „Ich find’s absurd“, kommentierte Christian S. die Behauptung des anonymen Schreibers. Er räumte allerdings ein, dass er in der letzten Zeit aus anderen Gründen drei Zahlungen an den Makler leistete: Einmal habe er Uwe S. als Vorschuss für dessen Strafverteidiger Uwe Lenhart 5 000 Euro geliehen, zweimal habe er im Zusammenhang mit Geschäften je 2 500 plus Umsatzsteuer überwiesen.

Investor Christian S. hatte im Korruptionsprozess bis zum Eingang des anonymen Briefs keine Rolle gespielt, obwohl sein Name an einigen Stellen der Ermittlungsakte auftauchte. Die Staatsanwaltschaft hielt S. gestern Dokumente vor, die dafür sprechen, dass sich der frühere Fraport-Mitarbeiter Volker A. im Unternehmen besonders für Investor S. einsetzte.

A. war Hauptangeklagter im Prozess um die Cargo City Süd, Mitte September ist er bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Er arbeitete eng mit dem Makler Uwe S. zusammen. Für die bevorzugte Vergabe von Grundstücken hat er nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft Geld verlangt und mitunter auch kassiert. Ging es auch im Fall Christian S. in diese Richtung? Die Staatsanwaltschaft spürte dieser Möglichkeit mit Fragen nach. In Schreiben stellte Makler Uwe S. dem Investor in Aussicht, dass ihn der Fraport-Mitarbeiter Volker A. „zügig und sicher zum Ziel führen“ und Widerstände ausräumen werde. Die Frage, warum sich A. so sehr für ihn einsetzte, konnte Christian S. nicht beantworten. Bei anderen Fragen gab er an, sich nicht erinnern zu können.

Strafrechtlich verfolgbar wäre eine mögliche Bestechungshandlung im Jahr 2007 heute nicht mehr, merkte der Vorsitzende Richter mit Hinweis auf die Verjährungsfrist von fünf Jahren an. Der Zeuge wurde am Ende unvereidigt entlassen.

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