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Antworten Sie mir, Herr Rhein!

Von Mirco Overländer Showdown bei einer CDU-Veranstaltung in Oberrad: Die besorgte Mutter Anja Heyne konfrontierte OB-Kandidat Boris Rhein mit dem Leid ihrer 16 Monate alten Tochter. Dr. Anja Heyne (36) im Kinderzimmer ihrer 16 Monate alten Tochter Hannah, die massiv unter dem Fluglärm leidet. Die Forderung der Mutter ist eindeutig: Legt die Landebahn still! Foto: Rainer Rüffer Dr. Anja Heyne (36) im Kinderzimmer ihrer 16 Monate alten Tochter Hannah, die massiv unter dem Fluglärm leidet. Die Forderung der Mutter ist eindeutig: Legt die Landebahn still! Foto: Rainer Rüffer

Oberrad. 

Mit wiedergewonnener Fassung steht Dr. Anja Heyne (36) im Kinderzimmer ihrer 16 Monate alten Tochter Hannah: "Es ist wohl so, dass meine Tochter durch die ständigen Überflüge an Schlafstörungen, nächtlichem Nasenbluten und Bluthochdruck leidet. Die Ärzte der Uniklinik schließen das auch nicht aus und sagen, ich sei kein Einzelfall. Der Mangel an Beweisen hat mich zu meinem emotionalen Ausbruch gebracht", sagt die besorgte Mutter, die OB-Kandidat Boris Rhein während einer CDU-Wahlkampfveranstaltung mit ihrer erschreckenden Befürchtung konfrontierte (wir berichteten).

Keinen Trost

Rhein, selbst Vater von zwei Kindern, antwortete im Stil eines abgeklärten Berufspolitikers: Er bot der promovierten Wirtschaftswissenschaftlerin im Anschluss an die Veranstaltung ein persönliches Gespräch an, verwehrte sich aber gegen eine öffentliche Gesundheitsdebatte. Daraufhin verließ Anja Heyne den Saal völlig aufgelöst. "Ich war bei dieser Veranstaltung, weil ich verzweifelt bin und darstellen wollte, wie die Situation tatsächlich aussieht", sagt sie einen Tag später.

Polemische Zwischenrufe seien nicht ihre Art. Doch was sie von Boris Rhein an diesem Abend zu hören bekam, "das war kein Trost, sondern ein Verweis auf mein demokratisches Recht, hier wegzuziehen." Die besorgte Mutter ist entsetzt, wie die Politik mit den Bürgern umgeht: "Hier läuft ein abscheulicher Menschenversuch: Das Thema wird kleingeredet und die Betroffenen als übersensible Minderheit dargestellt", ereifert sich Anja Heyne. Sie sagt, ihre Familie fehle trotz des gesundheitlichen Risikos das Geld, um das nicht abbezahlte und über Nacht zur Lärmfalle mutierte Eigenheim am Sachsenhäuser Berg zu verkaufen: "Wer will denn hier jetzt noch kaufen", fragt sie sich.

Keine Perspektive

Die verzweifelte Mutter hätte sich vom amtierenden Innenminister Antworten auf die ihr unter den Nägeln brennenden Fragen erhofft: Was würde er tun, wenn seine Kinder von fünf bis 23 Uhr von Turbinenlärm bedröhnt würden? Wie kann es sein, dass die Fraport mit einer millionenschweren Image-Kampagne auf die Landebahn- Kritiker reagiert und die Politik aktiv zu beeinflussen versucht? Wie passt es zusammen, dass Rhein mit Kindern auf Wahlplakaten posiert und besorgte Eltern mit technokratischen Vorträgen über passiven Schallschutz abspeist? Anja Heyne konnte aufgrund der emotionalen Belastung nicht all ihre Fragen stellen. Sie hinterließ Rhein ihre Adresse und wartet nun auf eine Antwort. "Herr Rhein wird sich in den nächsten Tagen auf jeden Fall bei ihr melden", heißt es aus dem Büro des OB-Kandidaten.

Die Wirtschaftsexpertin sagt indes, die Bahn müsse weg: "Wenn meine Kinder auswärts übernachten, schlafen sie durch. Die Probleme haben sie nur in der Einflugschneise", hat sie beobachtet. Sie findet, dass man "einer Minderheit nur das zumuten sollte, was man auch selbst ertragen kann." Heyne wird bei der OB-Wahl für FAG-Frau Ursula Fechter stimmen: "Der Lärm bleibt im Süden aber die Emissionen kommen auch auf Nordseite des Flusses", mahnt die verzweifelte Mutter.

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