Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Laufsport - Alles rund um den Mainova Frankfurt Marathon ... Frankfurt am Main 21°C

Zum zweiten Mal vor Gericht: Apfel-Attacke im Frankfurter Bankenviertel

Von Weil er bei einer Demonstration die Polizei mit einem Apfel attackiert haben soll, steht ein 25-jähriger Mann vor Gericht. Verblüffend dabei: Offenbar war er an zwei verschiedenen Orten gleichzeitig.
Auf der Richterbank im Gerichtssaal liegt ein Richterhammer aus Holz. Foto: Uli Deck/Archiv Auf der Richterbank im Gerichtssaal liegt ein Richterhammer aus Holz. Foto: Uli Deck/Archiv
Innenstadt. 

Ein gelber Apfel beschäftigt seit gestern nun schon zum zweiten Mal die Frankfurter Justiz. Geworfen wurde das Obst laut Staatsanwaltschaft von einem 25 Jahre alten Mann, der an einer Gegendemonstration zu einer rechtsgerichteten Kundgebung „Widerstand Ost-West“ teilgenommen hatte. Adressat waren die Polizeibeamten, der Tatort lag im Bankenviertel.

An jenem 20. Juni 2015 ging es an der Kreuzung Neue Mainzer Straße/Große Gallusstraße hoch her. Die Gegendemonstranten machten der Polizei mehr Ärger und Arbeit als die eigentliche Kundgebung. Mitten auf der Kreuzung versuchten die aus mehreren Bundesländern zusammengekommenen Beamten, die Lage im Griff zu behalten.

Alles auf Video

Gleich mehrere Polizisten waren mit Videokameras unterwegs und filmten die Szenerie. Plötzlich kam der durch die Luft fliegende Apfel ins Bild, der in Richtung der Beamten flog und offenbar an einem Lampenmast zerschellte. Polizei und Staatsanwaltschaft machten den 25 Jahre alten Mann als Werfer aus, der deshalb seit gestern zum zweiten Mal auf der Anklagebank sitzt.

Zunächst hatte er einen Strafbefehl bekommen, der auch noch den Vorwurf des schweren Landfriedensbruchs enthielt. In der Verhandlung vor dem Amtsgericht blieb es im Juni vergangenen Jahres dann bei einer Geldstrafe von 2400 Euro (80 Tagessätze) wegen versuchter Körperverletzung und Verstoßes gegen das Vermummungsverbot. Die Staatsanwaltschaft glaubte nämlich auch noch, den Mann im Video mit hochgezogenem Schal erkannt zu haben.

Der Demonstrant fühlte sich aber zu unrecht belangt und legte Berufung bei einer kleinen Strafkammer des Landgerichts ein. Er sei nicht der Apfelwerfer gewesen und habe sich den Schal nur deshalb vor das Gesicht gezogen, um sich vor möglichem Tränengas zu schützen, sagte er zu seiner Verteidigung.

Laptop streikt

Die Wachtmeister hatten vorsichtshalber schon einmal die beiden großen weißen Leinwände heruntergelassen. Und wenn auch der Laptop der Richterin streikte, gab es mit Hilfe des Laptops der Verteidigerin die erwartete Filmvorführung. Wieder und wieder flog der kleine Apfel quer über den Bildschirm und wieder zurück. Das Band wurde angehalten und wieder in Gang gesetzt.

„Hinten links, das ist der Apfelwerfer“, kommentierte ein Polizeibeamter im Zeugenstand. Aber ob dies auch der Angeklagte war, daran hatte zumindest die Verteidigerin ihre Zweifel. Denn ihr Mandant sei auf einem zur gleichen Zeit aufgenommenen Video zu erkennen und könne ja schließlich nicht gleichzeitig an zwei verschiedenen Orten gewesen sein, argumentierte sie.

Neue Beweise gefordert

Die Rechtsanwältin monierte noch reichlich Aufklärungsbedarf. Insbesondere erschien es ihr schleierhaft, dass mehrere Aufzeichnungen aus Polizeikameras just zum gleichen Zeitpunkt abbrachen, nämlich um 15.10 Uhr. Man solle sehen, dass man noch weiteres Videomaterial herbeibringe, das bislang vielleicht noch gar nicht bearbeitet worden sei.

Ein Beweismittel ist indes nicht mehr vorhanden. Der gelbe Apfel, möglicherweise ein Golden Delicious, wird wahrscheinlich bald nach der Tat dem Biomüll zugeführt worden sein. Oder es hat ihn jemand gegessen.

Zur Startseite Mehr aus Frankfurt

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse