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Anwohner wollen Gaslaternen behalten

Da die Stadt die verbliebenen Gaslaternen in Frankfurt auf Strombetrieb umrüsten möchte, setzen sich Bürger im Dichterviertel für den Erhalt der dortigen Gaslaternenmasten ein. Die Stadt möchte auf lange Sicht sparen und die Umwelt schützen.
Die Mitglieder der Bürgervereinigung Dichterviertel stehen vor einer alten Gaslaterne. Foto: Kilb Die Mitglieder der Bürgervereinigung Dichterviertel stehen vor einer alten Gaslaterne. Foto: Kilb
Dornbusch. 

Es ist dunkel, kalt und es nieselt, doch irgendwie ist alles nicht so unangenehm wie üblich. Kaum Autolärm dringt zwischen die Gründerzeit- und Jugendstilvillen hier im Dichterviertel im Dornbusch, die Straßenlaternen leuchten angenehm warm, es ist fast gemütlich draußen. Eine neue Form der Beleuchtung könnte der Stimmung hier aber bald ein Ende setzen. Noch werden die Straßenlaternen mit Gas betrieben, wie seit Jahrzehnten, doch die Stadt möchte alle Laternen in Frankfurt elektrifizieren.

Das verhindern will die Bürgervereinigung Dichterviertel, deren Liebe zu alten Lichtquellen schon die Fackeln zeigen, mit denen sie zur Ortsbegehung im Dichterviertel empfängt. Sie setzt sich aus Bewohnern des noblen Wohngebiets zusammen. Sie alle lieben das warme Licht der Gaslaternen und haben einige Gründe für deren Fortbestand.

Insektenforscher warnen

Elektronisch betriebene Leuchten, so sind Hubert Buss, der Vorsitzende der Vereinigung, und seine Mitstreiter überzeugt, seien verantwortlich, dass allnächtlich in der Nahrungskette unerlässliche Insekten sterben. Auch Insektenforscher fordern daher den Erhalt der Gaslaternen.

Was die Bürgervereinigung ebenso aufregt: Verkehrsdezernent Stefan Majer (Grüne), dessen Behörde zuständig für den Austausch ist, hatte erklärt, dass die Elektrifizierung der Gaslaternen für eine Senkung der Betriebskosten von 500 auf 42 Euro pro Jahr sorgen würde. Der Bürgervereinigung fehlt jedoch eine Investitionsrechnung, die dies belegt.

Kritisiert werden auch die hohen Kosten der Umrüstung. Die Straßenbeleuchtung RheinMain GmbH (SRM) hatte diese auf 11 200 Euro beziffert. Deren Sprecher Thomas Erfert sagt jedoch, dass lediglich die teuerste Variante der Umrüstung 11 200 Euro kosten würde, so wie in der Nistergasse in Heddernheim. Elektromasten wurden dabei in Gasmast-Optik neu aufgestellt und die bestehende Leuchte mit einem speziellen LED-Umbausatz ausgerüstet.

Zu hohe Kosten

In der Justinianstraße im Nordend sei die Umrüstung hingegen mit Straßenbauarbeiten kombiniert worden, Kosten dabei: 5 930 Euro. "Wenn man 55 Prozent der Maßnahmen als Alleinmaßnahme und 45 Prozent als Mitverlegung umsetzen kann, stehen Kosten von circa 8 850 Euro pro Lichtpunkt an", so Erfert.

Laut Aussage des SRM-Sprechers zwingen das Unternehmen auch sicherheitstechnische Gründe zum Handeln. Viele Gaslaternenmasten seien älter als 40 Jahre und in dieser Zeit Witterung, Erdfeuchte und anderen Umwelteinflüssen ausgesetzt gewesen. Derzeit prüfe ein zertifiziertes Unternehmen des Technischen Überwachungsvereins (TÜV), welche Masten in welchem Zustand sind.

"Da das Geld schon in die Hand genommen werden muss, sollte man es doch nachhaltig in effizientere Technik investieren. Es können hier 7 000 Tonnen CO2 jährlich eingespart werden, was über 19 Tonnen pro Tag entspricht, ganz zu schweigen von den Betriebskosten", so Erfert.

Geringerer Aufwand

Was dies betrifft, liefert Ingmar Bolle, Sprecher von Verkehrsdezernent Stefan Majer, Fakten: "Die neuen Leuchten müssen nicht so oft gewartet werden wie Gaslaternen, auch ist der Verbrauch weit niedriger. Die Betriebskosten sind sicher keine Phantasiewerte. Sobald die Mainova uns die Kosten übermittelt, werden sie von unseren Fachämtern geprüft."

Dem Verkehrsdezernat ist daran gelegen, die Umrüstung der Laternen den Menschen im Dichterviertel so angenehm wie möglich zu gestalten. "Der Farbton der neuen Lampen ist extrem dicht dran am Licht der Gaslaternen", findet Bolle. Auch betont er, dass nach Wegen gesucht werde, möglichst viele Insekten zu schonen: "Das Umweltamt und die SRM beschäftigen sich damit, die neuen Leuchten Insekten verträglich zu machen. Andererseits kann ich mir aber auch nicht vorstellen, dass die sehr heißen Gaslaternen weit weniger Insekten töten."

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